La Paz. Präsident Rodrigo Paz hat am vergangenen Samstag per Dekret aufgrund der andauernden Dürre den nationalen Notstand ausgerufen. Ursache ist das klimatische Phänomen El Niño. Er wies darauf hin, dass 63 Bezirksgemeinden (Munizipien) von der Trockenperiode betroffen sind. Es handle sich um eine vorbeugende Maßnahme, um Schlimmeres zu verhindern. Nun muss jedes Ministerium im Rahmen seiner Zuständigkeiten einen Beitrag leisten, um den Notstand zu lindern.
Verteidigungsminister Ernesto Justiniano teilte mit, dass in sechs Departements des Landes mehr als 114.000 Familien betroffen sind. Insbesondere das Altiplano, die Hochlandregion in den Anden, leidet unter den ausbleibenden Regenfällen. Die meisten Betroffenen befinden sich mit Abstand im Department Oruro, gefolgt von La Paz und Chuquisaca.
Laut Justiniano seien über 78.000 Familien in Mitleidenschaft gezogen, da der Wassermangel ihre Tätigkeiten und Lebensbedingungen beeinträchtigt. Weitere 36.000 Familien hätten bereits gravierende Verluste erlitten, beispielsweise bei ihren Ernten, Nutztieren oder Erwerbsquellen. Insgesamt seien 600 Quadratkilometer Anbaufläche der Dürre zum Opfer gefallen. Das Vizeministerium für Zivilschutz teilte außerdem mit, dass rund 75.000 Stück Vieh infolge der Dürre verendet seien. Fast eine Million Tiere seien stark beeinträchtigt.
Der Regierungschef erklärte, dass Zentralregierung, Gemeinden, zuständige Institutionen und die internationale Kooperation eng zusammenarbeiten werden, um die Klimakrise zu bewältigen. Er versprach "sowohl personelle als auch finanzielle Ressourcen". Dem Zivilschutz würden umgerechnet 6,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Regierung bemüht sich zudem um Unterstützung durch internationale Organisationen, um die Finanzhilfen zu ergänzen.
Doch die Hilfsgelder fließen erst, wenn auch die lokalen Regierungen in den betroffenen Regionen eine Notstandserklärung erlassen. Der stellvertretende Minister für Zivilschutz, Roberto Rivero Zimmermann, räumte ein, dass einige Gemeinden aufgrund ausstehender Formalitäten noch immer auf Hilfe warten. "Wir werden in den kommenden Wochen alle entsprechenden Hilfsgüter bereitstellen", versicherte er. Insbesondere Familien mit geringen finanziellen Rücklagen sind auf schnelle Unterstützung angewiesen.
Sie schätzen unsere Berichterstattung?
Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik. Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.
Zuletzt hatte das Vizeministerium für Zivilschutz 5,6 Millionen Euro erhalten, damals im Kampf gegen Frost und Hagel. Im Juli und August hatte eine ungewöhnliche und heftige Kältewelle mit Schneefällen die Andenregion heimgesucht.
Bolivien ist aufgrund seiner geografischen Vielfalt beim Klimawandel und bei Extremwetterlagen besonders anfällig. Während in einigen Regionen Dürre herrscht, kann es in anderen schneien oder zu Überschwemmungen kommen. Daher muss der Zivilschutz verschiedene Strategien gleichzeitig verfolgen, um auf die diversen Bedrohungen reagieren zu können. Der Zivilschutz ist in Bolivien dem Verteidigungsministerium unterstellt und für das Risiko- und Katastrophenmanagement zuständig.
Während die Auswirkungen der Dürre weiterhin spürbar sind, bereitet sich der Zivilschutz auf die kommende Regenzeit von November bis Februar vor. Besonderes Augenmerk gilt dem Department Santa Cruz sowie Teilen Benis und Cochabambas, wo es zu Überschwemmungen und Flussübertritten kommen kann. Im Bereich der Prävention liegt die Verantwortung jedoch bei den Gemeinden und lokalen Verwaltungen. Erst wenn sie einen Notfall nicht allein bewältigen können, schreitet die Zentralregierung ein.
El Niño ist ein natürlich auftretendes Phänomen, bei dem sich die Wasseroberfläche im tropischen Pazifik erwärmt. Folgen sind Veränderungen der Winde, des Luftdrucks und der Niederschläge. El Niño kann bis zu zwölf Monaten anhalten. Der Name "Christkind" geht auf Fischer vor der Küste Perus zurück. Sie bemerkten oft um die Weihnachtszeit veränderte Fischbestände aufgrund klimatischer Einflüsse. Starkregen, schwere Überschwemmungen und Erdrutsche sind die Folgen, wohingegen es im Norden Südamerikas und Mittelamerika oft zu extremer Trockenheit kommt.

