Guatemala-Stadt. Die Staatsanwaltschaft für Menschenrechte hat den Antrag gestellt, Darío Morales García in den Hausarrest zu überstellen. García wird der Beteiligung am Mord an Bischof Juan José Gerardi beschuldigt, der im April 1998 ermordet worden war. García war ehemaliges Mitglied des Generalstabs der Armee beim Staatspräsidenten, eine Institution, die 2003 im Zuge der Demokratisierung aufgelöst wurde. Er soll im April 1998 als Fotograf für den Generalstab tätig gewesen sein, den Tatort unmittelbar nach dem Verbrechen dokumentiert und falsche Angaben zu seiner Identität gemacht haben. Der Mord an Gerardi ereignete sich zwei Tage nach der Veröffentlichung des Berichts Guatemala nunca mas (Guatemala nie wieder), des ersten umfangreichen Dokuments über die Verbrechen an der Zivilbevölkerung im guatemaltekischen Bürgerkrieg (1960–1996).
García verließ 2001 die Armee und floh in die USA, nachdem er als möglicher Tatbeteiligter gesucht wurde. Im April vergangenen Jahres wurde er verhaftet und nach Guatemala ausgeliefert. Bisher lief vor Gericht die Beweisaufnahme vor der eigentlichen Verhandlung, ein genauer Termin für den regulären Prozesstermin steht noch nicht fest.
Der Antrag auf Hausarrest traf bei Menschenrechtsorganisationen auf Unverständnis. Das Menschenrechtsbüro des Erzbistums (ODHAG), das als Nebenkläger auftritt, verurteilte den Antrag als "Anschlag auf die Demokratie". Es verwies auf die lange Zeit, in der García unerkannt in den USA gelebt hatte, daher bestehe Fluchtgefahr. Alejandro Rodríguez vom Institut für vergleichende Studien der Strafrechtswissenschaften von Guatemala kommentierte in einer Pressemitteilung: "Darío Morales García war mehr als 22 Jahre auf der Flucht und es stimmt absolut nicht, dass er sich freiwillig gestellt hat. Nach dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit ist es vollkommen angemessen und notwendig, dass bei einem so schweren Verbrechen die Person in Untersuchungshaft genommen wird. Vor allem aber, weil Fluchtgefahr besteht."
Der Antrag der Staatsanwaltschaft steht auch vor dem Hintergrund, das sich diese Instanz unter der Leitung von Consuelo María Porras in den vergangenen Jahren aus Sicht vieler Menschen in Guatemala zu einer korrupten Instanz entwickelt hat, die politisch mit dem Pakt der Korrupten zusammenarbeitet.
Über den Tellerrand schauen?
Mit Ihrer Spende können wir Ihnen täglich das Geschehen in Lateinamerika näher bringen.
Es geht Menschenrechtsorganisationen bei dem Verfahren auch darum, mehr über die Hintermänner des Mordes herauszufinden. Zwar wurden vier Tatbeteiligte verurteilt, die mutmaßlichen Drahtzieher, die in hohen Armee- und Regierungskreisen vermutet werden, wurden bisher jedoch nicht belangt. Die drei verurteilten ehemaligen Armeeangehörigen Byron Disrael Lima Estrada, Byron Lima Oliva und José Obdulio Villanueva leben nicht mehr. Byron Lima Estrada starb 2019 eines natürlichen Todes, Lima Oliva und Obdulio Villanueva kamen bei Auseinandersetzungen zwischen Gefangenen in der Haft ums Leben.
Der vierte Verurteilte, der Pfarrer Mario Orantes, wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, aber 2013 nach der Hälfte seiner Haftstrafe wegen guter Führung entlassen.
García hatte unmittelbar nach seiner Festnahme geäußert, er fürchte um sein Leben, und ausgesagt, ihm "könne das gleiche passieren wie den anderen" (amerika21 berichtete).

