Brasília. Die brasilianische Regierung hat ein Investitionspaket in Höhe von rund 2,3 Milliarden Reais (etwa 382 Millionen Euro) für den Ausbau der nationalen KI-Infrastruktur angekündigt. Das berichteten mehrere brasilianische Medien. Hauptprojekt soll einer der zehn leistungsstärksten Supercomputer der Welt sein, wie Präsident Luiz Inácio Lula da Silva auf der Plattform X mitteilte.
Die Regierung kündigte am Donnerstag die Ausschreibung an. Die Investition in den Supercomputer werde sich auf rund eine Milliarde Reais (etwa 165 Millionen Euro) belaufen, sagte Lula bei einer Bekanntgabezeremonie. Das Großprojekt soll im Technologiepark Augusto Severo der Bundesuniversität Rio Grande do Norte im Nordosten des Landes umgesetzt werden.
Der Supercomputer soll den Angaben zufolge Ende 2027 in Betrieb gehen und über eine Datenverarbeitungskapazität von 7.200 Petaflops verfügen. Ein Petaflop ist ein Maß für Rechengeschwindigkeit und bedeutet, dass ein Computer eine Billiarde Gleitkommaoperationen (Rechenschritte mit Kommazahlen) in einer Sekunde ausführen kann. Zum Vergleich: Der aktuell leistungsstärkste Supercomputer Brasiliens (Stand Juni 2026) und zugleich ganz Lateinamerikas (Platz 37 weltweit) heißt Harpia und hat eine Rechenleistung von 75,2 Petaflops.
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Unter Berufung auf anonyme Regierungsvertreter berichtete die Agentur Reuters, die Regierung rechne damit, dass das amerikanische Unternehmen Nvidia den Zuschlag erhält. Lula erklärte, Brasilien wolle "groß denken" und niemandem unterlegen sein: "Weder die Chinesen noch die Amerikaner sind besser als wir." Brasilien werde in diesen Markt einsteigen. Ziel sei es, Brasiliens Abhängigkeiten zu verringern, sagte Wissenschafts- und Technologieministerin Luciana Santos. "60 Prozent aller von den brasilianischen Nachrichtendiensten verarbeiteten Informationen werden im Ausland ausgewertet, und nun werden wir in der Lage sein, dies hier vor Ort zu tun."
Neben dem Supercomputer schnürte die Regierung in Brasília ein umfassendes Maßnahmenpaket: Auch eine zweite Supercomputing-Infrastruktur soll in Rio de Janeiro entstehen, in Zusammenarbeit des Nationalen Lehr- und Forschungsnetzwerks mit den chinesischen Unternehmen Huawei und iFlytek. Zudem sei geplant, KI-Sprachmodelle auf Portugiesisch zu entwickeln, Brasiliens Kapazitäten in der Chipentwicklung auszubauen und Abhängigkeiten von ausländischen Zulieferern zu verringern.
Rund 8.000 Brasilianer:innen würden in der Entwicklung moderner Technologien ausgebildet, um Arbeitsplätze in der Branche zu schaffen, kündigte Lula außerdem an. Mit dem Aufbau einer nationalen Cloud-Infrastruktur sollen Daten sicher und eigenständig gespeichert und verarbeitet werden können. Die verkündeten Maßnahmen sind Teil des brasilianischen Plans für Künstliche Intelligenz (PBIA) von 2024, der staatliche Investitionen von insgesamt rund 23 Milliarden Reais (etwa 3,8 Milliarden Euro) bis 2028 vorsieht.

