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Guatemala: Tatverdächtiger des Mordes an Bischof Gerardi nach 27 Jahren verhaftet

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Der Tatverdächtige Darío Morales im Gerichtsgebäude
Der Tatverdächtige Darío Morales im Gerichtsgebäude

Alexandria/Guatemala-Stadt. Am Montag ist in den USA der ehemalige Militärangehörige Darío Morales verhaftet worden. Er wird beschuldigt, an der Ermordung von Bischof Juan José Gerardi Conedera am 26. April 1998 in Guatemala-Stadt beteiligt gewesen zu sein. Der Geistliche war zwei Tage nach der Veröffentlichung des Berichtes "Guatemala nunca mas" (Guatemala nie wieder) getötet worden.

Der Bericht hatte basierend auf tausenden Zeugenaussagen erstmals eine breitere Öffentlichkeit über Verbrechen während des guatemaltekischen Bürgerkrieges (1960-1996) informiert. Für den Großteil der Verbrechen während des Krieges, bei dem rund 250.000 Menschen ums Leben kamen, werden staatliche Sicherheitskräfte verantwortlich gemacht.

Gegen den jetzt in Alexandria im US-Bundesstaat Louisiana verhafteten Morales bestand seit 2010 ein Haftbefehl. Er wurde noch am Tag der Festnahme nach Guatemala ausgeliefert. Bereits am Dienstag wurde er einem Haftrichter vorgeführt und in die Haftanstalt in der Zone 18 in Guatemala-Sadt überführt. Die Verhandlung wird am 5. Mai fortgesetzt.

Nery Rodenas vom Menschenrechtsbüro des Erzbistums von Guatemala erklärte gegenüber amerika 21, Morales habe "wie die verurteilten Täter Byron Lima Estrada und sein Sohn Lima Oliva dem Generalstab beim Präsidenten angehört und ist von Zeugen am Tatort, dem Pfarrhaus San Sebastián in der Zone 1 in Guatemala-Stadt, gesehen worden". Sie betonte, trotz vergangener Urteile und der aktuellen Festnahme seien die "Drahtzieher des Verbrechens nie belangt worden".

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Morales erklärte nach seiner Inhaftierung Angst zu haben, es könne ihm "etwas passieren wie den anderen". Oberst Byron Lima Estrada, sein Sohn Lima Oliva und Sergeant Obdulio Villanueva wurden 2001 zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Lima Oliva kam 2016 bei einer Auseinandersetzung zwischen Häftlingen ums Leben (amerika 21 berichtete). Sein Vater verstarb im Dezember 2019 an gesundheitlichen Problemen im Gefängnis. ImJahr 2003 war Villanueva in der gleichen Haftanstalt in der Zone 18, in die jetzt Morales verbracht wurde, bei einem Streit zwischen Häftlingen getötet worden. Insgesamt starben damals sieben Gefangene, vier wurden enthauptet, unter ihnen auch Villanueva.

Bischof Gerardi ist in Guatemala unvergessen. Im Sitz des Menschenrechtsbüros des Erzbistums erinnern zahlreiche Fotos an den ersten Koordinator des Menschenrechtsbüros, der sich jahrzehntelang für Gerechtigkeit eingesetzt hatte und während des Bürgerkrieges mehrfach bedroht wurde.

Erst vor wenigen Tagen erinnerten an seinem 27. Todestag mehrere Hundert Menschen mit einer Demonstration, einem Gedenkgottesdienst und der Buchpräsentation "El Gerardi que conocí" (Der Gerardi, den ich kannte) an den Ermordeten.