Kolumbien lockert unter De la Espriella das Waffenrecht

Kritik kommt von Menschenrechtlern. Sie warnen vor mehr Gewalt

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Indumil hat seine Liste der Selbstverteidigungswaffen aktualisiert, darunter auch die günstigsten Modelle
Indumil hat seine Liste der Selbstverteidigungswaffen aktualisiert, darunter auch die günstigsten Modelle

Bogotá. Der kolumbianische Präsident Abelardo de la Espriella hat am Dienstag die seit 2015 geltende allgemeine Aussetzung von Genehmigungen zum Führen von Schusswaffen aufgehoben. Mit dem Dekret 1.368 stellt die Regierung die Gültigkeit der vorherigen Regelungen wieder her und schafft eine zusätzliche Verpflichtung ab, eine Genehmigung zu beantragen.

Die Entscheidung stellt eine Abkehr von einer Politik dar, die ein Jahrzehnt lang von Regierungen unterschiedlicher politischer Ausrichtung verfolgt wurde. Die Aussetzung des Waffenführens war 2015 unter der Regierung von Juan Manuel Santos eingeführt und anschließend von Iván Duque und Gustavo Petro verlängert worden. Ziel war es, die Verbreitung von Waffen unter der Zivilbevölkerung einzuschränken und damit die bewaffnete Gewalt zu reduzieren.

De la Espriella begründete die Änderung damit, dass über Jahre hinweg gesetzestreue Bürger eingeschränkt worden seien, während kriminelle Gruppen sich weiterhin illegal bewaffnet hätten. Nach Ansicht des Präsidenten soll die neue Regelung denjenigen, die die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, ermöglichen, ihr Recht auf Selbstverteidigung wahrzunehmen.

Die kolumbianische Menschenrechtsorganisation Temblores kritisierte, dass das Dekret nicht durch empirische Belege über seine möglichen Auswirkungen auf die Gewalt begleitet werde. Die Regierung habe zwischen Januar und dem 3. September 2026 15.700 Schusswaffen beschlagnahmt, von denen 14.179 mit Straftaten in Verbindung gestanden hätten. Diese Zahlen zeigten zwar das Ausmaß des illegalen Waffenbesitzes, belegten jedoch nicht, dass eine erleichterte legale Bewaffnung der Zivilbevölkerung zu einer Verringerung der Kriminalität führen werde.

Die Organisation warnt zudem davor, dass eine größere Zahl verfügbarer Waffen alltägliche Konflikte noch häufiger in tödliche Auseinandersetzungen verwandeln könnte. Ein Streit im Straßenverkehr, eine Schlägerei, ein Fall häuslicher Gewalt oder eine Auseinandersetzung während einer Partynacht können schwerwiegendere Folgen haben, wenn eine Schusswaffe zur Verfügung steht. 

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Auch die Menschenrechtsaktivistin und Kongressabgeordnete Aida Quilcué kritisierte die Entscheidung. "Mehr Waffen können nicht die Lösung für eine Gesellschaft sein, die größere Garantien braucht, um in Frieden zu leben", sagte sie.

Der Forscher Andrés Macías vom Zentrum für Forschung und Sonderprojekte (CIPE) warnt ebenfalls davor, dass der Besitz einer Waffe zwar ein subjektives Gefühl größerer Sicherheit erzeugen könne, dies jedoch nicht zwangsläufig eine höhere objektive Sicherheit bedeute. Nach Ansicht des Analysten gibt es keine Belege dafür, dass eine stärker bewaffnete Zivilbevölkerung Diebstähle, Erpressungen oder Bedrohungen reduziert. Im Gegenteil könne eine größere Verfügbarkeit von Waffen die Gewalt bei Konflikten zwischen Bürgern verstärken.

Der kolumbianische Kontext macht diese Debatte besonders relevant. Nach Angaben der Universidad Externado werden in dem Land jährlich mehr als 10.000 Menschen mit Schusswaffen getötet. Dies entspricht etwa 70 bis 75 Prozent aller registrierten Tötungsdelikte. Vor diesem Hintergrund wirft die Ausweitung der Möglichkeiten, Waffen zu führen, Fragen nach der Fähigkeit des Staates auf, deren Auswirkungen zu kontrollieren.

Die Maßnahme bedeutet zwar nicht, dass jeder Bürger bewaffnet auf die Straße gehen darf. Weiterhin müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, darunter psychophysische Untersuchungen und das Fehlen von Vorstrafen. Das Dekret beseitigt jedoch die seit 2015 geltende allgemeine Aussetzung, durch die das Verbot faktisch zur Regel geworden war.

Infolge der Entscheidung verzeichnete die Website der staatlichen Militärindustrie Indumil eine Flut von Anfragen zu den Verfahren für den Waffenkauf. Wenige Stunden später brach die Website aufgrund der hohen Zahl von Nutzern zusammen.