Guatemalas Buchmesse: Deutschland, Rigoberta Menchú und 30 Jahre Friedensabkommen

BRD ist Gastland. Deutsche Stiftungen bieten eigene Foren

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Menchú (mit Mikrophon) bei der Podiumsdiskussion auf der Filgua zu 30 Jahre Friedensabkommen
Menchú (mit Mikrophon) bei der Podiumsdiskussion auf der Filgua zu 30 Jahre Friedensabkommen

Guatemala-Stadt. Vom 7. bis zum 19. Juli findet in Guatemala-Stadt die 23. Internationale Buchmesse (Filgua) statt. Ehrengast der diesjährigen Messe ist die guatemaltekische Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú Tum. Die heute 66-Jährige, die in Mexiko lebt, hatte den Preis 1992 als erste Indigene und damals jüngste Preisträgerin erhalten. Als junge Frau hatte sie den Schrecken des Bürgerkrieges (1960 – 1996) selbst erlebt, mehrere Familienangehörige wurden ermordet. 1981 floh sie nach Mexiko, ihre dort verfasste Biografie und die Mitarbeit an dem Dokumentarfilm "Cuando las montañas tiemblan" (Wenn die Berge zittern) machten sie international bekannt.

Die Verleihung des Nobelpreises beschleunigte damals den bereits begonnenen Friedensprozess zwischen der linken Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca (URNG) und der guatemaltekischen Regierung. Vor 30 Jahren, am 29. Dezember 1996, wurde schließlich das Friedensabkommen unterzeichnet. Das 30-jährige Jubiläum ist eines der zentralen Themen der Buchmesse. So diskutierte am Freitag Menchú auf einem Podium unter dem Motto "30 Jahre Friedensabkommen: Guatemala im Spiegel der lateinamerikanischen Demokratien" gemeinsam mit der indigenen Menschenrechtsaktivistin Otilia Lux de Cotí und Dr. Héctor Hiram Hernández Bringas von der mexikanischen Universität Unam. Auch die deutsche Rosa-Luxemburg-Stiftung griff das Thema in einem Forum unter dem Motto "Leben oder Überleben: das zivile Leben in Guatemala 30 Jahre nach dem Friedensabkommen" auf.

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"Deutschland - Geschichten, die Brücken bauen" lautet das offizielle Motto des Gastlandes Deutschland bei der Filgua 2026
"Deutschland - Geschichten, die Brücken bauen" lautet das offizielle Motto des Gastlandes Deutschland bei der Filgua 2026

Die Bundesrepublik Deutschland ist Gastland der diesjährigen Messe. Daher haben verschiedene deutsche Organisationen eine Reihe von Veranstaltungen organisiert. Am Samstag gab es im Themenblock Erinnerungskultur mehrere Podiumsdiskussionen. Die deutsche Organisation der katholischen Kirche für Entwicklungszusammenarbeit (AGIAMONDO) sprach mit verschiedenen guatemaltekischen Menschenrechtsorganisationen über Projekte der virtuellen Erinnerungsarbeit an den Bürgerkrieg. Ungeplant sprach Menchú am Ende der Veranstaltung zu den Anwesenden.

Auch parteinahe Stiftungen sind vertreten. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung sprach mit drei guatemaltekischen Referenten, die als "unabhängige Experten" vorgestellt wurden, über 40 Jahre "Demokratie in Guatemala". 1985 hatten nach Jahrzehnten der Diktatur die ersten demokratischen Wahlen stattgefunden und mit einer neuen Verfassung wurde der Grundstein für die Rückkehr zu nominell rechtsstaatlichen Verhältnissen gelegt.

Die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) diskutierte bereits am Freitag über das Thema "Autoritarismus in Mittelamerika – Demokratie im Risiko". Die Stiftung sieht dabei "im geopolitischen Kontext Risiken für die Demokratie, von autoritären Regimen bis zur sozialen und politischen Polarisierung". Eingeladen waren Orlando López Selva aus Nicaragua, "Experte für Außenpolitik Nicaraguas" und Allan Ortiz aus Guatemala, Gründer der "liberalen Bürgerplattform Guate Activa".

Nach dem Putsch in Honduras 2009 gegen Manuel Zelaya geriet die FNF selbst wegen Unterstützung autoritärer Entwicklung in die Kritik. Damals leitete Christian Lüth das Büro der FNF in Honduras´ Hauptstadt Tegucigalpa. In Lageberichten hatte Lüth unmittelbar nach dem Putsch von der "Legende eines Militärputsches" geschrieben und die Behauptung aufgestellt, Zelaya würde versuchen, mithilfe von Truppen aus Nicaragua und Venezuela zurück an die Macht zu kommen. Seine Lageberichte wurden in konservativen Medien in Deutschland aufgegriffen und erschwerten eine öffentliche Verurteilung des Putsches. Nach Kritik verließ Lüth 2011 Tegucigalpa und bekam einen Posten beim damals von der FDP geleiteten Entwicklungsministerium (amerika21 berichtete). Lüth war nach dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag für die Alternative für Deutschland (AfD) unter anderem als Sprecher der Bundestagsfraktion tätig. Er geriet 2020 in die Schlagzeilen, als er sich in einem Video selbst als "Faschist" bezeichnete und geäußert hatte, man könne Migranten "erschießen und vergasen".

Einer der Gründe für die Einladung der BRD als Gastland ist der Umstand, dass vor genau 200 Jahren die ersten deutschen Auswanderer nach Guatemala kamen. Sie waren vor allem im Kaffeeanbau tätig, indigene Organisationen verweisen auf Landraub und Zwangsarbeit auf den Fincas. Sabine Eismann, ständige Vertreterin der deutschen Botschaft in Guatemala, sagte gegenüber amerika21, man wolle "die Geschichte der Deutschen so ehrlich wie möglich darstellen" und auch vor "Vorwürfen der Verbrechen" und "kolonialem Denken" nicht die Augen verschließen. 

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Die Filgua möchte Kindern und Jugendlichen in Guatemala Bücher näher bringen
Die Filgua möchte Kindern und Jugendlichen in Guatemala Bücher näher bringen

Die Filgua findet seit dem Jahr 2000 statt, in diesem Jahr ist die 23. Auflage. Lesen ist allerdings in Guatemala wenig verbreitet. Die aktuelle sozialdemokratische Regierung von Bernardo Arévalo versucht insbesondere für Jugendliche den Zugang zu Büchern zu erweitern und hat dazu bereits im vergangenen Jahr mehrere Veranstaltungen durchgeführt. "Unter unserer Regierung haben sich die Ergebnisse im Lesen unter Grundschülern deutlich gebessert", erklärte Bildungsministerin Anabella Giracca bei der Eröffnung der Buchmesse. Jedes Kind der Sekundarstufe, das die Messe besucht, bekommt außerdem ein Buch gratis, so die Ministerin.

Am Wochenende richtete sich ein spezielles Programm der Messe mit Workshops, Fußball und Familienaktivitäten gezielt an Kinder. Treffpunkt für mehrere der Veranstaltungen des Kinderprogramms war der Stand der Fastfoodkette McDonald´s, die als einzige Restaurantkette als Sponsor der Messe auftritt.