San Cristóbal de las Casas. Im südmexikanischen Bundesstaat Chiapas ist es zu Aggressionen, Schikanen und zur vorübergehenden Inhaftierung von Mitgliedern zapatistischer Unterstützungsbasen gekommen. Die Zapatisten sehen die jüngsten Übergriffe auch in Zusammenhang mit ihrem für Dezember geplanten Besuch in Mexiko-Stadt. Für die Koordinierung der Reise fand Anfang Oktober ein Treffen in San Cristóbal de las Casas statt.
Wie die Vollversammlung der Kollektive der zapatistischen autonomen Regierungen am 8. Oktober erklärte, wurden zapatistische Unterstützungsbasen in dem Ejido Culebra bedroht, verhaftet und mit Geldstrafen belegt. Grund dafür ist die Weigerung der Zapatisten, ihre Kinder in die staatliche Schule einzuschreiben. Diese besuchen die autonome zapatistische Schule im Dorf. 30 Zapatistas sind laut der Erklärung von den Schikanen und Strafen durch die der Regierungspartei Morena nahestehenden Ejidoautoritäten betroffen. Insgesamt belaufen sich die verhängten Strafen auf 48.482 mexikanische Pesos (circa 2.333 Euro). Sechs Zapatisten wurden vorübergehend eingesperrt, weil sie sich weigerten die Strafen zu bezahlen.
Laut den Zapatisten stehen die Aggressionen in Zusammenhang mit dem Regierungsprogramm "Die Schule gehört uns" (La Escuela es Nuestra). Im Rahmen dieses Programms versuchen der Lehrer Eusebio Cruz Ruiz, der Gemeindeland-Vertreter (Comisariado Ejidal) Marcelo Gruz Perez sowie dessen Stellvertreter Manuel Cruz Hernández, mehr Kinder in der Schule unterzubringen, um so die staatliche finanzielle Förderung zu erhöhen. Aus diesem Grund sollen die zapatistischen Familien gezwungen werden, ihre Kinder an der staatlichen Schule anzumelden. Die Zapatisten erklärten, dass sie die aufgelegten Strafen nicht bezahlen werden. Die Aggressionen gelten als direkter Angriff auf die zapatistische Autonomie und das autonome Bildungssystem. Von den Zapatisten wird jegliche staatliche Hilfe abgelehnt und setzen stattdessen auf den Ausbau ihrer autonomen Strukturen in Bereichen wie Bildung und Gesundheitsversorgung. Regierungsprogramme wie "Sembrando Vida" oder in diesem Fall "Die Schule gehört uns" und die damit verbundenen finanziellen Auszahlungen sorgen immer wieder für Spaltungen und Konflikte in ländlichen Gemeinden.
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Die Zapatisten sehen die Vorfälle im Ejido Culebra auch in Zusammenhang mit dem geplanten Besuch in Mexiko-Stadt und den Treffen mit Angehörigen von Verschwundenen. "Wir wissen, dass auch die Regierungen der '4T' mit Sabotageakten wie diesem verhindern wollen, dass die Reise nach Mexiko-Stadt und die Umarmung der suchenden Familien stattfindet." Mit '4T' ist die Vierte Transformation gemeint, wie die Regierung von Claudia Sheinbaum ihr Projekt bezeichnet.
Die Reise für das Leben – Etappe Mexiko, ist eine für Dezember 2026 und Januar 2027 in Mexiko-Stadt geplante Mobilisierung der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN), deren zentrales Ziel es ist, Angehörige verschwundener Menschen zu treffen. An der Reise werden laut Subcomandante Moises 1.509 Zapatisten teilnehmen, die in einer Karawane von Chiapas nach Mexiko-Stadt reisen. Laut dem Nationalen Register für verschwundene und nicht aufgefundene Menschen (RNPDNO) gelten in Mexiko mehr als 135.000 Menschen als verschwunden. Die suchenden Mütter in Mexiko sind Angehörige von Verschwundenen, die sich organisieren, um auf eigene Faust nach ihren Verwandten zu suchen.
Am 2. Oktober 2026 fand in San Cristóbal de las Casas auf dem Gelände des Cideci-Universidad de la Tierra ein Forum und organisatorisches Treffen statt, das gemeinsam mit dem Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas (Frayba) einberufen wurde. An dem Treffen beteiligten sich neben circa 100 zapatistischen Delegierten Angehörige Verschwundener und Kollektive und Organisationen, welche den Aufenthalt in Mexiko-Stadt vorbereiten und die Reise begleiten werden.

