La Paz. Nach 52 Tagen der Blockaden hat die Protestbewegung zu Beginn dieser Woche die Straßensperren geräumt. Zuvor hatte der Gewerkschaftsverband COB ein Abkommen mit der Regierung von Präsident Rodrigo Paz abgeschlossen und Paz einen landesweiten Ausnahmezustand eingeleitet. Dabei wurde die Polizei vom Militär unterstützt. Andere Teile der Protestbewegung kündigten jedoch zunächst an, ihre Proteste fortzusetzen.
Die Vereinbarung zwischen dem Generalsekretär des Gewerkschaftsverbands COB, Mario Argollo, und Paz sieht die Beendigung der landesweiten Blockaden vor, knüpft diese jedoch an Bedingungen. Die COB fordert ein Verbot der Privatisierung strategischer öffentlicher Unternehmen sowie die Ablehnung von Schockmaßnahmen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Argollo erklärte nach dem Abkommen: "Es muss eine Versöhnung zwischen Regierenden und Regierten geben. Wir müssen damit beginnen, ein Land auf der Grundlage von Konsens aufzubauen." Er wies den Vorwurf des Verrats zurück und erklärte, die Regierung habe 90 Tage Zeit, die von der COB geforderten Maßnahmen umzusetzen.
Nicht alle protestierenden Organisationen schlossen sich jedoch der Vereinbarung an. Nach einer Krisensitzung erklärten sechs Verbände der Landarbeiter der Region Trópico de Cochabamba ihre Ablehnung des Abkommens und kündigten eine Ausweitung der Straßenblockaden an. Darunter befinden sich der Einheitsgewerkschaftsbund der Landarbeiter Boliviens (CSUTCB), sowie die Verbände Túpac Katari und der Nationale Verband der indigenen Landfrauen Boliviens.
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Isidro Auca, Sprecher der sechs Verbände, kritisierte das Abkommen der COB: "Mit besonderer Empörung verurteilen wir das Verhalten von Mario Argollo, der, nachdem er ein Bündnis mit unseren Basisorganisationen geschlossen hatte, sich an die Regierung verkauft und ein Friedensabkommen unterzeichnet hat, das den Volkswillen missachtet und die Sache der Gewerkschaftsbewegung verrät."
Einen Tag nach der Einigung zwischen der Regierung und der COB ordnete der bolivianische Präsident den landesweiten Ausnahmezustand an. Die Soldaten begannen mit der Räumung von Blockaden in El Alto, La Paz und Oruro. Über Zusammenstöße wurde zunächst nicht berichtet. Die Regierung bereitet zudem einen Einsatz von Militär- und Polizeikräften in der Region Trópico de Cochabamba vor. Dies bestätigte der Innenminister, Marco Antonio Oviedo, in einem Interview mit Unitel. Oviedo traf sich nach Angaben der bolivianischen Nachrichtenagentur ABI außerdem mit dem Geschäftsführer der US-Botschaft in Bolivien, Erik Martini, um Fragen der bilateralen Sicherheitszusammenarbeit zu erörtern.
Der Ex-Präsident und Unterstützer der Proteste gegen die Regierung, Evo Morales, kündigte unterdessen eine Pause der Proteste in der Region Trópico de Cochabamba an. In einer von den sechs Verbänden der Region einberufenen Krisensitzung in der Ortschaft Lauca Eñe erklärte Morales, dies bedeute keine Kapitulation der mobilisierten Basis gegenüber Präsident Paz. Laut Telesur verteidigte Morales die Mobilisierungen, deren Ziel unter anderem die Verhinderung von Privatisierungen in den Bereichen Grundversorgung, Gesundheit, Bildung und natürliche Ressourcen sei. Thema der Krisensitzung waren zudem Stromausfälle, unterbrochene Telefonverbindungen und eingeschränkte Bankdienstleistungen in der Region infolge des Ausnahmezustands.

