Montevideo. Der Zusammenschluss von Müttern und Angehörigen von verhafteten und verschwundenen Uruguayern hat am 20. Mai zum traditionellen Schweigemarsch zur Aufarbeitung der Verbrechen der Militärdiktatur (1973–1985) aufgerufen. Der Gedenkmarsch für die sogenannten Verschwundenen fand in der vergangenen Woche zum 31. Mal statt. Zehntausende folgten dem Aufruf: "Seit 30 Jahren demonstrieren wir gegen die Straflosigkeit von gestern und heute. Wir fordern Antworten. Wo sind sie?"
Der Protestzug, zu dem ohne Parteifahnen und -plakate aufgerufen wurde, endete in Montevideo auf der Plaza de Cagancha. Beteiligt war aber auch das parteiübergreifende Jugendbündnis, bestehend aus Frente Amplio, Partido Colorado, Partido Nacional und Partido Independiente.
Neben dem großen Schweigemarsch in Montevideo kam es auch zu Demonstrationen und Aktivitäten in 70 weiteren Städten in Uruguay und im Ausland. Die Aufrufe gingen von sozialen Organisationen, Menschenrechtsgruppen und Angehörigen von Verschwundenen aus.
Die linke Regierungspartei Frente Amplio teilte in einer Erklärung mit: "Wir marschieren für diejenigen, die nicht mehr unter uns sind. Wir marschieren gemeinsam mit ihren Familien. Wir marschieren, weil Erinnerung nicht nur der Vergangenheit gehört: Sie ist eine Verpflichtung gegenüber der Gegenwart und der Zukunft."
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Die Angehörigenorganisation verwies auf 81 noch offene Fälle, die belegten, dass der Staatsterrorismus "sein finsteres Wirken auf unser gesamtes Volk ausgeübt hat, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Landesgrenzen". Die Demonstrierenden forderten zudem die Exekutive auf, in ihrer Eigenschaft als Oberbefehlshaber der Streitkräfte die endgültige Öffnung aller Militärarchive anzuordnen. Dafür besitze die Regierung die rechtlichen und institutionellen Befugnisse.
Große Kritik hatten derweil Aussagen des Armeechefs im Vorfeld hervorgerufen. Am 20. Mai erklärte der Armeechef, Mario Stevenazzi, das Militär habe im Kontext der Verschwundenen "nichts zu verstecken". Die Streitkräften hätten "alle verfügbaren Unterlagen" an das Nationale Institut für Menschenrechte übergeben, so Stevenazzi weiter.
"Wir suchen heute nach unseren Angehörigen, und er ist als Oberbefehlshaber für das Verschwinden unserer Angehörigen verantwortlich – er soll sich also nicht als Opfer darstellen", entgegnete ihm Ignacio Errandonea vom Zusammenschluss von Müttern und Angehörigen von Verhafteten und Verschwundenen, in seinem Redebeitrag auf der Demonstration.
Errandonea weiter: "Und unsere Verschwundenen (…), wer hat sie versteckt? War es die Bevölkerung oder waren es die Streitkräfte? Die von ihnen erstellten Akten, die nicht auftauchen – wer versteckt sie?", fragte Errandonea, der seit 50 Jahren nach seinem Bruder Juan Pablo sucht, der 1976 gewaltsam verschwunden ist.

