Washington D.C. US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag eine umfassende Seeblockade gegen Venezuela angeordnet. Das südamerikanische Land sei "vollständig von der größten Armada umgeben, die jemals in der Geschichte Südamerikas zusammengezogen wurde", schrieb Trump auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social. Sie werde weiter wachsen und der "Schock" werde "sein wie nichts, was sie je zuvor erlebt haben" - bis zu dem Zeitpunkt, an dem Venezuela den USA "das gesamte Öl, Land und andere Vermögenswerte zurückgeben, die sie uns zuvor gestohlen haben". Worauf sich Trump mit der Aussage über "gestohlene" Vermögenswerte bezog, blieb unklar. Viele Medien spekulierten über einen Bezug zur Verstaatlichung der venezolanischen Erdölindustrie, bei der allerdings auch US-amerikanische Unternehmen entschädigt wurden.
Die Regierung von Nicolás Maduro nannte das Vorgehen der USA eine "tollkühne und schwerwiegende Drohung" gegen Venezuela und kündigte an, bei den Vereinten Nationen "diese schwere Verletzung des Völkerrechts" anzuprangern. Trump wolle "auf völlig irrationale Weise" eine Seeblockade gegen Venezuela verhängen, um sich "die Reichtümer anzueignen, die unserem Vaterland gehören". Seine wahre Absicht sei es stets gewesen, "sich das Öl, das Land und die Mineralien des Landes durch massive Kampagnen aus Lügen und Manipulationen anzueignen".
Durch die Seeblockade erhöht die US-Regierung weiter den militärischen Druck auf Venezuela, um Präsident Nicolás Maduro zu stürzen. Seit August wurden Kriegsschiffe und schließlich der größte Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in die Karibik verlegt. Inzwischen handelt es sich um einen der größten US-Aufmärsche in der Karibik seit Jahrzehnten mit einer Truppenstärke von etwa 15.000 Personen. Zuvor hatte die US-Regierung den venezolanischen Flugraum für geschlossen erklärt.
Vergangene Woche beschlagnahmten US-Behörden einen Tanker, der Öl aus Venezuela transportierte. Die venezolanische Regierung verurteilte den Schritt als einen "Akt der Piraterie" und "vulgären Raub" (amerika21 berichtete) und warf der Regierung von Trinidad und Tobago vor, den "Diebstahl" unterstützt zu haben. Als Konsequenz erklärte die venezolanische Regierung, "mit sofortiger Wirkung sämtliche Verträge, Abkommen oder Verhandlungen über die Lieferung von Erdgas an dieses Land zu beenden".
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Der demokratische Abgeordnete im US-Kongress Joaquin Castro bezeichnete die Seeblockade als "Akt des Krieges", der nach Auffassung seiner Partei nicht autorisiert sei und nicht ohne Zustimmung des Kongresses erfolgen könne. Einige weitere Abgeordnete und Senatoren hatten sich kritisch zur eskalierenden Venezuela-Politik des US-Präsidenten geäußert.
Die kürzlich mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Venezolanerin María Coria Machado hingegen begrüßte den verstärkten Druck auf ihr Land ausdrücklich. "Wir fordern das seit Jahren, jetzt geschieht es endlich", sagte die Politikerin in einem Interview mit dem US-Sender CBS News. "Ich unterstütze die Strategie von Präsident Trump uneingeschränkt. Wir, das venezolanische Volk, sind ihm und seiner Regierung sehr dankbar, denn ich glaube, dass er ein Vorkämpfer der Freiheit in dieser Hemisphäre ist." In einem weiteren Interview sprach sie davon, dass Drogenkartelle in Venezuela "60 Prozent unserer Bevölkerung unter ihre Kontrolle gebracht haben".
Der venezolanische Ökonom Francisco Rodríguez warnte unterdessen vor einer Hungersnot als Folge der Blockade. "Das Abschneiden sämtlicher Öleinnahmen wird zu einem massiven Rückgang der Lebensmittelimporte führen und dürfte in der modernen Geschichte erstmals eine große Hungersnot in der westlichen Hemisphäre auslösen", schrieb der Venezuela-Experte am Center for Economic and Policy Research (CEPR). In einer Studie hatte Rodríguez kürzlich die massiven Auswirkungen der Sanktionspolitik untersucht (amerika21 berichtete).
Vorgeblich hat der Truppenaufmarsch der USA das Ziel, Drogenschmuggel aus Venezuela in die USA zu unterbinden. Dabei hat das US-Militär in den letzten Wochen mindestens 95 Menschen bei Angriffen auf Schiffe in internationalen Gewässern getötet, zuletzt acht Menschen im Pazifik. Viele Experten bewerten die außergerichtlichen Hinrichtungen als illegal und völkerrechtswidrig.

