Miami. Ein Gericht in Miami hat vier Männer aus Südflorida wegen des Komplotts zur Entführung oder Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovenel Moïse verurteilt.
Die Staatsanwaltschaft argumentierte bei der Urteilsverkündung am Freitag vergangener Woche, dass die vier Verurteilten, Arcángel Pretel Ortiz, Antonio Intriago, James Solages und Walter Veintemilla, ab April 2021 geplant hätten, Moïse zu stürzen und durch jemanden ihrer Wahl zu ersetzen. Laut der Staatsanwaltschaft handle es sich hierbei um "einen Fall von Gier, Arroganz und Macht".
Die vier Männer unterstützten zunächst den haitianisch-amerikanischen Arzt und Pastor Christian Emmanuel Sanon als Nachfolger, wandten sich ab Juni 2021 jedoch der Obersten Richterin Haitis Windelle Coq Thélot zu. Coq Thélot verstarb Anfang 2025, gegen Sanon wird als Mittäter ermittelt. Er wird aus gesundheitlichen Gründen zu einem späteren Zeitpunkt in Florida vor Gericht erscheinen.
Präsident Moïse wurde am 7. Juli 2021 von etwa zwei Dutzend größtenteils kolumbianischen Söldnern in seiner Residenz überfallen, gefoltert und ermordet. Die Frau des Präsidenten wurde dabei ebenfalls verletzt. Sie erschien vor einigen Wochen selbst zur Aussage vor Gericht und nannte wirtschaftliche Hintergründe als Mordmotiv (amerika21 berichtete).
Das Geschworenengericht befand die vier Angeklagten nun in fünf Anklagepunkten für schuldig, darunter die Verschwörung zur Bereitstellung materieller Unterstützung, ein terrorismusbezogener Anklagepunkt sowie die Verschwörung zur Führung einer Militärexpedition gegen eine befreundete Nation. Antonio Intriago sah sich mit vier weiteren Anklagepunkten konfrontiert, da er schusssichere Westen an die Söldner lieferte. Mindestens fünf weitere Beteiligte bekannten sich bereits kurze Zeit nach dem Attentat für schuldig direkt oder indirekt am Komplott beteiligt gewesen zu sein und verbüßen inzwischen lange Haftstrafen in den USA.
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Das Strafmaß wird erst im Juli festgelegt. Die vier Männer könnten zur Höchststrafe, einer lebenslangen Haft, verurteilt werden.
Mitglieder der haitianischen Diaspora in Florida, die den Fall verfolgten, zeigten sich erfreut über das Urteil, auch wenn weiter Unklarheit darüber besteht, welche Interessengruppen hinter dem Attentat standen. So behaupteten alle vier Verurteilten in ihrer Verteidigung, dass mehrere US-Behörden und Sicherheitsdienste über die Pläne informiert gewesen seien oder diese sogar aktiv unterstützt hätten. Pretel Ortiz und Intriago arbeiteten in der Vergangenheit selbst als Informanten für das FBI beziehungsweise die DEA. Recherchen des Miami Herald legen zudem nahe, dass zwischen einem der Beteiligten und US-Abgeordneten Telefonkontakt bestand.
Die Unklarheit über das Ausmaß der Verstrickung von US-Behörden im Fall wird weiter dadurch verschleiert, dass der Fall unter dem Classified Information Procedures Act (CIPA) verhandelt wurde; "sensible Inhalte" des Verfahrens werden der Öffentlichkeit damit unzugänglich gemacht.
Parallel zu den Verhandlungen in den USA laufen Verfahren gegen mehr als 50 Verdächtige in Haiti. Aufgrund der instabilen Lage im Land ist der Prozess jedoch ins Stocken geraten. Seit der Ermordung Moïses verzeichnen die Sicherheitsbehörden Haitis einen enormen Machtverlust, während bewaffnete Gangs unter Gewalt immer mehr Territorien unter ihre Kontrolle bringen können. Millionen Menschen wurden seit 2021 vertrieben und Tausende verloren ihr Leben (amerika21 berichtete).
Internationale Sicherheitsmissionen konnten die Lage im Land bisher nicht stabilisieren und werden im Gegenteil sogar beschuldigt, sich der Tötung und Vergewaltigung von Zivilisten schuldig gemacht zu haben.

