Bern/Guatemala-Stadt. Das Schweizer Bundesgericht hat das Urteil von 14 Jahren Haft gegen den ehemaligen Polizeichef von Guatemala bestätigt. Der heute 56-jährige Erwin Sperisen, der die schweizerische und die guatemaltekische Staatsangehörigkeit besitzt, war wegen der Stürmung eines Gefängnisses nahe Guatemala-Stadt angeklagt worden. Dabei sind am 25. September 2006 sieben Gefangene ums Leben gekommen.
Das Schweizer Bundesgericht wies am vergangenen Donnerstag damit die Beschwerde der Verteidigung von Sperisen gegen ein Urteil aus dem Jahr 2024 zurück. Dieses sei "ausreichend begründet" gewesen und weise "keine Anzeichen von Willkür" auf.
Mit diesem Beschluss des höchsten Schweizer Gerichts ist ein mehr als 15 Jahre andauerndes Verfahren juristisch zu Ende. Sperisen war bereits 2014 vor einem Genfer Gericht verurteilt worden (amerika21 berichtete), seine Verteidigung ging allerdings bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EMGR). Tatsächlich entschied dieser 2023, dass das Urteil nicht "glänzlich unparteiisch" gewesen sei, Sperisen kam daraufhin frei. 2024 kam es in Genf erneut zu einem Urteil, das nun bestätigt wurde. Trotzdem kündigte die Verteidigung den erneuten Gang vor das EMGR an.
Sperisen hatte von 2004 bis 2007 die Policia Nacional Civil in Guatemala geleitet, als erster und bisher einziger Polizeichef in der Geschichte des Landes, der selbst keinen Polizeidienst geleistet hatte. 2007 ging er in die Schweiz und lebte dort bis zu seiner Verhaftung 2012 im Haus seines Vaters.
Die Verurteilung geht zurück auf die Operación Pavo Real (Operation Pfau), mit der Sicherheitskräfte in den frühen Morgenstunden des 25. Septembers 2006 die Kontrolle über das Gefängnis Pavón, eines der größten des Landes, zurückgewinnen wollten. Beteiligt waren 3.000 Polizisten und Soldaten. Laut Aussage des damaligen Direktors für Strafvollzug und späteren Staatspräsidenten Alejandro Giammattei stießen die Sicherheitskräfte auf gewaltsamen Widerstand der Häftlinge, die mit Schusswaffen und Molotow-Cocktails gegen die Sicherheitskräfte vorgingen.
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In Guatemala gelten viele Gefängnisse als von kriminellen Organisationen wie Barrio 18 und Mara Salvatrucha 13 kontrolliert. Damals erlebte Guatemala ausgesprochen gewalttätige Jahre mit rund 6.000 Morden pro Jahr, 2006 gab es mindestens 5.885 Morde, was 44,02 Morden auf 100.000 Einwohner entspricht. Danach stieg die Mordrate sogar noch an. Seit einigen Jahren geht sie zurück, 2025 waren es nur noch 17,4 Morde auf 100.000 Einwohner.
Vor dem Hintergrund der damaligen Gewaltwelle sahen und sehen viele Guatemalteken den Einsatz als richtig an, trotz oder gerade wegen der toten Häftlinge. "Mit der offensichtlichen Ausnahme der Angehörigen derjenigen, die bei der Konfrontation mit den Behörden ums Leben kamen, wurde der am Montag in der Strafvollzugsanstalt Pavón von gemeinsamen Einheiten aus Polizei und Armee durchgeführte Einsatz von der Bevölkerung unterstützt und vor allem verstanden", schrieb die Tageszeitung Prensa Libre zwei Tage nach dem Einsatz.
Giammattei saß wegen des Vorfalls zehn Monate im Gefängnis, dies erhöhte allerdings seine Bekanntheit im Land. 2019 gewann er sogar die Wahl zum Präsidenten.
Trotz einer rückgängigen Mordrate ist die Kriminalität von Banden und die teilweise aus den Gefängnissen gesteuerten Erpressungen weiter ein großes Thema in Guatemala. Die aktuelle sozialdemokratische Regierung von Bernardo Arévalo versucht seit Amtsantritt mit großen Polizeiaktionen und dem angekündigten Bau neuer Hochsicherheitsgefängnisse den Strafvollzug stärker zu kontrollieren.

