Santiago. Mehr als 15 Gemeinschaften der Mapuche weigern sich, am Prozess der indigenen Konsultation teilzunehmen, um das System des Landbesitzes in Chile zu reformieren. Hintergrund ist der Bericht der Kommission für Frieden und Verständigung vom Mai dieses Jahres (amerika21 berichtete), der die Verantwortung des chilenischen Staates bei der systematischen Enteignung des Landes der Mapuche anerkennt und Wiedergutmachung und eine schnelle Landübergabe an Gemeinschaften und Einzelpersonen fordert.
Um dies in konkrete Maßnahmen zu übersetzen, wird seit dem 13. August eine Konsultation bei den betroffenen indigenen Gemeinschaften durchgeführt. Diese findet in den vier Regionen Biobío, La Araucanía, Los Ríos und Los Lagos in Südchile statt, die von offizieller Seite als ursprüngliches Gebiet der Mapuche anerkannt wurden.
Die Regierung schlägt im Rahmen der Konsultation im Wesentlichen ein Ausführungsgesetz auf der Grundlage des Gesetzes Nummer 19.253 zum Schutz und Förderung der indigenen Bevölkerung vor. Gegenwärtig sind etwa 2.000 Anträge auf Landübergabe anhängig, deren Abarbeitung Jahrzehnte dauern könnte. Es sollen Regeln für den Ankauf, die Übergabe und Nutzung von Territorien erarbeitet werden, um diese Prozesse zu beschleunigen. Insgesamt haben sich bislang 3.500 Personen an der Konsultation beteiligt.
Die Regierung Chiles will den Prozess fortsetzen und hat versprochen, das Verfahren zu verbessern. Ein Kritikpunkt war die zu kurze Zeit, um sich ausgiebig mit dem Vorschlag zu beschäftigen und informiert zu entscheiden.
Viele Gemeinschaften der Mapuche lehnen die Konsultation jedoch grundsätzlich ab und verlangen die Einstellung des Prozesses. Sie blieben daher den Versammlungen fern oder nutzten sie als Plattform für öffentliche Proteste. Die Ablehnung gründet auf ihrer fehlenden Beteiligung bei der Vorbereitung der Konsultation, obwohl diese durch chilenisches und internationales Recht zwingend vorgeschrieben ist.
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Des Weiteren sehen sie sich durch die Anwesenheit von Militär in einigen der Regionen unter Druck gesetzt. Dort gilt teilweise seit Jahren der Ausnahmezustand mit Hausdurchsuchungen und Verhaftungen von Aktivisten.
Die Gemeinschaften kritisieren außerdem, dass die Vermietung und Vergabe von Nutzungsrechten von Territorien von ihrer bisherigen Beschränkung von fünf auf bis zu 20 Jahre ausgeweitet werden soll. Sie sehen darin den Versuch, weitere Gebiete der Eigennutzung zu entziehen und dem Immobilienmarkt zuzuführen. In Coñaripe sagten Anführer der Mapuche, dass das vorgeschlagene System Land zu einer Ware reduziere und dessen spirituellen und kulturellen Charakter zunichtemachen würde.
Die Gemeinschaften haben aus diesen Gründen die Regierung beschuldigt, dass das Verfahren ihre territorialen Forderungen unterdrücke, statt sie zu lösen. "Wir sagen allen Akteuren, die am Bericht 'Frieden und Verständigung' und an diesem Konsultationsprozess beteiligt waren: Sie sind gescheitert und waren nicht in der Lage, einen Dialog zu führen", so Max Reuka, Sprecher der Mapuche-Gemeinden von Purén.
Camilla Vallejo, Ministerin des Generalsekretariats der Regierung, verteidigte die Arbeit der Kommission und die Fortsetzung der Konsultationen: "Diese Kommission hat monatelang gearbeitet, unter Beteiligung von Tausenden von Menschen aus allen Bereichen und Regionen […] wir werden den Dialog weiterhin fördern."
Trotzdem dürfte die Entwicklung der Angelegenheit nicht im Sinne der Regierung um Präsident Gabriel Boric sein. Der Prozess zieht sich bereits seit zwei Jahren und hat über 1,5 Mrd. US-Dollar gekostet. Dennoch ist die Ablehnung weiter Teile der Mapuche deutlich. Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, haben sie bereits Proteste in den Regionalhauptstädten und Santiago angekündigt.

