"Die Vorbereitung der Bevölkerung auf die Verteidigung bleibt Priorität", Miguel Díaz-Canel
In einem Podcast mit dem US-Komiker Hasan Minhaj erklärte der ehemalige Berater der Obama-Administration, Ben Rhodes, einen US-Angriff der gegenwärtigen Trump-Administration für denkbar. "Öl in Venezuela, Immobilien in Kuba, seltene Erden in Grönland... es gibt überall einen Jackpot", sagte Rhodes im Gespräch.
Auch wenn das militärische Kräfteverhältnis der beiden Länder deutlich asymmetrisch ist, findet Havanna stets klare Worte und betont die eigene Souveränität. In einem Interview mit der brasilianischen Zeitung Folha de São Paulo erklärte der kubanische Präsident Miguel Díaz-Canel im Hinblick auf eine mögliche Invasion durch das US-Militär, man müsse bei Präsident Donald Trump mit allem rechnen. Auf die Frage der Journalistin, wie sich Kuba auf eine mögliche Verteidigung vorbereite, entgegnete der kubanische Präsident: "Wir haben unsere Geheimnisse, jede Woche gibt es einen día nacional de la defensa (nationaler Tag der Verteidigung), um die Strukturen für einen möglichen Verteidigungsfall zu schaffen".
Ein reales Bedrohungsszenario
Vor allem Strandimmobilien seien es, die die Trump-Regierung dazu treiben, ihre Expansionslust gen Kuba auszurichten. "Die Trump-Organisation hat bereits Leute dorthin geschickt. Sie wollen Golfplätze bauen", betonte Rhodes. Die humanitäre Krise auf der Insel sei bereits eine sichtbare Folge der verschärften Sanktionspolitik durch Washington. "Während wir feiern, dass Maduro im Gefängnis ist, unterstützen US-Steuerzahler eine Politik, die kubanische Kinder und ältere Menschen tötet, weil einige Menschen in Florida diese Insel zurückerobern wollen. Und das ist einfach das Schlimmste, was es gibt."
Bereits im August berichtete die New York Times, über die Gründung einer geheimen Taskforce durch die CIA, die speziell für Kuba eingerichtet worden sei, um die Regierung zu spalten und der sozialistischen Revolution ein Ende zu setzen. Gleichzeitig mehrten sich die Drohungen von hochrangigen US-Politikern, die eine bewaffnete Invasion auf der Karibikinsel ins Spiel brachten. Als Begründung führten sie äußerst unglaubwürdige Szenarien an, bei denen Havanna als eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA beschrieben wurde, darunter der vermeintliche Kauf iranischer Kampfdrohnen, die Beherbergung einer chinesischen Spionagebasis und die kommunistische Unterwanderung des politischen Aktivismus in den USA.
Kuba bereitet sich vor
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Zusammen mit hochrangigen Mitgliedern des Politbüros, nahm Díaz-Canel Anfang September an den Vorbereitungen des Verteidigungsrats von Casablanca in der Gemeinde Regla teil. Vor Ort kritisierte er nicht nur die Zuspitzung der völkerrechtswidrigen Blockadepolitik, sondern thematisierte auch die vermehrten Drohungen militärischer Aggression seitens Washingtons. Anschließend versicherte der Präsident, dass der Nationale Verteidigungsrat das Land auf eine mögliche Aggression vorbereitet.
Die Verteidigungszone Casablanca befindet sich in einem historischen Arbeiterviertel nahe der Altstadt Havannas und zählt rund 10.000 Einwohner. Der Präsident der Zone, Johannes Milián Morales, berichtete den Regierungsvertretern von den örtlichen Gegebenheiten, wie beispielsweise Notfall-Alarm-Ausstattung und Strukturen für einen adäquaten Bevölkerungsschutz. Besonders betonte Milián Morales die sogenannten „Produktions- und Verteidigungsbrigaden“ in den Gemeinden.
Grundsätzlich handle es sich bei der kubanischen Strategie zur Verteidigung um eine Aufteilung des nationalen Gebietes in verschiedene Verteidigungszonen, deren Priorität auf der Warnung und dem Schutz der Bevölkerung liege. Informationen zu Schutzräumen im Falle bewaffneter Angriffe müssten verbreitet werden, um Ältere und Kinder zu schützen. Außerdem sollen die Zonen für eine rechtzeitige Mobilisierung und Vorbereitung der Verteidigungsbrigaden sorgen.
Wie der Präsident bei seinem Besuch gegenüber den nationalen Medien betonte, komme es auf die Beteiligung der Bevölkerung an, nicht nur bei der nationalen Verteidigung, sondern auch im wirtschaftlichen Reformprozess. Bei Letzterem wurden die institutionellen Grundlagen auf Regierungsebene geschaffen, nun stünden zahlreiche Diskussionen mit der Bevölkerung und Arbeitern aus den verschiedenen Sektoren an, um die Maßnahmen weiter anzupassen.
Bereits Ende August begleitete eine Delegation hochrangiger Politiker den kubanischen Präsidenten bei einem Besuch in der Verteidigungszone Pogolotti-Belén-Finlay im Stadtteil Marianao. Gleichzeitig reiste der Vizepräsident Salvador Valdés Mesa zu den Vorbereitungen in der Zone Mantilla im Municipio Arroyo Naranjo an. Neben der militärischen Verteidigungsfähigkeit diente der Besuch auch dazu, sich einen Überblick über die Versorgungslage zu machen.
Díaz-Canel observierte im vergangenen Monat eine ganze Reihe von Verteidigungsmanövern, die den Fall einer Invasion simulierten. Lokale Medien berichten stets über die Bemühungen, die zivilen Strukturen in die Vorbereitungen zu integrieren und für den Ernstfall zu rüsten. Die Besuche von Anfang September und Ende August verdeutlichen die kubanische Doktrin der „Guerra de Todo el Pueblo“ (Krieg der gesamten Bevölkerung). Die Landesverteidigung ist in Kuba nicht nur militärisch zu betrachten, sondern wird als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden, die nur bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Grundversorgung gewährleistet werden kann.
Gegenüber Folha de São Paulo betonte Díaz-Canel, man könne Kuba nicht mit Venezuela vergleichen. Auch wenn es sich um ein asymmetrisches Kräfteverhältnis zwischen Washington und Havanna handle, verfüge die Insel über eine historisch gewachsene Tradition des Widerstandes und könne für das US-Militär durch unkonventionelle Kriegsführung und Guerilla-Taktiken eine Herausforderung sein. Dem kubanischen Volk sei bewusst, was es bedeute, Souveränität, Freiheit und Sozialismus zu verteidigen.

