Guatemala / Politik

"Front für Demokratie" in Guatemala will den Pakt der Korrupten stoppen

Keine Einigung im progressiven Lager. Arévalos sozialdemokratisches Umfeld gespalten

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Die URNG fordert in Guatemala die Einheit der progressiven Kräfte
Die URNG fordert in Guatemala die Einheit der progressiven Kräfte

Guatemala-Stadt. Ein Bündnis in Guatemala will bei den Wahlen im Juni 2027 den möglichen Sieg undemokratischer und korrupter Kräfte verhindern. Der Zusammenschluss trägt den vielversprechenden Namen "Pacto Democrático por Guatemala. Unidad Nacional para la Democracia y la Transformación del País" (FAD), auf deutsch: Demokratischer Pakt für Guatemala. Nationale Einheit für Demokratie und Transformation des Landes. Er besteht aktuell aus der politischen Partei und ehemaligen Guerillaorganisation Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca (URNG), dem Movimiento Winaq und der neu gegründeten und im Land noch wenig bekannten Partei Somos Dignidad (Wir sind Würde). Initiiert wurde das Bündnis bereits im vergangenen Jahr, zentral beteiligt ist der ehemalige Guerillakommandeur und Mitunterzeichner des Friedensabkommens Miguel Ángel Sandoval, der bereits vor den Wahlen 2023 eine ähnliche Initiative angestoßen hatte, damals allerdings weitgehend erfolglos.

Neben den genannten Parteien haben einige soziale Organisationen wie das Comité de Unidad Campesina (Komitee für Bauerneinheit, CUC) ihre Unterstützung angekündigt. Die sozialdemokratische Partei VOS war nach Informationen der Zeitung La Hora auf dem Gründungstreffen am 20. August durch ihren Generalsekretär Carlos Berreda vertreten und "werde das Dokument seiner politischen Organisation zur Genehmigung vorlegen".

Mit der Partei des aktuellen sozialdemokratischen Präsidenten Bernardo Arévalo ist das Bündnis nur teilweise in Kontakt. Die Partei Movimiento Semilla wurde bereits 2023 zwangsaufgelöst, deren Abgeordnete werden seitdem im Parlament als Unabhängige Abgeordnete geführt. Im Mai 2025 wurde aus der Partei Semilla das Movimiento Ráices gegründet, zentral von dem populären Abgeordneten Samuel Pérez, allerdings wurde diese Neugründung nur von einem Teil der Abgeordneten von Semilla und einem Teil der Parteibasis unterstützt. Semilla ist nach Angaben von La Hora an dem neuen Bündnis beteiligt, hat allerdings das Dokument, das eine gemeinsame Kandidatur anstrebt, "aus organisatorischen Problemen" bisher nicht unterschrieben.

Duvalier Castañón, Parlamentsabgeordneter und für Semilla an den Gesprächen mit der FAD beteiligt, bestätigte gegenüber amerika21: "Semilla hat das Dokument nicht unterschrieben, das bedeutet aber nicht das Ende des Dialoges". Zurzeit setze man darauf, die Suspendierung der Partei noch auf juristischem Weg anzufechten, so habe man vor dem im Mai neu besetzten Verfassungsgericht eine erneute einstweilige Verfügung gegen die Suspendierung vorgebracht. Im Interview mit amerika21 räumte Castañón zudem ein: "Im Moment rennt uns die Zeit davon. Wenn wir als Semilla definitiv nicht kandidieren können, werden wir sehen, wen wir unterstützen".

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Raíces beteiligt sich nicht an der neuen Allianz. Laut La Hora habe man die Einladung zu Treffen aus "unbekannten Gründen abgelehnt". Der Abgeordnete Ramon Castellaño, der zu den ehemaligen Semilla-Abgeordneten gehört, die Raíces unterstützen, bestätigte auf Nachfrage von amerika21, dass sie "aktuell keine Gesprächen über eine Kandidatur innerhalb der FAD führen".

Ebenso wenig unterstützt die Partei Dignidad (Würde) - nicht zu verwechseln mit Somos Dignidad - das neue Bündnis. Dignidad ist die Nachfolgepartei der Bewegung für die Befreiung der Völker (MLP) und versteht sich als politisches Instrument der Landarbeiterorganisation Codeca. Bei den Wahlen 2019 erreichte die Partei mit über zehn Prozent den vierten Platz, damals fehlten nur drei Prozent für die Teilnamhe an der Stichwahl. Bei den Wahlen 2023 wurde das Kandidatenduo der Partei unter konstruierten Vorwürfen ausgeschlossen. Die Partei war dadurch geschwächt, konnte keine Abgeordneten ins Parlament entsenden und musste sich nach dem strikten guatemaltekischen Wahlgesetz auflösen. Allianzen mit anderen Parteien hatte die MLP schon bei den Wahlen 2019 und 2023 abgelehnt.

Insgesamt sind für die Wahlen im Juni 2027 bereits 24 politische Parteien eingeschrieben, weitere 23 Formationen arbeiten noch an ihrer Zulassung. Diese hohe Anzahl an Parteien ist typisch für Guatemala. Viele der Parteien existieren nur für eine Legislaturperiode und werden von vielen Menschen in Guatemala als reine "Wahlvereine" wahrgenommen. Teilweise haben sie nur sehr unkonkrete politische Positionen. Die meisten dieser Parteien gehören zum sogenannten Pakt der Korrupten, eine Allianz aus korrupter Politik, Teilen der Unternehmerschaft und der organisierten Kriminalität, die etwa ab 2014 Instanzen des Staates systematisch unterwanderten und die fragile Demokratie an den Rand des Zusammenbruchs brachten. Mit Ausnahme des aktuellen Präsidenten Arévalo gehörten seit 2015 alle Staatschefs zum "Pakt". 

Trotzdem spricht laut Beobachtern vieles dafür, dass 2027 wieder ein Vertreter des Paktes der Korrupten die Präsidentschaftswahlen gewinnen könnte. Viele Wähler sind durch die "minimalen Erfolge" der Regierung Arévalo enttäuscht. Nur noch ein Drittel der Guatemalteken bewertet seine Arbeit positiv, einer der schlechtesten Werte auf dem Kontinent.