Georgetown. Am heutigen Montag finden in Guyana die allgemeinen und regionalen Wahlen statt. Rund 800.000 Wahlberechtigte sind aufgerufen, die 65 Sitze der Nationalversammlung neu zu bestimmen. Der Präsidentschaftskandidat der stärksten Liste übernimmt gemäß Verfassung das Staatsoberhauptamt. Die Ergebnisse werden voraussichtlich am 4. September bekannt gegeben.
Guyana ist eines der kleinsten Länder Südamerikas und anders als die meisten englischsprachig. Es verzeichnet seit Jahren eines der weltweit höchsten Wirtschaftswachstumsraten, ausgelöst durch umfangreiche Ölfunde vor der Küste. Der Umgang mit den Einnahmen aus der Erdölförderung, Fragen der sozialen Verteilung und Vorwürfe von Korruption prägten den Wahlkampf.
Als Favorit tritt die regierende People’s Progressive Party/Civic (PPP/C) mit Präsident Irfaan Ali an. Seine Partei betont Infrastrukturinvestitionen, Sozialprogramme und die internationale Positionierung des Landes als "neue Erdölnation".
Hauptkonkurrentin ist die oppositionelle Koalition aus den eher konservativ-nationalistischen A Partnership for National Unity (APNU) und Alliance for Change (AFC), die traditionell über starke Unterstützung in afroguyanischen Bevölkerungsgruppen verfügt. Sie kritisiert die Regierung wegen ungleicher Verteilung der Ölgewinne, steigender Lebenshaltungskosten und mangelnder Transparenz.
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Zusätzliche Dynamik bringt die neu gegründete Bewegung We Invest in Nationhood (WIN) um Geschäftsmann Azruddin Mohamed. Er wirbt mit populistischen Versprechen, will ethnische Gräben überwinden und kündigte eine Neuverhandlung bestehender Erdölabkommen an.
Die Wahlkommission GECOM hat die organisatorischen Vorbereitungen fristgerecht abgeschlossen. Sie schulte rund 19.000 Wahlhelfer:innen und informierte Wähler:innen über Verfahren und Anforderungen. Die Abgabe der Stimmen erfolgt per geschlossenen Parteilisten.
Internationale Beobachtergruppen der Europäischen Union und des Commonwealth begleiten den Urnengang. Sie sollen die Transparenz des Prozesses sicherstellen, nachdem die Wahlen im Jahr 2020 von erheblichen Verzögerungen und Vorwürfen der Manipulation überschattet waren. Erste Ergebnisse werden in der Nacht nach Schließung der Wahllokale erwartet.

