Indigene Ayoreo in Paraguay protestieren mit Straßenblockade gegen Zerstörung ihres Territoriums

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Ayoreo blockieren Straße in Paraguay, um auf die Zerstörung ihres Landes aufmerksam zu machen.
Ayoreo blockieren Straße in Paraguay, um auf die Zerstörung ihres Landes aufmerksam zu machen.

Chaco. Angehörige des indigenen Volkes der Ayoreo Totobiegosode blockieren seit dem 10. März die "Bioceánica", eine Straße im Chaco zwischen Brasilien und Paraguay, die bald den Atlantik mit dem Pazifik verbinden wird. Mit dieser Protestaktion machen sie auf die staatliche Vernachlässigung ihrer Gemeinschaft und die prekäre Lage ihrer in freiwilliger Isolation lebenden Verwandten aufmerksam. Die Wälder der Chaco-Trockensavanne erstrecken sich größtenteils über den Norden Argentiniens, den Westen Paraguays, Teile Boliviens und Brasiliens.

Die indigenen Ayoreo leben auf einer rasant schrumpfenden Waldinsel im Chaco. Ihr Lebensraum ist von Abholzung umzingelt durch die illegale Landnahme mennonitischer Siedler, die im Namen ihrer Agrar- und Viehzuchtunternehmen den Wald mit Bulldozern und Bränden zerstören. Dies, obwohl das Gebiet der Ayoreo Totobiegosode gesetzlich geschützt ist.

Caroline Pearce, Direktorin von Survival International, beschrieb die Lage in einer Pressemitteilung als dramatisch: Der Wald, der einst das Zuhause der Ayoreo war, sei heute von Verwüstung geprägt und permanent von Eindringlingen bedroht: "Was vor nur wenigen Jahrzehnten noch ein ausgedehntes Gebiet mit Urwald war, ist heute eine verwüstete Region", bedauerte Pearce.

Viele Ayoreo wurden zwischen 1979 und 2004 durch Missionare, Holzfirmen und Siedler gewaltsam kontaktiert und aus dem Wald vertrieben. Die verbliebenen Ayoreo Totobiegosode leben heute in zwei Gemeinden am Rand ihres Territoriums, ohne ausreichende medizinische Versorgung, Wasser und Nahrung. Sie kämpfen mit Dürren und Hungersnöten und leben in ständiger Angst vor der Zerstörung ihres Lebensraums und ihrer Kultur.

Die Protestierenden fordern neben Nahrungsmittelhilfe sowie der Fertigstellung einer von staatlicher Stelle versprochenen Trink- und Abwasserinfrastruktur insbesondere das Ende der Zerstörung ihres angestammten Landes und die Achtung ihrer Rechte und Bedürfnisse durch den Staat. Dazu gehört die Umsetzung des Urteils der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH), das Paraguay aufforderte, den Ayoreo ihr angestammtes Land offiziell zu übertragen. Die CIDH hatte Paraguay 2016 zu dringenden Schutzmaßnahmen verpflichtet, um die Lebensräume der Ayoreo zu bewahren.

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Der Landraub ist jedoch so weit verbreitet, dass die Firma Pasubio, einer der führenden Lederhersteller Europas, infolge einer Beschwerde von Survival International wegen Verstoßes gegen die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen im Jahr 2023 bekannt gab, kein Leder mehr von Viehzüchtern zu beziehen, die von den Ayoreo bewohnte Wälder direkt oder indirekt bedrohen.

Dennoch hält die Abholzung im Chaco für industrielle Soja-, Mais- und Rinderfarmen mit einer der weltweit höchsten Geschwindigkeiten an. Satellitenbilder zeigen, wie aus ehemals dichten Wäldern eine zerstörte Landschaft wurde.

Die Straßenblockade ist ein Appell an die paraguayische Regierung, Verantwortung zu übernehmen, den Schutz der Ayoreo zu gewährleisten und ihre Rechte zu respektieren. 

Die Protestaktion ist Survival International zufolge ein Zeichen für die Notlage indigener Gemeinschaften, deren Überleben untrennbar mit dem Schutz ihrer Umwelt verbunden ist. Wie der aktuelle Bericht "Widerstehen, um zu überleben" der Nichtregierungsorganisation darlegt, leisten diese Völker der Kolonisierung Widerstand, doch ihr Überleben hängt davon ab, dass ihr Land geschützt wird.