Mexiko-Stadt. Die konservative Regierungschefin Madrids, Isabel Díaz Ayuso, hat am Donnerstag ihren offiziellen Besuch zur Intensivierung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen mit Mexiko abgebrochen. Auslöser war Kritik an ihrer geplanten Teilnahme an einer Veranstaltung zu Ehren des Konquistadors Hernán Cortés, unter dessen Kommando 1519 die spanische Unterwerfung des heutigen Mexikos begann.
Die "Feier der Christianisierung und Vermischung in Mexiko: Cortés und Malinche" wurde von mexikanischen Ultrarechten und der Partei PAN (Partido Acción Nacional) organisiert, musste jedoch wegen Protesten von indigenen Gemeinschaften kurzfristig abgesagt werden. Malinche war der spanische Name der indigenen Übersetzerin und Geliebten von Cortés. Sie gilt als eine äußerst umstrittene Figur in Mexiko, ihr Name teilweise als Synonym für den Verrat am eigenen Volk.
Wegen ihrer Haltung zum spanischen Kolonialismus in Lateinamerika steht die Madrider Regierungschefin schon seit Längerem in der Kritik. Im März hatte Ayuso die Aussage des spanischen Königs Felipe IV. zurückgewiesen, dass es bei der Kolonialisierung des amerikanischen Kontinents zu "viel Missbrauch" gekommen sei. In einem Interview mit OkDiario sagte Ayuso rassistisch, die "neue Welt" hätte "zivilisiert" werden müssen, denn der Missbrauch sei von "Mayas und Azteken" ausgegangen.
Laut Pascual González, Koordinator der Bewegung für indigene Völker und Gemeinschaften (MPCOI), versucht Ayuso die Figur von Cortés umzudeuten, indem sie ihn vom Völkermord an der indigenen Bevölkerung absetze. Die Veranstaltung zur Ehrung des Konquistadors sei insgesamt inakzeptabel. José Manuel Sánchez Etzin, Anführer des indigenen Volkes der Triqui im Bundesstaat Oaxaca, nannte in diesem Kontext Cortés ein Symbol der Eroberung und der Unmenschlichkeit gegenüber den indigenen Völkern.
Auch Abgeordnete der mexikanischen Regierungspartei Morena verurteilten die geplante Ehrung der beiden historischen Figuren, da diese "ganze Zivilisationen zerstört" hätten. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum präsentierte auf einer Pressekonferenz Unterlagen, die Cortés Verbrechen gegen die indigenen Völker Amerikas aufzeigen. In einem davon wird aus Perspektive der spanischen Obrigkeit unter anderem das Massaker von Cholula dokumentiert. Auf Cortés Befehl ermordeten seine Truppen 4.000 Indigene, die zuvor die Spanier friedlich empfangen hatten. Die Überlebenden wurden versklavt.
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Aus Perspektive der mexikanischen Regierung hat Spanien die Kolonialzeit nie richtig aufgearbeitet, was die Beziehung der beiden Länder belastet. Sheinbaums Vorgänger Andrés Manuel López Obrador (2018–2024) hatte eine offizielle Entschuldigung verlangt, was unter anderem von Spaniens Ex-Ministerpräsident José María Aznar ins Lächerliche gezogen wurde. Gleichzeitig werden in Mexiko die Stimmen lauter, die fordern, dass die Statue von Christoph Kolumbus im Zentrum von Mexiko-Stadt entfernt wird.
Ayuso sieht sich derweil als Opfer der "ultralinken Regierung Mexikos" und des "Klimas des Boykotts". Statt den geplanten zehn Tagen blieb sie nur eine Woche in Mexiko und kehrte vorzeitig nach Madrid zurück. Auch dort wird sie indes kritisiert, unter anderem von Politikern der Opposition im Madrider Regionalparlament.
Mar Espinar, Abgeordneter der sozialdemokratischen Partei PSOE, bat die Mexikaner um Entschuldigung für die Beleidigung durch Ayuso. Manuela Bergerot von Más Madrid erklärte in einer Parlamentsdebatte: "Unsere gemeinsame Geschichte mit Mexiko verdient eine Beziehung von gegenseitigem Respekt, statt einer kolonialen Performance […]. Die Schmarotzerin Isabel Díaz Ayuso hätte gern ein Viertel des Lebenslaufs, den Präsidentin Claudia Sheinbaum besitzt."
Wenn es wirklich um die historischen Bande zwischen Mexiko und Spanien ginge, so Bergerot, sollte lieber dem republikanischen Exil Tribut gezollt werden. Während der Regierung des spanischen Diktators Francisco Franco (1939–1975) fanden Tausende Spanier Aufnahme in Mexiko, nachdem sie vor dem faschistischen Terror geflohen waren.

