La Paz. In Bolivien spitzt sich der Konflikt um mögliche Entlassungen von Ranger:innen zu. Boliviens Minister für nachhaltige Produktion, Umwelt und Wasser, Óscar Justiniano, hatte Ende August 143 Ranger:innen aufgefordert, ihren Posten zu räumen. Nach Kritik hat der Minister am Montag bekräftigt, dass die Arbeitsplätze der Parkwächter:innen des Landes sicher sind. Es habe sich lediglich um einen Verwaltungsakt durch die Neuausrichtung seines Ministeriums mit der Eingliederung des Umweltressorts gerichtet, das beträfe insgesamt 1.200 Staatsangestellte. Noch diese Woche wolle er sich mit dem Schutzpersonal der Nationalparks treffen und über die institutionelle Neuausrichtung informieren. Trotzdem befürchten die Parkwächter:innen den Verlust ihrer Arbeitsplätze.
Neben dem geplanten Stellenabbau des Schutzpersonals hatte Justiniano auch die Direktorin der Nationalen Verwaltung der Schutzgebiete (Servicio Nacional de Áreas Protegidas, SERNAP), Cecilia Miranda, am 28. August in einem Brief aufgefordert, "ihre Ämter zur Disposition zu stellen", bis das Ministerium über eine Neustrukturierung entscheidet. SERNAP verwaltet insgesamt 23 Nationalparks, die 15,5 Prozent der Landesfläche ausmachen.
Als Reaktion auf die angekündigten Entlassungen hat der Verband der Parkwächter:innen (Asociación Boliviana de Guardaparques y Agentes de Conservación, ABOLAC), den Notstand ausgerufen und Präsident Rodrigo Paz zu einem Treffen aufgefordert. Der Verband weigerte sich, seine Mitglieder zur Auflösung der Arbeitsverhältnisse aufzufordern. Stattdessen wandte sich die Organisation mit einer "Beschwerde wegen Verletzung von Arbeitnehmerrechten" an die Ombudsstelle für Menschenrechte, die Defensoría del Pueblo. ABOLAC vertritt landesweit rund 300 Personen, von denen lediglich 143 vom Staat angestellt sind und über einen regulären Arbeitsvertrag mit Sozialleistungen verfügen. Diese fürchten nun um den Verlust ihrer Arbeitsplätze.
Die Beschäftigungsunsicherheit fällt mit einem institutionellen Hin und Her der Regierung zusammen, die mit Amtsantritt das Ministerium für Umwelt und Wasser auflöste. Die umweltpolitischen Aufgaben wurden in das inzwischen aufgelöste Ministerium für Entwicklungsplanung verlagert, während die Zuständigkeiten im Bereich Wasser an das Ministerium für produktive Entwicklung übergingen. In beiden Fällen wurden Vizeministerien eingerichtet, was Kritik seitens indigener Völker, Abgeordneter und Umweltschützer:innen hervorrief. Daraufhin entstand schließlich das aktuelle Ministerium, dem Justiniano vorsteht. Er war vorher als Unternehmer in der Agrarindustrie tätig. Vor seiner Vereidigung war er zudem Mitglied in Unternehmensverbänden des Departements Santa Cruz.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) bezeichnete die geplante Maßnahme von Justiniano als Gefahr für die indigenen Völker, deren Territorien sich mit staatlichen Schutzgebieten überschneiden. "Ranger:innen sind für den Schutz indigener Gebiete unerlässlich. Sie sind in abgelegenen Gebieten präsent, dokumentieren illegale Aktivitäten, melden Brände und verteidigen Schutzgebiete gegen ihre Zerstörung", erklärt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker bei der GfbV, in einer Pressemitteilung. "Indem der bolivianische Staat diese Menschen aus ihren Arbeitsverhältnissen drängt, schwächt er wissentlich eine wichtige Schutzstruktur für indigene Gemeinschaften."
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Die bolivianischen Parkwächter:innen warnen vor Bedrohungen wie illegalem Bergbau, illegalem Holzeinschlag, Wildtierhandel, Drogenhandel, Waldbränden oder Landbesetzungen. Laut ABOLAC sind sie die am schlechtesten bezahlten Angestellten innerhalb der öffentlichen Verwaltung, obwohl die dort Beschäftigten große Verantwortung für den Schutz der Artenvielfalt tragen.
Bolivien ist eines von mehr als 190 Ländern, die sich im Jahr 2024 zum dritten Ziel des Globalen Rahmens für die biologische Vielfalt verpflichtet haben. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Land nationale und subnationale Schutzgebiete sowie strategische Ökosysteme wirksam schützen, um bis 2030 die Erhaltung von mindestens 30 Prozent seiner Landesfläche zu garantieren.
Die Bedeutung von Schutzgebieten wird durch einen soliden rechtlichen Rahmen untermauert, der von der Verfassung bis hin zu mehr als 25 Gesetzen und Regierungsverordnungen reicht. Die vorliegenden Zahlen zeichnen jedoch ein anderes Bild. Bolivien ist laut dem jüngsten Bericht der Universität Maryland, von Global Forest Watch und Global Nature Watch des World Resources Institute (WRI) das Land mit dem zweithöchsten Verlust an tropischen Primärwäldern weltweit.
Das sollte auch Deutschland Sorge bereiten, das den Schutz der bolivianischen Amazonasregion unterstützt. Ein Fonds der Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) im Auftrag der Bundesregierung stellt dem Madidi-Nationalpark jährlich eine Million US-Dollar für Schutz und Verwaltung zur Verfügung. Hier arbeiten das SERNAP mit indigenen Organisationen zusammen. Zusätzlich hat Deutschland 15 Millionen Euro für den Schutz und die nachhaltige Bewirtschaftung der bolivianischen Amazonasregion zugesagt.

