Indigene Autoritäten in Guatemala seit einem Jahr in willkürlicher Haft

Demonstration zum Jahrestag der Festnahme. Untersuchungshaft bis September verlängert. Neue Leitung der Staatsanwaltschaft in Aussicht

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Autoritäten der 48 Kantone an der Spitze der Demonstration am Donnerstag
Autoritäten der 48 Kantone an der Spitze der Demonstration am Donnerstag

Guatemala-Stadt. Am Donnerstag haben Hunderte indigene Autoritäten in Guatemala-Stadt für die Freilassung von Luis Pacheco und Héctor Chaclán demonstriert. Pacheco und Chaclán von der Organisation 48 Kantone aus Totonicapán waren zentral an den Protesten und Straßenblockaden 2023 beteiligt, die den Amtsantritt von Bernardo Arévalo durchsetzten. Pacheco als Präsident der 48 Kantone und Chaclán als deren Finanzverantwortlicher. Am 23. April 2025 wurden beide mit den Vorwürfen des Terrorismus und der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verhaftet (amerika21 berichtete). Der Prozess hat noch nicht begonnen. Nach Abschluss der Demonstration wurde in den Medien bekannt, dass die angeordnete Untersuchungshaft bis September verlängert wurde.

Pacheco war zum Zeitpunkt der Festnahme Vizeminister für nachhaltige Entwicklung, diesen Posten hatte er seit September 2024 inne (amerika21 berichtete).

Die Demonstration zog vom Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft zum Präsidentenpalast, bei einem Zwischenstopp haben die Demonstranten vor dem Gebäude des Verfassungsgerichtes eine Petition für die Freilassung von Pacheco und Chaclán eingebracht. Die Generalstaatsanwaltschaft stand 2023 im Mittelpunkt der Proteste. Von der Generalstaatsanwältin Consuelo María Porras gingen die juristischen Angriffe aus, die damals den Amtsantritt des gewählten Sozialdemokraten Arévalo verhindern wollten. "Dies ist für uns ein symbolischer Ort unseres Widerstandes zur Verteidigung der Demokratie, daher beginnt unsere Demonstration heute hier vor der Generalstaatsanwaltschaft, wo wir 2023 106 Tage demonstrierten", erklärte ein Sprecher der 48 Kantone zum Auftakt der Protestaktion.

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Rede von Arévalo vor dem Präsidentenpalast / Facebook
Rede von Arévalo vor dem Präsidentenpalast / Facebook

Zum Abschluss sprach von der Treppe des Nationalpalastes auch Arévalo. "Vor einem Jahr wurde unser Vizeminister Luis Pacheco und Héctor Chaclán von einer kriminellen Verschwörung verhaftet […]. Das Regime der Misshandlung, der Angst und der Verfolgung derjenigen, die die Demokratie unseres Landes verteidigten, neigt sich dem Ende zu. Die Zeit für Gerechtigkeit und Würde ist gekommen", erklärte der Staatschef.

Die aktuelle Generalstaatsanwältin Porras, die als Verbündete des sogenannten Paktes der Korrupten gilt, beendet ihre Amtszeit am 16. Mai. Sie ist nicht auf der Liste der sechs vorgeschlagenen Personen, aus denen Arévalo dir künftige Nachfolge von Porras auswählen muss. Im Vorfeld war befürchtet worden, Porras konnte erneut von der zuständigen Kommission nominiert werden. 

Mit der Neubesetzung des Justizsystems wird in Guatemala die Hoffnung auf Rückkehr zu rechtsstaatlichen Verhältnissen verbunden. Das Oberste Wahlgericht und das Verfassungsgericht wurden bereits neu ernannt. Beim Wahlgericht sind es laut dem Juristen Miguel Mörth überwiegend "graue" Kandidaten, aber die "schlimmsten vom Pakt der Korrupten sind nicht dabei", erklärte er in einem Interview. Der Aktivist und Universitätsprofessor Mario Sosa sieht in dem neuen Verfassungsgericht ebenfalls Hoffnung, "zwei der fünf Richter sind zwar vom Pakt der Korrupten, aber drei wohl unabhängige und anerkannte Juristen", sagte er gegenüber amerika21.

Auf der Demonstration wurden die Worte von Arévalo im Kern positiv aufgenommen, es gab aber auch Zwischenrufe, die ihn aufforderten, seine Versprechen einzuhalten. Deutliche Kritik kam von dem Lehrer und Gewerkschafter Bernardo Caal Xol. "Arévalo hat eine langweilige und monotone Rede gehalten, ohne konkrete Punkte zu nennen", sagte er gegenüber amerika21.

Caal saß fast vier Jahre lang wegen seines Protests gegen mehrere Wasserkraftwerke am Río Cahabón in Haft und wurde erst im März 2022 entlassen (amerika21 berichtete). Seitdem engagiert er sich weiterhin für von Kriminalisierung betroffene Menschen in Guatemala. Vergangene Woche organisierte er gemeinsam mit anderen ehemaligen Gefangenen bereits eine Demonstration für Pacheco und Chaclán.

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Ausdruck von Veränderung oder nur Symbolik? Ein Demonstrant mit der Fahne der indigenen Völker vor dem Präsidentenpalast
Ausdruck von Veränderung oder nur Symbolik? Ein Demonstrant mit der Fahne der indigenen Völker vor dem Präsidentenpalast

Für Rosario de Chaclán, die Ehefrau von Héctor, ist die Festnahme der beiden Ausdruck des Rassismus im Land und des Bestrebens, "uns Indigene zum Schweigen zu bringen". Hilfe habe sie von der Regierung seit der Inhaftierung nicht bekommen, "Unterstützung organisieren nur unsere Gemeinden in Totonicapán", sagte sie gegenüber amerika21.

Bereits am Dienstag hatten Studentenorganisationen, die landesweite Bauernorganisation Codeca und das regionale Verband der Bauern des Hochlandes CCDA mit Tausenden Menschen in der Hauptstadt demonstriert. Neben der Situation an der öffentlichen San-Carlos-Universität mit dem erneuten Betrug bei den Rektorwahlen (amerika21 berichtete) forderten die Demonstranten konkrete soziale und politische Veränderungen und eine Lösung der Landfrage.