Antigua/Quetzaltenango. Ein erstmals in der Kleinstadt Antigua geplanter Marsch der LGBTIQ+-Community in Guatemala hat zu öffentlichen Diskussionen geführt. Die angemeldete Demonstration war von Bürgermeister Juan Manuel Asturias bereits am 11. Juni untersagt worden. Asturias, der 2023 für das parteiungebundene Bürgerkomitee Futuro die Wahl gewann, hatte den Schritt damit begründet, dass der historische Stadtkern Weltkulturerbe sei und auf die "religiösen Traditionen der Einwohner" Rücksicht genommen werden müsse.
Die Veranstalter reichten daraufhin eine Beschwerde beim Büro des Menschenrechtsbeauftragten ein und verwiesen auf das im Artikel 33 der guatemaltekischen Verfassung festgelegte Demonstrationsrecht. Der Fall ging bis vor das Verfassungsgericht. Dieses entschied am Freitag mit einer einstweiligen Verfügung gegen Bürgermeister Asturias, dass die Demonstration zu erlauben sei, allerdings auf einer alternativen Route außerhalb des historischen Stadtkerns.
Am Samstag war die Innenstadt in Antigua weiträumig abgesperrt, ein großes Polizeiaufgebot verhinderte, dass Demonstranten in die Innenstadt gelangten. Laut Prensa Comunitaria wurde ein älterer Mann wegen des Tragens einer Regenbogenfahne innerhalb des abgesperrten Bereiches von Polizisten zu Boden gestoßen. Das Webportal Xela News, das aus dem Umfeld der mittlerweile aufgelösten ultrarechten Partei FCN-Nación betrieben wird, schrieb dagegen, Präsident Bernardo Arévalo habe sich geweigert, Spezialeinheiten der Polizei nach Antigua zu schicken, um die "gewalttätige Schwulenparade" zu unterbinden.
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Am selben Tag zogen einige hundert Menschen in einem Umzug für die Rechte queerer Menschen durch die zweitgrößte Stadt Quetzaltenango. Die Demonstration verlief ohne Zwischenfälle. Ein Sprecher erklärte, dass sexuelle Vielfältigkeit in Guatemala existiere, von der "machistischen Gesellschaft aber verschwiegen werde". Ein weiterer Teilnehmer sprach gegenüber amerika21 von einer "starken gesellschaftlichen Ablehnung, die allerdings eher selten zu direkten Gewalttaten" führe.
Die guatemaltekische Gesellschaft gilt im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern als sehr konservativ. Aktivitäten der LGBTIQ+-Community sind eher klein, finden aber in den größeren Städten seit einigen Jahren regelmäßig statt.

