Brasília. Ein Beamter der Bundespolizei hat Details eines Komplotts zur Verhaftung und sogar zur Ermordung von Amtsträgern wie dem brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva nach den Wahlen 2022 preisgegeben. Die Übernahme der Präsidentschaft durch Lula da Silva am 01.01.2023 sollte so verhindert werden.
In von der Bundespolizei (PF) veröffentlichten Audioaufnahmen enthüllt der Bundespolizist Wladimir Soares Details des Komplotts, das neben Lula auch Richter Alexandre de Moraes vom Obersten Bundesgericht (STF) und Vizepräsident Geraldo Alckmin zum Ziel hatte. Soares war im November 2023 festgenommen worden, gegen ihn wird wegen Verschwörung zum Staatsstreich ermittelt.
In den Aufnahmen, die an den Obersten Gerichtshof übermittelt und vom Portal G1 veröffentlicht wurden, gibt Soares ohne zu zögern seine Absicht zu, bei der Aktion gewaltsam vorzugehen. "Wir wollten mit großer Entschlossenheit vorgehen, wir wollten die Hälfte der Leute verdrängen, Mann, die Hälfte der Leute töten. Das wäre uns egal gewesen", sagt er und machte damit die Ernsthaftigkeit des Plans deutlich, der die Festnahme und physische Beseitigung der politischen Gegner vorsah.
Bei der polizeilichen Untersuchung zur Beteiligung an einem Mordkomplott und einem Staatsstreich gegen die Demokratie wurde eine Audiodatei auf Soares Handy gefunden. Darin forderte er, de Moraes zu enthaupten. An einer anderen Stelle der Aufnahme teilt Soares Details seiner Frustration über die Entscheidung von de Moraes im Jahr 2020, die Ernennung von Alexandre Ramagem zum Generaldirektor der PF zu blockieren.
"Alexandre de Moraes hätte wirklich geköpft werden müssen, als er den Präsidenten daran hinderte, Ramagem zum Direktor der Bundespolizei zu ernennen", sagt Soares und brachte damit seine radikale Motivation zum Ausdruck.
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Die sogenannte Operation 'Contragolpe' (Gegenputsch) der Bundespolizei, die diese Machenschaften aufdeckte, führte zur Festnahme von vier Militärs und Soares selbst (amerika21 berichtete).
Der Bericht der Strafverfolgungsbehörde deutet darauf hin, dass die Beteiligten einen koordinierten Angriff planten, bei dem Soldaten vor dem Wohnhaus von de Moraes in Brasília postiert waren und auf die Gelegenheit warteten, den Plan zu dessen Ermordung auszuführen.
Die Audioaufnahmen enthüllen auch das Ausmaß der Verwicklung anderer Mitglieder der Organisation. Ein Delegierter, dessen Name noch nicht bekannt gegeben wurde, äußerte sich sogar begeistert über die Putschmission und sagte: "Großartig, Wladimir! Du und ich werden im Team sein, um die Oppositionellen zu verhaften und zu töten."
De Moraes wurde zum Berichterstatter ernannt für die vom Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Hugo Motta, eingereichte Beschwerde gegen die Entscheidung der ersten Kammer des STF, die das Strafverfahren gegen Ramagem, Delegierter der PF und ehemaliger Generaldirektor der brasilianischen Geheimdienstbehörde, teilweise ausgesetzt hatte. Gegen den Abgeordneten wird wegen mutmaßlicher Beteiligung an Putschversuchen nach den Wahlen 2022 ermittelt.
Letzte Woche blockierte der Oberste Gerichtshof den Beschluss des Unterhauses, das laufende Strafverfahren auszusetzen, was nach Ansicht des Gerichts nicht nur Ramagem, sondern auch anderen Angeklagten im Putschkomplott wie dem ehemaligen Präsidenten Jair Bolsonaro, zugute kommen würde.

