Streit eskaliert: Ecuador erhöht Zölle auf 100 Prozent, Kolumbien zieht nach

Quito begründet den Schritt mit Sicherheitslage an der Grenze. Hintergrund könnte Äußerungen von Petro über Glas sein. Branchen warnen vor Einbruch des Handels

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Der Zollstreit zwischen Ecuador und Kolumbien spitzt sich weiter zu
Der Zollstreit zwischen Ecuador und Kolumbien spitzt sich weiter zu

Quito/Bogotá. Ecuador erhöht die Zölle für aus Kolumbien importierte Güter ab dem 1. Mai 2026 von 50 auf 100 Prozent. Diese Maßnahme kommunizierte die ecuadorianische Regierung am Donnerstag. Nur einen Tag später teilte die Regierung von Gustavo Petro mit, dass sie die Zölle für ecuadorianische Produkte ebenfalls auf 100 Prozent erhöhen werde.

Als Grund für die Erhöhung der Zölle auf 100 Prozent nannte Ecuador die aus ihrer Sicht weiterhin fehlenden Anstrengungen Kolumbiens für die Verbesserung der Sicherheitslage im Grenzgebiet. Noboa betonte, dass es nicht möglich sei, mit einer Regierung, die nicht dasselbe Engagement bezüglich Drogenhandel und organisiertem Verbrechen zeige, Vereinbarungen zu treffen.

Hinter der Eskalation der Krise könnte aber auch der Streit um den ehemaligen ecuadorianischen Vizepräsidenten Jorge Glas stehen. Petro hatte in der vergangenen Woche gesagt, dass Glas ein "politischer Gefangener" sei und seine Freilassung gefordert. Noboa stufte diese Äußerung als "Attentat gegen die Unabhängigkeit Ecuadors" ein. In der Folge sagte seine Außenministerin Gabriela Sommerfeld die vorgesehenen Gespräche über die Situation der Zölle zwischen den beiden Ländern ab.

Jorge Glas wurde im Jahr 2024 durch die Regierung Noboa zum wiederholten Mal verhaftet. Das Militär stürmte damals die mexikanische Botschaft in Quito, in welcher Glas politisches Asyl erhalten hatte. Später erhielt er auch die kolumbianische Staatsangehörigkeit.

Die Auswirkungen von Zöllen von 100 Prozent werden als schwerwiegend eingestuft. Der Präsident der Asociación Nacional de Comercio Exterior (Analdex), Javier Díaz Molina, denkt, dass Zölle von 100 Prozent jegliche Möglichkeit von Handel zwischen Kolumbien und Ecuador ausschließen würden. Mehr als 2.700 kolumbianische Unternehmen seien betroffen.

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Die Industrie- und Produktionskammer von Ecuador und die Nationale Vereinigung der Unternehmer:innen von Kolumbien warnen vor den Konsequenzen der Zollerhöhung auf die produzierenden Sektoren, die Konsument:innen und die Wertschöpfungsketten. In der grenznahen Zone befürchten das Gewerbe und die Transportunternehmen eine Zunahme des Schmuggels.

Möglich ist, dass sich der Streit noch länger hinziehen wird. Der Ex-Vizekanzler Ecuadors, Kintto Lucas, vertrat laut Prensa Latina in einem Interview mit Radio Pichincha die Meinung, dass Präsident Noboa kein Interesse habe, den Konflikt kurzfristig zu lösen und es vorziehe, die Resultate der Präsidentschaftswahlen in Kolumbien abzuwarten.

Die Auseinandersetzungen zwischen Ecuador und Kolumbien sind ebenfalls ein Thema bei der Andengemeinschaft (Comunidad Andina, CAN). CAN ist eine internationale Organisation mit dem Ziel, eine integrale Entwicklung der andinen Länder und Völker zu begünstigen. Mitglieder sind Bolivien, Kolumbien, Ecuador und Peru. Deren Generalsekretärin versuchte, im Streit zwischen Quito und Bogotá zu vermitteln. Petro bezeichnet die gegenwärtige Zollsituation als Ungeheuerlichkeit und erwägt, sich aus der CAN zurückzuziehen.

Der Zollstreit zwischen Ecuador und Kolumbien entfachte sich Anfang dieses Jahres (amerika21 berichtete). Noboa hatte der kolumbianischen Regierung mit "Sicherheitsabgaben" gedroht und im Februar Zölle von 30 Prozent auferlegt. Er warf der Regierung von Petro vor, im Kampf gegen den Drogenhandel und den illegalen Bergbau an der kolumbianisch-ecuadorianischen Grenze nicht genug zu kooperieren. Noboa rechtfertigte seine Entscheidung außerdem mit dem Hinweis auf den Exportüberschuss Kolumbiens gegenüber Ecuador. Kolumbien reagierte mit einem gleich hohen Zoll. Betroffen sind unterschiedliche Warengruppen aus Landwirtschaft und verarbeitender Industrie.

Nur wenig später, ab dem 1. März erhob Ecuador auf Waren aus Kolumbien Einfuhrabgaben von 50 Prozent (amerika21 berichtete). Das Produktions- und Außenhandelsministerium teilte am 26. Februar mit, der Schritt erfolge aus "Gründen der nationalen Sicherheit" und wegen fehlender "konkreter und wirksamer Maßnahmen" Kolumbiens zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität im Grenzgebiet.