Guatemala-Stadt. Mit verschiedenen Aktivitäten haben evangelikale Kirchen und Privatschulen sowie israelisch-guatemaltekische Freundschaftsverbände den 78. Gründungstag Israels in Guatemala gefeiert. Einige Hundert Menschen zogen am Samstag in Guatemala-Stadt mit einer Demonstration durch die Stadt, um die "Freundschaft zwischen Israel und Guatemala" zu begehen. Organisiert wurde der Marsch, an dem auch der israelische Botschafter in Guatemala, Alon Lavi, teilnahm, von der evangelikalen Kirche Iluminando Naciones und weiteren Organisationen.
Der Marsch fand im Kontext des Tages der Guatemaltekisch-Israelischen Freundschaft statt. Dieser wurde 2018 vom Kongress beschlossen und wird unter dem offiziellen Titel "Nationaler Tag der Freundschaft zwischen dem Staat Israel und der Republik Guatemala" jährlich im Mai begangen.
Bereits am Donnerstag wurde in einer offiziellen Feierstunde im Parlament der ebenfalls 1948 erfolgten Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Staaten gedacht. Am Freitag fand ein Treffen von über 200 evangelikalen Pastoren in der "Reichenstadt" Cayalá, einem abgeschotteten exklusiven Wohn- und Shoppingareal der Hauptstadt Guatemala-Stadt, statt. Auf der Veranstaltung wurden "Pastoren geehrt, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass in 40 Landkreisen des Landes Straßen oder Plätze nach Jerusalem, der Hauptstadt Israels, benannt wurden", hieß es in einem Beitrag ehemaliger Stipendiaten aus Guatemala in Israel. Der Text wurde unter anderem von der Organisation Israel en Guatemala, die sich selbst als Regierungsorganisation bezeichnet, auf Facebook geteilt. Die Bezeichnung Jerusalems als Hauptstadt Israels ist umstritten und wird nur von wenigen Staaten anerkannt. Völkerrechtlich gilt Ost-Jerusalem als Hauptstadt Palästinas, während der historische Kern der Stadt als internationale Zone unter UN-Verwaltung gestellt werden sollte.
Insgesamt fielen die Aktivitäten aber kleiner aus als 2025. Damals waren allein in der zweitgrößten Stadt Quetzaltenango mehrere Tausend Menschen mit einer Demonstration durch die Stadt gezogen, an der seinerzeit auch Offizielle der israelischen Botschaft und die damalige Gouverneurin von Quetzaltenango, Mayra López, teilnahmen. An dem Marsch hatten verschiedene evangelikale Privatschulen mit kompletten Schulklassen teilgenommen.
Roxana Gramajo, die in Guatemala-Stadt in der Palästinasolidarität aktiv ist, erklärte gegenüber amerika21, viele dieser Aktivitäten fänden auf einer "religiösen Ebene statt, organisiert von evangelikalen Kirchen und Privatschulen, in denen die Gründung Israels auf der Grundlage des Alten Testaments gelehrt wird […]. Absurd ist, dass auf diesen Veranstaltungen von der Unabhängigkeit Israels gesprochen wird. Unabhängigkeit von wem denn? Israel war nicht besetzt, sondern entstand auf dem Gebiet Palästinas".
Im guatemaltekischen Bürgerkrieg (1960 - 1996) hielten die diplomatischen Beziehungen beider Länder stand. Von israelischer Seite wurden gute Kontakte zu den rechten Militärregierungen jener Jahre gepflegt (amerika21 berichtete). Als die USA 1977 nach öffentlichem Druck die Waffenlieferungen an Guatemala zeitweise aussetzten, sprang Israel ein und lieferte Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre Waffen, Munition und schweres Kriegsgerät an Guatemala. Die 1970er und 1980er Jahre galten als die blutigsten im 36-jährigen Bürgerkrieg, in dem mindestens 200.000 Menschen ums Leben kamen, ein Großteil Zivilisten.
Schon 2016 war Guatemala das Land in Lateinamerika mit dem höchsten Anteil an evangelischen Christen, laut Wikipedia machen sie rund 41,3 Prozent der Bevölkerung aus, gegenüber 39 Prozent Katholiken. Viele der Kirchen vertreten eine sehr konservative Glaubensausrichtung und eine wörtliche Bibelauslegung. Sie gelten als sehr einflussreich und sollen gute Kontakte zu politischen Parteien haben, vor allem zu Rechten und Ultrarechten. Der Großteil der Kirchen stammt aus den USA, einen Aufschwung erlebten besonders evangelikale Kirchen unter der Regierungszeit des ehemaligen Diktators Efraín Ríos Montt (1982/83), in dessen Amtszeit zahlreiche Massaker an der indigenen Bevölkerung fielen, die später als Völkermord eingestuft wurden. Montt war selbst Pastor der aus den USA stammenden protestantischen Kirche Church of the Word (Kirche des Wortes). Manche Stimmen in Guatemala behaupten, die evangelikalen Kirchen seien als bewusstes Gegenmodell im Land aufgebaut worden, weil in der katholischen Kirche die Befreiungstheologie in den 1970er und 1980er Jahren weit verbreitet war.


