Caracas. Mehrere Vertreter:innen der Gemeinde "23 de Enero" in Venezuelas Hauptstadt Caracas warnen vor einer möglicherweise bevorstehenden erneuten Militäroperation der USA. Ziel einer solchen Operation sei es, führende Köpfe des traditionell gut organisierten Stadtviertels zu beseitigen, wie Juan Contreras, einer der Sprecher der lokalen "Koordination Simón Bolívar", gegenüber dem Newsportal DropSiteNews sagte.
23 de Enero ist ein dicht besiedeltes Stadtviertel im hügeligen Westen von Caracas, in unmittelbarer Nähe zum Präsidentenpalast Miraflores. In dem Viertel bestehen zahlreiche kommunale Räte und selbstorganisierte Gruppen, einige davon bewaffnet. Es gilt als traditionelle Hochburg der venezolanischen Linken und der chavistischen Bewegung.
Über die letzten Jahrzehnte haben verschiedene sogenannte Kommunen, in Venezuela sind das die Zusammenschlüsse von lokalen Räten, die Gesetzesrang haben und selbstständig Ressourcen verwalten können, im 23 de Enero eine Vielzahl von Produktionsprojekten unter Kontrolle der Gemeinschaft aufgebaut, etwa Bäckereien, Textilfabriken und Verpackungsbetriebe.
Dieses widerständige Erbe könnte nun ins Visier der USA geraten. Die USA haben am 3. Januar Caracas bombardiert und den Präsidenten Nicolás Maduro entführt und versuchen seither, ihren Einfluss in Venezuela auszuweiten. Bereits Anfang Juni schlug die "Koordination Simón Bolívar", ein 1993 gegründeter Zusammenschluss zahlreicher Stadtteilorganisationen, in einem Kommuniqué Alarm. Demnach bereite die US-amerikanische Drogenbehörde DEA in Zusammenarbeit mit Teilen der Bolivarischen Nationalpolizei (PNB) eine "groß angelegte Repressionsaktion gegen die Gemeinde 23 de Enero" vor.
Das eigentliche Ziel solcher Aktivitäten sei es, "das organisierte Volk zu treffen, das in diesen 27 Jahren des verfassungsgebenden und partizipativen Prozesses Schutzschild und Vorhut zur Verteidigung der Bolivarischen Revolution war".
In einem neuen Artikel greift die venezolanische Journalistin Andreína Chávez diese Informationen auf. Sie beruft sich auf "Elemente innerhalb der venezolanischen Regierung, die loyal zum Chavismus stehen", die die Vorbereitung einer "großangelegten Operation" im 23 de Enero bestätigen sollen.
Weder das US-Außenministerium noch die Drogenbehörde DEA haben die Vorwürfe bisher kommentiert, ebenso wenig wie offizielle staatliche Stellen in Venezuela.
Die "Koordination Simón Bolívar" und andere Kollektive haben indes nach eigenen Angaben Patrouillen in der Nachbarschaft verstärkt, um ungewöhnliche Polizeieinsätze oder Fahrzeugbewegungen an den Zufahrten zur Gemeinde zu überwachen. Die lokalen kommunalen Räte haben spezielle Sicherheitsausschüsse aktiviert und den Schutz gemeinschaftlicher Einrichtungen wie Radiosender, Suppenküchen, Kulturzentren und Treffpunkten verstärkt.


