Quito. Am Freitag, dem 13. März, ist die Polizei gewaltsam gegen eine Demonstration in er ecuadorianischen Hauptstadt Quito vorgegangen. Der von der Frente Nacional, der Vereinigten Arbeiterfront (FUT) und der Nationalen Lehrergewerkschaft (UNE) organisierte Protest wandte sich gegen eine Reihe von Maßnahmen, darunter das Ministerabkommen MDT-2026-059, das die Umstrukturierung der 40-Stunden-Woche in Schichten von bis zu zehn Stunden pro Tag ermöglicht. Von Gewerkschaftsführern wird dies als "arbeitnehmerfeindlich" bezeichnet.
Weitere Streitpunkte sind das Bergbau- und Energiegesetz, das den Abbau von Gesteinsmaterial auch auf den Galápagos-Inseln erlaubt, sowie die Reformen des Gesetzes zur territorialen Selbstverwaltung (COOTAD), die Kürzungen von Sozialprogrammen auf Gemeinde- und Präfekturebene nach sich ziehen könnten.
Die Protestierenden kritisierten außerdem das jüngste FBI-Abkommen mit den USA, das die dauerhafte Präsenz von FBI-Agenten im Land zulässt. Die Ecuadorianer:innen hatten sich bereits mit dem gescheiterten Referendum vom November 2025 gegen die Errichtung ausländischer Militärbasen ausgesprochen – Ergebnisse, die die Regierung Noboa nach Ansicht der Protestierenden nun missachtet.
Der Protest begann friedlich, wurde aber von Beginn an von einem massiven Polizei- und Militäraufgebot begleitet. Um 18:15 Uhr trieben Polizisten auf Motorrädern die Menge auf dem Santo-Domingo-Platz im historischen Zentrum Quitos auseinander. Zuvor hatten Demonstrierende die Anwesenheit von Panzern und Militärfahrzeugen gemeldet. Der Einsatz erfolgte mit Tränengasbomben und Blendgranaten. Die Menge zerstreute sich in verschiedene Bereiche des Stadtzentrums, bis uniformierte Beamte den Platz vollständig unter ihre Kontrolle gebracht hatten. "Die Polizei verhält sich immer so, wenn illegitime Regierungen an der Macht sind", sagt dazu ein Demonstrant.
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Der Protest fand im Schatten eines Ausnahmezustands statt. Noch in derselben Nacht trat in vier Provinzen eine Ausgangssperre in Kraft, ein Instrument, das laut Gemeinden zunehmend zur Protestunterdrückung genutzt wird (amerika21 berichtete). Ähnliche Szenen gab es am selben Tag in mindestens 19 ecuadorianischen Städten, darunter Guayaquil, Esmeraldas, Riobamba, Cuenca, Machala, Loja und Lago Agrio.
Bereits beim Besuch internationaler Menschenrechtsorganisationen vom 2. bis 5. März 2026 wurde von den Organisationen mit großer Sorge über die Menschenrechtslage in Ecuador berichtet. Im Zentrum des Berichts: Die rapide Einschränkung des zivilgesellschaftlichen Handlungsspielraums und die Kriminalisierung von Menschenrechts- und Umweltschützern, vor allem durch den Einsatz sogenannter Strategic Lawsuit Against Public Participation (SLAPPs), womit strategische Gerichtsprozesse gegen Aktivist:innen gemeint sind. Seit 2025 werden diese Strafverfahren bei der Staatsanwaltschaft eröffnet und Bankkonten von Umweltaktivisten und indigenen Anführern gesperrt. Die Fälle werden zwar in der Praxis oft nicht weiter strafrechtlich verfolgt, in einigen Fällen ordneten Richter bereits die Freigabe gesperrter Konten an, weil belastende Informationen fehlen. Dennoch dient diese Strategie der Einschüchterung.
Die Gewalt gegen die Demonstrierenden hatten die Organisationen ebenfalls bereits dokumentiert: willkürliche Praktiken gegen zivilgesellschaftliche Organisationen und gewaltsame Unterdrückung friedlicher Proteste im Kontext der Normalisierung von Ausnahmezuständen. Damit einhergehend die Umsetzung einer sicherheitsorientierten Politik mit zunehmender Überwachung und Militarisierung unter dem Vorwand einer schweren Sicherheitskrise sowie die Aushöhlung der richterlichen Unabhängigkeit und der Rechtsstaatlichkeit.

