Brasília. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat am Mittwoch das Gesetz zur Schaffung der Nationalen Politik für kritische und strategische Mineralien unterzeichnet. Durch das Gesetz sollen Erforschung, Abbau und Verarbeitung kritischer und strategischer Mineralien gefördert werden, wofür Gelder in Höhe von umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden sollen. Eine wichtige Gruppe der Mineralien, auf die das Gesetz abzielt, sind die Seltenen Erden, die für moderne Technologien wie Elektroautos und Raketensteuerungssysteme benötigt werden.
Den Markt für Seltene Erden dominiert China. Das ostasiatische Land verfügt über Vorkommen von ca. 44 Millionen Tonnen und auch über die Technologie zu deren Aufbereitung. Nach Schätzungen des Geologischen Dienstes der USA (USGS) produzierte China im Jahr 2024 etwa zwei Drittel der globalen Produktion von schätzungsweise 390.000 Tonnen. Brasilien kommt mit mehr als 20 Millionen Tonnen Vorkommen auf Platz zwei und liegt damit deutlich vor Indien, das mit 6,9 Millionen Tonnen den dritten Platz belegt.
Einer Analyse von Swissinfo zufolge liegt die Förderung in Brasilien trotz der großen Vorkommen aktuell noch auf einem verschwindend geringen Niveau. Auch die Exporte betrugen im Jahr 2024 lediglich 20 Tonnen, ein Bruchteil der globalen Mengen. Laut Pablo Cesario, Präsident des Brasilianischen Bergbauinstituts (IBRAM), das die wichtigsten Unternehmen der Branche vertritt, fehlt es derzeit vor allem an einer Technologie zur kostengünstigen Verarbeitung der Seltenen Erden im großindustriellen Maßstab. Ihm zufolge kann die Bergbauindustrie die aufwendige Aufbereitung bislang nur im kleinen Labormaßstab realisieren. Cesario zufolge bietet das Gesetz "eine positive Grundlage für Finanzierung, Industrialisierung, Technologie und die internationale Verankerung der brasilianischen Bergbauindustrie".
Das Ausland hat bereits Interesse an den Seltenen Erden Brasiliens signalisiert. Die USA sehen darin eine Chance, die marktbeherrschende Stellung Chinas zu brechen. Dies wurde bereits anlässlich eines Besuchs von Lula im Mai in Washington bekannt. Lula bot Donald Trump eine Partnerschaft zur Erkundung der Seltenen Erden an, obwohl er ein angespanntes Verhältnis zu dem US-Präsidenten hat.
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Im März erklärte ein Sprecher der US-Botschaft während einer Veranstaltung mit Investoren in São Paulo, dass die USA Brasilien als einen Standort sähen, der das Potenzial für Investitionen in Milliardenhöhe berge. Die USA seien bereits auf dem Weg und hätten mehr als 600 Millionen US-Dollar investiert. Im Rahmen des Events unterzeichnete Washington eine Absichtserklärung mit dem Bundesstaat Goiás, um den Abbau Seltener Erden zu fördern. Im April vereinbarte der US-amerikanische Rohstoffkonzern USA Rare Earth für rund 2,8 Milliarden US-Dollar die Übernahme von Serra Verde, dem Betreiber der einzigen Seltene-Erden-Mine Brasiliens, die sich derzeit in der Produktionsphase befindet.
Auch andere Akteure sehen das Potenzial in Brasilien. Das australische Unternehmen Power Metals hat für sein geplantes Projekt Morro do Ferro in Minas Gerais von der Regierung des Bundesstaats kürzlich einen Prioritätsstatus erhalten. Japans staatliche Organisation für Metall- und Energiesicherheit finanziert in Brasilien Explorationsvorhaben für Seltene Erden, und chinesische Unternehmen zeigen sich ebenfalls an entsprechenden Projekten interessiert.
Lula hat sich zwar grundsätzlich bereit erklärt, Vereinbarungen mit dem Ausland zu treffen, möchte dabei jedoch die Kontrolle über das lukrative Geschäft behalten. "Unsere Souveränität steht nicht zum Verkauf. Der Reichtum Brasiliens hat nur einen einzigen Eigentümer: das brasilianische Volk", sagte Lula. Das unterzeichnete Gesetz sieht daher ausdrücklich einen staatlichen Prüf- und Genehmigungsmechanismus vor, der unter anderem bei internationalen Verträgen, Abkommen oder Partnerschaften greift.
Kritik an dem neuen Gesetz kommt unter anderem vom Verband der Bergbaugemeinden (AMIG Brasil). Der Verband erkennt zwar an, dass das Gesetz einen Fortschritt bedeutet, kritisiert aber, dass es keine Garantien dafür gebe, Kosten und Nutzen des Abbaus fair zu verteilen: "Wir können nicht akzeptieren, dass das Erz aus der Gemeinde abtransportiert wird, dass die ökologischen, sozialen und infrastrukturellen Auswirkungen vor Ort verbleiben und dass die Investitionen, die Technologie, qualifizierte Arbeitsplätze und neue wirtschaftliche Aktivitäten schaffen könnten, an andere Orte verlagert werden", so die Bergbaugemeinden.

