Weite Teile Amazoniens unter Kontrolle krimineller Banden

Regierungen adressieren zugrundeliegende Ursachen nicht. Gewalt gegen indigene Völker nimmt zu. Lateinamerika ist gefährlichte Region der Welt für Umweltschützer

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Das Dokument umfasst sieben Fallstudien im Amazonasgebiet
Das Dokument umfasst sieben Fallstudien im Amazonasgebiet

New York/Brasília et al. 67 Prozent der Landkreise und 32 Prozent der indigenen Territorien im Amazonasgebiet werden von kriminellen Banden kontrolliert. Das geht aus einer Studie von Amazonas Watch hervor, die im April in New York beim ständigen Forum für Indigene Fragen bei den Vereinten Nationen vorgestellt wurde.

Für die Studie "Amazonas unter Belagerung: Wie Kriminalität und Militarisierung indigene Völker bedrohen" wurden sieben Fallbeispiele in Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Peru und Venezuela untersucht. "Illegaler Goldabbau, Drogenhandel, illegaler Holzeinschlag und Menschenhändlernetzwerke haben sich zu miteinander verbundenen Systemen entwickelt, die Land kontrollieren, lokale Wirtschaftssysteme umgestalten und beispiellose Gewalt anheizen", heißt es in dem Bericht.

Im Zusammenhang mit den Aktivitäten krimineller Banden, von denen die Studie das Primer Comando Capital (PCC) und das Comando Vermelho (CV) aus Brasilien namentlich nennt, ist eine Zunahme von Gewalt insbesondere gegen Kinder und Frauen, Vertreibungen, fehlender Zugang zu Wasser und eine prekäre Gesundheitssituation festzustellen.

Das Dokument wies darauf hin, dass die Region zu den gefährlichsten Gebieten auf der Welt für Umweltschützer gehört. 296 Menschen wurden seit 2012 im Zusammenhang mit Aktivitäten für den Schutz von Umwelt und Territorien ermordet, die meisten Morde ereigneten sich in Brasilien und Kolumbien. 80 Prozent aller Morde an Umweltschützern weltweit werden in Lateinamerika verübt.

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Indigene stellen sich einer illegalen Goldmine entgegen
Indigene stellen sich einer illegalen Goldmine entgegen

Bei der Vorstellung des Berichtes in New York forderte Jackeline Odicio, Präsidentin des Frauenverbandes des indigenen Volkes des Kakataibo in Peru ein Ende der Gewalt und Kriminalisierung indigener Völker. "Wir sind nicht gewalttätig; wir verteidigen lediglich unser Land. Ich komme aus einem Gebiet, in dem sechs Menschen ermordet wurden, und auch wir werden kriminalisiert und bedroht."

Odicio sprach auch über die Folgen für Kinder, Jugendliche und Frauen in indigenen Gemeinschaften. "Die Vergewaltigung indigener Kinder in unseren Gebieten, Teenagerschwangerschaften, Prostitution, Anwerbung – all das betrifft unsere Gebiete. Die Folgen sind sehr gravierend", betonte sie.

Weiter nennt der Bericht die schwierige ökonomische Lage vieler Jugendliche in der Amazonasregion. Kriminelle Aktivitäten würden diesen eine Perspektive bieten. Ferner wird die Abwesenheit funktionierender staatlicher Strukturen als Problem benannt. "Was existiert, ist kein Machtvakuum, sondern eine alternative Ordnung. Kriminelle Herrschaft ersetzt nicht nur den Staat, sondern etabliert sich dort, wo er zuvor nie existiert hat", heißt es in einem Artikel von El País von Ende April. Verfasst hatte diesen Herlin Odicio, Anführer des indigenen Volkes der Kakataibo und Sofía Hidalgo, Beraterin von Amazonas Watch.

Gleichzeitig wiesen Odicio und Hidalgo darauf hin, das Indigene Selbstverwaltungsstrukturen wichtig sind. "Es geht hier nicht darum, den Staat durch indigene Völker bei der Verwaltung ihrer Gebiete zu ersetzen, sondern vielmehr darum, die bereits bestehenden wirksamen Bemühungen anzuerkennen, zu stärken und zu ergänzen. Wo indigene Selbstverwaltung stark ist, sind Schattenwirtschaften begrenzt. Ihre Wissenssysteme und Fähigkeiten zu ignorieren, ist eine politische Entscheidung mit schwerwiegenden Folgen für gegenwärtige und zukünftige Generationen sowie für die Stabilität des globalen Klimas“, erklärten Odicio und Hidalgo.

Staatlicherseits werde dagegen häufig nur auf "Militarisierung und kurzfristige Repressionsstrategien" gesetzt, "die zwar Kontrolle demonstrieren sollen, aber die zugrundeliegenden Dynamiken wie Korruption, institutionelle Vereinnahmung und fehlende territoriale Anerkennung nicht verändern", kritisierten Odicio und Hidalgo abschließend.