La Palma. Ein Team der NGO Equipo Argentino de Antropología Forense (EAAF) soll ab 2026 Panama dabei unterstützen, die Leichen von mindestens 220 Migrant:innen zu identifizieren, die im Darién-Dschungel ums Leben gekommen sind. Das Projekt soll durch internationale Finanzierung unterstützt werden und eine genetische Datenbank aufbauen, um DNA-Profile mit Angehörigen in Ländern wie Ecuador, Peru oder Venezuela abzugleichen. Derzeit befindet es sich jedoch noch im Genehmigungsprozess.
Die 220 menschlichen Überreste, meist Knochenfragmente, werden derzeit in sogenannten humanitären Nischen in El Real de Santa María sowie in anonymen Gräbern in La Palma und anderen Friedhöfen der Provinzen Darién und Chiriquí aufbewahrt.
Viele der Toten wurden in Flüssen oder auf Pfaden des Urwalds gefunden und befanden sich bereits in einem weit fortgeschrittenen Verwesungszustand, was die Identifizierung erheblich erschwert. Laut José Vicente Pachar, Direktor des panamaischen Instituts für Rechtsmedizin, könnten sich zudem noch "Hunderte" weiterer Leichen in unzugänglichen Gebieten befinden.
Die forensische Arbeit steht vor großen Herausforderungen: Oftmals fehlen den Verstorbenen Ausweispapiere, die eine schnelle Identifizierung erleichtern würden. Hinzu kommen die extremen Bedingungen im Darién, darunter reißende Flüsse, dichter Dschungel und kriminelle Banden, die die Suche nach den Toten zusätzlich erschweren.
Der Darién, eine dichte Dschungelregion an der Grenze zwischen Süd- und Mittelamerika, gilt als eine der gefährlichsten Migrationsrouten des Kontinents. Zwischen 2020 und 2025 durchquerten mehr als 1,2 Millionen Menschen das Gebiet, wie das Nationale Migrationsamt Panamas meldet. 2023 wurde mit 520.000 Migrant:innen der Höchststand erreicht, bevor die Zahlen 2025 auf bislang 3.000 zurückgingen.
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Dies liegt vor allem an einer veränderten Migrationspolitik. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump führte Grenzschließungen und Programme wie Remain in Mexico ein. Dadurch reduzierte sie den Migrationsfluss in den ersten Monaten des Jahres 2025 um 90 Prozent. Gleichzeitig wurde dadurch aber die Gewalt gegen Migrant:innen verschärft, da es an sicheren Fluchtrouten fehlt.
Die meisten Migrant:innen stammen aus Venezuela, Ecuador und Haiti, gefolgt von Kolumbianer:innen sowie Menschen aus asiatischen und afrikanischen Ländern. Auf der Flucht vor Armut, Gewalt und sozialer Ungleichheit wollen sie in den USA ein besseres Leben finden. Dafür müssen sie im Darién tagelang zu Fuß durch schwer zugängliches Gelände wandern, wo viele den Tod finden.
Zu den häufigsten Todesursachen im Darién zählen Ertrinken, Gewalt durch Banden, Krankheiten, extreme klimatische Bedingungen und fehlende medizinische Versorgung. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden zwischen 2014 und 2025 mindestens 542 Todesfälle registriert, davon allein 174 im Jahr 2024.
Das forensische Projekt stellt den Versuch dar, den Verstorbenen ihre Identität zurückzugeben und ihren Familien zu ermöglichen, Gewissheit zu erlangen und einen Abschluss zu finden.

