Paraguarí. Menschenrechts- und Umweltorganisationen wollen die Vernichtung von circa 2.000 Tonnen veraltetem, mit Pestiziden behandeltem Baumwollsaatgut im Departamento Paraguarí stoppen. Sie bezeichnen das Saatgut als "hochgefährliche Abfälle". Die geplante Entsorgung durch eine Ausschreibung des Nationalen Dienstes für Pflanzengesundheit, Qualität und Saatgut (Senave) missachte zentrale Umweltstandards. Die Organisationen warnen vor möglichen verheerenden Folgen für Umwelt und Gesundheit.
In einem Schreiben vom 15. Juli fordern sie den Nationalen Dienst für Pflanzengesundheit, Qualität und Saatgut (Senave) auf, die Ausschreibung sofort zu annullieren. Zu den unterzeichnenden Gruppen zählen die Koordination für Menschenrechte in Paraguay (Codehupy) sowie die sozial-ökologischen Organisationen "Überleben – Freunde der Erde" und das "Studienzentrum Heñói".
Sie werfen dem Senave vor, bei der Ausschreibung nationale und internationale Vorschriften zum Umgang mit persistenten organischen Schadstoffen zu ignorieren, darunter das Stockholmer und das Basler Übereinkommen.
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Die Organisationen fordern zudem einen nationalen Aktionsplan für den Umgang mit Pestiziden, bei dem sich die Zivilgesellschaft direkt beteiligen kann. "Ein solcher Plan muss den massiven Pestizideinsatz in Paraguay in den Blick nehmen, Regelungen für die sichere Entsorgung schaffen und die vielfach beklagten Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung berücksichtigen, insbesondere in ländlichen Regionen und in indigenen Gemeinschaften", heißt es in der gemeinsamen Erklärung.
Die Menschenrechtsorganisation Codehupy will verhindern, dass "Improvisation und staatliches Versagen erneut in einer Umwelt- und Gesundheitskatastrophe enden". Sie erinnert an den Fall von Rincón'i, wo im Jahr 1998 tonnenweise Giftstoffe ohne Kontrolle verbreitet wurden.
Das Dorf liegt rund 120 Kilometer von Asunción entfernt. Damals warfen Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen dem transnationalen Konzern Delta & Pine vor, mit Billigung lokaler und nationaler Behörden 660 Tonnen abgelaufene Baumwollsamen, die mit gefährlichen Agrochemikalien behandelt waren, unter freiem Himmel und nur wenige Meter von einer Schule entfernt abgeladen zu haben. Das habe der örtlichen Bevölkerung erhebliche gesundheitliche und wirtschaftliche Schäden zugefügt.

