Havanna/Bridgetown. Mit Gedenkveranstaltungen in Kuba und Barbados haben Menschen am 6. Oktober an die 73 Todesopfer des Bombenanschlags auf eine kubanische Passagiermaschine vor 50 Jahren erinnert. In Paynes Bay auf Barbados legten Vertreter der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM), Regierungsmitglieder und Diplomaten Kränze am Denkmal für die Opfer nieder. In Havanna gedachten Angehörige der Opfer auf dem Friedhof Colón der Toten. Bei den Gedenkveranstaltungen wurde auch die bis heute ausgebliebene strafrechtliche Verurteilung der mutmaßlichen Drahtzieher thematisiert.
Am 6. Oktober 1976 sind 73 Passagiere und Besatzungsmitglieder aus Kuba, Guayana und Korea bei einer Explosion kurz nach dem Start des Flugzeugs CU-455 der Fluggesellschaft Cubana de Aviación in Barbados getötet worden. Es zählt zu den tödlichsten Handlungen des Luftterrorismus gegen zivile Ziele, die im 20. Jahrhundert in der Karibik aufgezeichnet wurden. Verantwortlich für die Explosion waren Luis Posada Carriles und Orlando Bosch Ávila, beide aus Kuba stammend. Zwei venezolanische Agenten platzierten die Sprengstoffe im Flugzeug. Carriles und Ávila wurden in den 1960ern von der CIA rekrutiert und waren als Agenten in ganz Lateinamerika tätig. Das Motiv des Anschlags war es, Kubas Außenpolitik zu stören sowie die Regierung in Barbados einzuschüchtern, die formelle diplomatische Beziehungen zu Havanna unterhielt.
Die Täter des Bombenanschlags lebten bis zu ihrem Tod auf freiem Fuß in den USA, ohne für das Massaker verurteilt worden zu sein. In Venezuela wurden Carriles und Ávila zunächst festgenommen, doch das Verfahren zog sich über Jahre hin. Carriles floh 1985 aus einem venezolanischen Hochsicherheitsgefängnis nach Mittelamerika, während Ávila 1987 freigesprochen wurde. 1990 ermöglichte ihm US-Präsident George H.W. Bush, in Miami zu leben. Carriles wurde 2011 in den USA von Vorwürfen des Einwanderungsbetrugs und Meineids freigesprochen; er starb 2018 in Florida.
Freigegebene Dokumente der CIA bestätigen, dass der US-Geheimdienst bereits vier Monate vor dem Attentat von den Anschlagsplänen wusste. Die kubanischen Behörden wurden jedoch nicht gewarnt.
Halim Khan, Vorsitzender der Guyana-Cuba Solidarity Movement (GCSM), betonte zum Jahrestag die Bedeutung karibischer Solidarität und internationaler Zusammenarbeit. Politische Differenzen und internationale Konflikte dürfen niemals zum Tod unschuldiger Zivilisten führen, erklärte Khan. Der Gedenktag dürfe nicht dazu führen, dass die 73 Todesopfer auf eine historische Zahl reduziert würden.
Die Gedenkveranstaltungen finden vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen zwischen den USA und Kuba statt. Washington beschlagnahmte Anfang Oktober nach eigenen Angaben 90 für Kuba bestimmte Biodiesel-Lieferungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 600.000 Gallonen. Die US-Behörden begründeten den Schritt mit Verstößen gegen Sanktionen. Die kubanische Regierung und internationale Organisationen kritisieren die Auswirkungen der US-Sanktionspolitik auf die Versorgung der Bevölkerung.


