Cali. Nach dem schweren Erdbeben in Kolumbien ist eine Debatte über den Einsatz israelischer Rettungskräfte entbrannt. Ein Kontingent von 82 Angehörigen der israelischen Streitkräfte, darunter Ingenieure, Rettungskräfte und medizinische Fachkräfte, traf in Cali ein, um sich an den Hilfsmaßnahmen zu beteiligen. Präsident Abelardo de la Espriella dankte dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu für die Unterstützung.
Kritik kam unter anderem vom ehemaligen Präsidenten Gustavo Petro. Seine Kritik richtete sich vor allem gegen den Einsatz von Militärangehörigen als humanitäre Helfer. Kolumbien brauche zivile bzw. medizinische Hilfe statt Militär.
Die israelische Seite reagierte darauf durch den Sprecher Roni Kaplan: "Wir sind Friedenssoldaten." Er argumentierte, die israelischen Soldaten würden nur Krieg führen, um eines Tages in Frieden leben zu können, und handelten nach dem humanitären Völkerrecht. Kaplan war auch nach dem verheerenden Erdbeben im Juni in Venezuela im Einsatz.
Alternative Medien in Cali kritisieren den Einsatz und auch vor allem Kaplan. Der Sprecher der israelischen Regierung ist in Urugauy geboren und aufgrund seiner Äußerungen zur israelischen Militäraktionen gegen die palästinensische Bevölkerung in ganz Lateinamerika umstritten. Der uruguaische Politiker Pablo Echenique warf ihm vor, der "Sprecher des schlimmsten Genozids des 21. Jahrhunderts" zu sein. Seit Juni 2026 wird gegen Kaplan in seinem Heimatland Uruguay wegen seiner mutmaßlichen Rolle bei Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord ermittelt.
In den ersten Stunden in Cali waren die Soldaten mit kolumbianischen Rettungskräften, die palästinensische Flaggen trugen, aneinandergeraten.
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Im Zentrum der Auseinandersetzung steht dabei nicht allein die konkrete Hilfe der israelischen Rettungskräfte, sondern ihr Einsatz im Kontext des grundlegenden außenpolitischen Kurswechsels Kolumbiens gegenüber Israel.
Dieser Kurswechsel hatte bereits vor dem Erdbeben begonnen. De la Espriella hatte im Wahlkampf eine Wiederannäherung an Israel angekündigt. Nach seinem Wahlsieg erklärte der damalige israelische Außenminister Gideon Sa'ar, er wolle die Beziehungen zu Kolumbien stärken. De la Espriella versprach zudem, die Verbindung zu Israel "wie nie zuvor" auszubauen, unter anderem in den Bereichen Sicherheit, Innovation und Handel.
Die Hilfe nach dem Erdbeben fällt nun unmittelbar in diese neue Phase der bilateralen Beziehungen. Netanjahu sprach nach einem Telefonat mit de la Espriella von einem "neuen Kapitel" in den Beziehungen beider Länder. Im selben Gespräch dankte der kolumbianische Präsident für die technische Hilfe und die nach Cali entsandten Rettungskräfte.
Umstritten ist die politische Bedeutung des Einsatzes eines Kontingents der israelischen Streitkräfte. Linke Politiker:innen befürchten, dass die israelische Unterstützung nicht ausschließlich als humanitäre Hilfe betrachtet werden kann, sondern Teil eines politischen Neubeginns zwischen Bogotá und Tel Aviv ist.

