Mexiko-Stadt. Das mexikanische Institut für Statistik und Geografie (INEGI) hat erstmals Zahlen über intern Vertriebene erhoben. Die Befragung in mehreren Millionen Haushalten brachte alarmierende Daten zum Vorschein. In einem Zeitraum von fünf Jahren, von Oktober 2020 bis Oktober 2025, mussten rund 1,6 Millionen Menschen ihren Wohnort wegen der Bedrohungslage durch die organisierte Kriminalität verlassen.
Im selben Zeitraum waren zudem 152.000 mexikanische Haushalte von Vertreibung aufgrund von Naturkatastrophen betroffen, die durch den Klimawandel verstärkt werden. Insgesamt 486.000 Menschen mussten zumindest vorübergehend vor Umweltkatastrohen wie Hurrikans oder Überschwemmungen fliehen. Insgesamt waren also in diesen fünf Jahren mehr als zwei Millionen Menschen aus diesen beiden Gründen von Vertreibung betroffen.
Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR definiert als Vertriebene alle Menschen, die durch bewaffnete Konflikte, Gewalt oder Katastrophen gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen. Im Gegensatz zu Flüchtlingen sind sie jedoch in ihrem eigenen Land geblieben. Vertreibungen aufgrund von Klimakatastrophen ermöglichen in der Regel eine schnellere Rückkehr als solche, die durch organisierte kriminelle Gewalt verursacht werden, so das UNHCR. Das Flüchtlingshilfswerk schätzte bisher die Zahl der intern Vertriebenen aufgrund der organisierten Kriminalität in Mexiko um ein Vielfaches niedriger ein. Zahlen über die von der Klimakatastrophe betroffenen Mexikaner gab es bisher kaum.
Die am meisten von gewaltsamer Vertreibung betroffenen Bundesstaaten waren Zacatecas, Morelos, Colima, Querétaro und Michoacán. Sieben der zehn Gemeinden des Landes mit dem höchsten Anteil an Menschen, die aufgrund von Gewalt vertrieben wurden, befinden sich in Chiapas und Michoacán.
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Auf kommunaler Ebene führt Chicomuselo die Liste an, eine Gemeinde im Bundesstaat Chiapas, die in der von konkurrierenden Mafiagruppen umkämpften Grenzregion zu Guatemala liegt. In dieser Gemeinde mit rund 36.000 Einwohnern mussten 26,54 Prozent der Bevölkerung ihren Wohnort verlassen. Jüngst kritisierte das Menschenrechtszentrum Fray Bartolomé de las Casas, die Regierung negiere die schwierige Situation der Opfer von innerstaatlicher Vertreibung in Chiapas.
An der Spitze der Gesamtstatistik für Vertreibungen steht der Bundesstaat Guerrero. Insgesamt 3,4 Prozent der Bevölkerung Guerreros waren in diesen fünf Jahren von einem der beiden Vertreibungsgründe betroffen. 1,6 Prozent mussten aufgrund der organisierten Kriminalität ihre Gemeinden verlassen. Eine noch höhere Zahl, 1,8 Prozent der Bevölkerung, war aufgrund von Umweltkatastrophen wie den Auswirkungen der Hurrikane Otis und John zur Flucht gezwungen.
Präsidentin Claudia Sheinbaum zeigte sich wenig erfreut über die Ergebnisse dieser Befragung. Sie kündigte an, die Regierung werde das Statistikinstitut um nähere Angaben zu den Kriterien und der Methodik bitten, die zur Erfassung der Binnenvertreibung in Mexiko verwendet wurden.
Auch andere Daten der aktuellen Befragung überraschten. Zwischen dem Zensus von 2020 und demjenigen von 2025 betrug die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Bevölkerung 0,7 Prozent. Dieses Wachstumstempo liegt unter dem Wert zwischen 2015 und 2020, als es jährlich ein Prozent erreichte. Die durchschnittliche Geburtenrate ist in Mexiko stark rückläufig: Sie ist innerhalb von nur fünf Jahren von 1,9 auf 1,2 Kinder pro Frau gesunken, einer der tiefsten Werte weltweit. Das nordamerikanische Land kam Ende 2025 auf eine Einwohnerzahl von knapp 131 Millionen Personen.

