Kolumbien: De la Espriella kündigt Abschiebungen von Migrant:innen an

49394653232_f1d2a68015_o.jpg

Täglich passieren Hunderte Menschen die Brücken zwischen Kolumbien und Venezuela - in beide Richtungen
Täglich passieren Hunderte Menschen die Brücken zwischen Kolumbien und Venezuela - in beide Richtungen

Bogotá. Kolumbiens neuer Präsident Abelardo de la Espriella hat eine deutliche Verschärfung der Migrationspolitik angekündigt. Bei einem außerordentlichen Sicherheitsrat am 24. August in Barranquilla ordnete er koordinierte Einsätze von Polizei und Migrationsbehörde an, um Migrant:innen ohne regulären Aufenthaltsstatus aufzuspüren und ihre Abschiebung einzuleiten. Die ersten Operationen sollen noch in dieser Woche beginnen. Einen Schwerpunkt will die Regierung auf ausländische Staatsangehörige legen, die in Kolumbien Straftaten begangen haben.

De la Espriella bezeichnete die Maßnahme als politische und administrative Entscheidung und begründete sie mit der nationalen Sicherheit. Seine Heimatstadt Barranquilla soll unter seiner Regierung neben Bogotá als "alternative Hauptstadt" des Landes fungieren.

Besonders betroffen wäre die venezolanische Bevölkerung in Kolumbien. Nach Angaben der Migrationsbehörde leben rund 2,8 Millionen Venezolaner:innen im Land, etwa 848.000 von ihnen befinden sich in einer irregulären Aufenthaltssituation. Darunter sind rund 193.000 Minderjährige. Venezolaner:innen stellen mit Abstand die größte Gruppe mit ungefähr 90 Prozent der Migrant:innen.

Kolumbien ist kein klassisches Einwanderungsland, sondern eher im Gegenteil: Nach Angaben des kolumbianischen Außenministeriums leben rund fünf Millionen Kolumbianer:innen dauerhaft im Ausland. Davon leben knapp 35 Prozent in den USA, 23 Prozent in Spanien, rund 20 Prozent in Venezuela, gefolgt von Ecuador (drei Prozent) und Kanada (zwei Prozent). Allein in Venezuela lebt eine große kolumbianische Diaspora, deren genaue Größe die kolumbianische Regierung derzeit allerdings nicht beziffern kann. Nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen war die Datenlage veraltet; seit 2025 versucht die Botschaft in Caracas, die Zahl über ein neues konsularisches Register zu aktualisieren: Geschätzt werden rund zwei Millionen Kolumbianer:innen in Venezuela.

Ihnen gefällt, was Sie lesen?

Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit. Regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.

Die Ankündigung markiert einen deutlichen Bruch mit der bisherigen kolumbianischen Migrationspolitik, die insbesondere gegenüber Venezolaner:innen stark auf Regularisierung und Integration setzte. Die staatliche Migrationsbehörde verfügt weiterhin über Programme wie den Permiso por Protección Temporal (PPT), mit dem venezolanische Staatsangehörige ihren Aufenthaltsstatus regularisieren können.

Menschenrechtsorganisationen und Expert:innen sehen die geplanten Einsätze kritisch. Problematisch wäre insbesondere eine Praxis, bei der irregulärer Aufenthalt und Kriminalität gleichgesetzt oder Abschiebungen ohne individuelle Prüfung durchgeführt werden. Nach den Leitlinien des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte müssen Rückführungen auf einer individuellen Prüfung beruhen. Willkürliche oder kollektive Ausweisungen sind ebenso untersagt wie Abschiebungen in Länder, in denen den Betroffenen Verfolgung oder schwere Menschenrechtsverletzungen drohen.

Die Regierung De la Espriella stellt die angekündigten Maßnahmen dagegen als Teil ihres zentralen politischen Versprechens dar: eine konsequente Sicherheitspolitik und die Wiederherstellung staatlicher Kontrolle. Mit den angekündigten Operationen gegen Migrant:innen setzt sie bereits wenige Tage nach dem Amtsantritt ein deutlich restriktives Signal.