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55 Jahre nach Allende: Neuer Angriff auf Chiles Kupfer?

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Codelco begeht den Tag der Verstaatlichung des Kupfers. Die Zukunft als Staatsunternehmen ist aber ungewiss
Codelco begeht den Tag der Verstaatlichung des Kupfers. Die Zukunft als Staatsunternehmen ist aber ungewiss

Santiago de Chile. 55 Jahre nach der Verstaatlichung des chilenischen Kupfers ist die Zukunft des Staatskonzerns Codelco erneut Gegenstand einer politischen Auseinandersetzung. Kritiker werfen der Regierung des ultrarechten Präsidenten José Antonio Kast vor, gezielt Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Unternehmens zu säen, um langfristig eine stärkere Öffnung für privates Kapital vorzubereiten.

Codelco gilt seit Jahrzehnten als Symbol der wirtschaftlichen Souveränität Chiles. Das Unternehmen entstand im Zuge der Rückgewinnung der Kontrolle über die Kupferminen von multinationalen US-Konzernen und der Nationalisierung des wichtigsten Rohstoffs des Landes. Selbst während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet blieb der Staatskonzern trotz starker Privatisierungsbestrebungen in öffentlicher Hand.

Obwohl Codelco zuletzt auf eine stabile wirtschaftliche Erholung verweisen konnte, stellen Finanzminister Jorge Quiroz und Wirtschafts- und Bergbauminister Daniel Mas die Entwicklung des Unternehmens öffentlich infrage. Nach Angaben des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Máximo Pacheco erzielte das Unternehmen 2025 einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von 6,67 Milliarden US-Dollar und erwirtschaftete damit täglich rund 18 Millionen US-Dollar für den chilenischen Staat. Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete Codelco bereits mehr als 2,1 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen "befinde sich in keiner Krise" und sei "das beste Geschäft für Chile", stellte Pacheco bereits im April klar. "Wer Codelco schützt, schützt Chile."

Nach Einschätzung mehrerer Bergbauexperten verfolgt die Regierung mit ihrer Kritik ein anderes Ziel: Sie will das Vertrauen in den Staatskonzern schwächen, um politische Zustimmung für eine stärkere Beteiligung privater Investoren zu schaffen.

In diesem Zusammenhang kündigte Minister Mas eine Neubesetzung des Vorstands an. Präsident Kast werde drei neue Direktoren ernennen, ein Schritt, der nach Ansicht von Kritikern den strategischen Kurs des Unternehmens grundlegend verändern könnte.

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Bereits umgesetzt wurde die Ernennung des Ökonomen Bernardo Fontaine zum neuen Präsidenten des Verwaltungsrats. Fontaine verfügt über Erfahrung in Industrie, Einzelhandel und Versicherungswirtschaft. Politisch bekannt wurde er jedoch vor allem als Initiator der Kampagne Con mi plata no ("Nicht mit meinem Geld"), die sich als unabhängige Bürgerinitiative zum Schutz privater Rentenersparnisse präsentierte. Später stellte sich heraus, dass die Kampagne unter anderem von den privaten Rentenfonds (AFP) sowie Unternehmerkreisen finanziert worden war, die die Einlagen der Einzahler in die AFPs zu Börsenspekulationen und zur Finanzierung politischer Kampagnen rechter Parteien nutzten.

Die Personalentscheidungen fallen in eine symbolträchtige Zeit. Am 11. Juli hatte Chile des 55. Jahrestages der Verstaatlichung des Kupfers gedacht. Salvador Allende bezeichnete den historischen Beschluss 1971 als "Tag der nationalen Würde". Die Nationalisierung war Ergebnis jahrzehntelanger Kämpfe der Arbeiterbewegung und machte den Kupferreichtum des Landes zu einem strategischen Gut in öffentlicher Hand.

Vor diesem Hintergrund warnen Opposition und Gewerkschaften vor einem Kurswechsel. Die Vorsitzende des Bergbauausschusses im Senat, Yasna Provoste, forderte von der neuen Unternehmensführung die ausdrückliche Zusicherung, dass die strategische Neuausrichtung nicht zu einer Privatisierung Codelcos führen werde. Zugleich sprach sie sich dafür aus, Chiles Rolle als führender Produzent strategischer Rohstoffe, insbesondere von Lithium, wieder auszubauen, ohne die Kontrolle über diese Ressourcen aus der Hand zu geben.

Der Streit um Codelco reicht damit weit über die Zukunft eines einzelnen Unternehmens hinaus. Er berührt eine Grundfrage der chilenischen Politik seit der Nationalisierung des Kupfers: den Anspruch auf die Kontrolle der natürlichen Reichtümer des Landes.