Washington/Bogotá. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat die kolumbianische bewaffnete Gruppe Clan del Golfo in ihre Liste ausländischer Terrororganisationen aufgenommen. Zusätzlich erfolge die Aufnahme in die Liste der "Specially Designated Nationals and Blocked Persons" (SDN), die vom US-amerikanischen Amt zur Kontrolle von Auslandsvermögen (OFAC) verwaltet wird.
Der Clan de Golfo ist für Drogenhandel, Massaker, Morde an der Zivilbevölkerung und an Angehörigen der staatlichen Sicherheitskräfte wie der Nationalpolizei verantwortlich. Er führt Entführungen, Erpressungen, terroristische Anschläge mittels Sprengsätzen und die gewaltsame Vertreibung ziviler und bäuerlicher Bevölkerung durch. Mit der wahllosen Rekrutierung Minderjähriger üben sie in vielen Regionen ihre Terrorherrschaft aus. 2024 kündigte die Gruppe einen "Feminizid-Plan" gegen politische Linke an (amerika21 berichtete).
In einer Mitteilung erklärte das US-Außenministerium, der Clan del Golfo sei eine gewalttätige und mächtige kriminelle Organisation mit Tausenden Mitgliedern. Haupteinnahmequelle sei der Kokainhandel, mit dem bewaffnete Aktivitäten und die territoriale Ausdehnung finanziert würden.
Die Aufnahme in die SDN-Liste zieht sofortige und weitreichende Finanzsanktionen nach sich. Sämtliche Vermögenswerte der Organisation, die der US-Gerichtsbarkeit unterliegen, werden eingefroren, darunter Bankkonten, Immobilien und sonstige finanzielle Beteiligungen. Zudem ist es US-Personen und US-Unternehmen untersagt, Geschäfte mit der Gruppe zu tätigen, was ihren Zugang zu finanziellen Ressourcen und zum internationalen Finanzsystem erheblich einschränkt.
Der Clan del Golfo entstand nach der Demobilisierung der Autodefensas Unidas de Colombia, einem Dachverband faschistischer, paramilitärischer Gruppen. Der Clan agiert als kriminelles Netzwerk mit militärischer Struktur, Präsenz in mehreren Regionen des Landes und Kontrolle über strategische Routen des Drogenhandels. Nach Angaben der kolumbianischen Regierung verfügt die Organisation derzeit über zwischen 6.000 und 7.000 bewaffnete Mitglieder und zählt damit zu den größten illegalen Gruppen des Landes.
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Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2022 verfolgt Präsident Gustavo Petro eine Politik der Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen, die nach dem Friedensabkommen mit der ehemaligen Guerillaorganisation FARC im Jahr 2016 weiterhin aktiv sind. In diesem Zusammenhang hat sich der Clan del Golfo selbst als politischer Akteur definiert und gefordert, ähnlich behandelt zu werden wie Guerillas und demobilisierte paramilitärische Strukturen.
Seit September führt Petros Regierung mit dem Clan del Golfo einen Friedensdialog in Katar (amerika21 berichtete). Katar, Spanien, Norwegen und die Schweiz vermitteln bei den Gesprächen. Laut der kolumbianischen Regierung handelt es sich nicht um traditionelle Friedensverhandlungen. Ihr Ziel sei es, die illegalen Wirtschaftszweige zu zerschlagen. Allerdings weigert sich der Clan del Golfo bislang sich vollständig der staatlichen Justiz zu unterwerfen.
Álvaro Jiménez, Petros Verhandlungsführer bei den Gesprächen, kommentierte die neuesten Entwicklungen in Washington: "Auch die FARC und die ELN sind Organisationen, die sowohl von der Europäischen Union als auch von den Vereinigten Staaten als terroristisch eingestuft werden. Man muss die Zusammenhänge analysieren, dann ist es nichts Neues, dass der kolumbianische Staat Gespräche mit Organisationen führt, die als terroristisch eingestuft werden".
Die von Washington verkündete Einstufung erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender diplomatischer Spannungen zwischen Kolumbien und den Vereinigten Staaten. In den vergangenen Monaten hat Präsident Petro wiederholt Entscheidungen der Regierung von Präsident Donald Trump kritisiert, darunter auch dessen Abschiebepolitik gegenüber Migrantinnen und Migranten.

