Quito/Lima/Buenos Aires. Fangschiffe aus China fischen vor den Küsten von Ecuador, Peru und Argentinien weiterhin unreguliert und illegal. Sie werden dabei von ausgedehnten Netzwerken an Land unterstützt. Zu diesem Schluss kommt ein investigativer Bericht des umweltorientierten Medienportals bitacora ambiental aus Ecuador.
Trotz Sanktionen, regionaler Abkommen und Seeüberwachung sind die chinesischen Schiffe in der Nähe der "ausschließlichen Wirtschaftszonen" (AWZ) vieler lateinamerikanischer Staaten aktiv. Mit AWZ wird nach dem UN-Seerechtsübereinkommen das Meeresgebiet jenseits des an die Küsten angrenzenden Gebiets bezeichnet. Küstenmeer und AWZ dürfen zusammen maximal 200 Seemeilen (rund 370 Kilometer) betragen. In der AWZ besitzt der angrenzende Küstenstaat in begrenztem Umfang Hoheitsrechte, insbesondere das alleinige Recht zur wirtschaftlichen Ausbeutung inklusive Fischfang.
Nach Recherchen von bitacora ambiental greifen die Schiffe auf ein Netzwerk von Hilfsschiffen, Logistik- und Finanzunternehmen in Asien und Lateinamerika zurück, um ihre Operationen möglichst lange ohne Hafenanläufe aufrechtzuerhalten. Vor allem Kühlschiffe sind essenziell, da sie die Flotte im Meer mit Fischereifracht, Vorräten und Besatzung versorgen. Diese Netzwerke ermöglichen den Schiffen, monatelang auf See sowie außerhalb der Reichweite nationaler und regionaler Behörden zu agieren. Die Folgen sind eine geschwächte Souveränität der Küstenstaaten und zunehmend erschöpfte Fischbestände im Pazifik und Südatlantik.
In den vergangenen Wochen beklagten ecuadorianische Fischer, dass Dutzende chinesische Schiffe am Rand der AWZ der Galapagosinseln fischten. Obwohl diese Aktivitäten keine formale Straftat darstellen, fallen sie unter die Kategorie der unregulierten und nicht gemeldeten Fischerei, da unklar bleibt, welche Arten und Mengen gefangen werden. Der Mangel an Regulierung und Transparenz hat gravierende ökologische und wirtschaftliche Folgen. Er verhindert nachhaltige Fangquoten und verdrängt handwerkliche Fischer, die aus denselben Beständen wie die großen Schiffe fangen.
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Eine von dem US-amerikanischen Thinktank Centre for Advanced Defense Studies durchgeführte Untersuchung zeigt, dass 69 Prozent der von 2021 bis 2024 vor Südamerika operierenden Tintenfischfangschiffe aus Flotten kommen, die bereits Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Auf diesen Schiffen kommt es regelmäßig zu schweren Krankheits- und Todesfällen, ohne dass diese aufgezeichnet werden.
Zwischen 2021 und 2023 galt der Hafen von Montevideo aufgrund mangelnder Kontrollen als einer der am stärksten von der unregulierten Fischerei genutzten Häfen. Viele vor Argentinien operierende Schiffe nutzen Montevideo als Logistikbasis. Kürzlich wurden mehr als 150 chinesische Fischfänger in der AWZ Argentiniens entdeckt. Viele Schiffe stehen mit illegalen Aktivitäten in Verbindung oder weisen Anzeichen von Gewalt und Zwangsarbeit auf.
Vor dem Galapagos-Schutzgebiet wurden bereits chinesische Fangschiffe mit mehr als 500 Tonnen Fisch, darunter auch geschützte Haie, festgesetzt. Vor allem die lokalen Fischereikooperativen fordern, die Überwachung und die regionalen Kooperationssysteme zu stärken.

