Yurúa. Die indigene Organisation Regional AIDESEP Ucayali (ORAU) aus der peruanischen Provinz Ucayali hat bekannt gegeben, dass die Einschüchterungen gegen indigene Führer:innen und Menschenrechtsverteidiger:innen in der Grenzregion zu Brasilien zugenommen haben.
In einem Kommuniqué erklärte ORAU am 25. August: "Die Präsenz des organisierten Verbrechens und die Zunahme illegaler Aktivitäten in unseren Gebieten stellen eine wachsende Bedrohung für die indigenen Völker und für diejenigen dar, die sich für die Verteidigung ihrer kollektiven Rechte einsetzen". Dies sei inbesondere in Gebieten der Fall, "die von Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Drogenhandel und anderen illegalen Wirtschaftszweigen betroffen sind".
In Peru wurden einem Bericht der Organisation Global Witness zufolge zwischen 2012 und 2024 mindestens 62 Umweltaktivisten getötet. Peru gilt damit als eines der gefährlichsten Länder für Menschen, die den Amazonas gegen illegale Aktivitäten verteidigen.
Während kriminelle Netzwerke in Peru und anderen lateinamerikanischen Staaten ihre wirtschaftlichen Interessen mit Gewalt durchsetzen, werden entsprechende Verbrechen häufig nicht konsequent oder zeitnah aufgeklärt. Angehörige indigener Gemeinschaften beklagen die geringe staatliche Präsenz in ihren Gebieten. Dies erleichtere die Ausbreitung illegaler Wirtschaftsaktivitäten und bedrohe die Lebensgrundlagen der betroffenen Gemeinschaften.
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Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) verweist auf die strukturelle Dimension der Gewalt. Es handle sich nicht um bedauerliche Einzelfälle, sondern um ein Muster, bei dem Führungspersönlichkeiten indigener Gemeinschaften systematisch bedroht würden, weil diese sich der Ausbeutung ihrer Heimat entgegenstellten. "Wir fordern die Regierungen Brasiliens und Perus auf, gemeinsam gegen die grenzüberschreitend agierenden kriminellen Netzwerke vorzugehen", appelliert Dr. Elina Fernandes, GfbV-Referentin für Indigene Völker.
Der Druck auf die natürlichen Ressourcen der indigenen Territorien entsteht auch durch die Nachfrage kapitalistischer Märkte. Der sogenannte Extraktivismus reduziert Wälder, Flüsse, Böden und Bodenschätze auf monetär verwertbare Ressourcen, deren Wert sich zunehmend über ihre internationale Vermarktbarkeit bestimmt. Was für die betroffenen Gemeinschaften Teil ihres Lebensraums und ihrer sozialen und kulturellen Existenz ist, wird aus dieser Perspektive zur bloßen Ware. Dabei verläuft die Grenze zwischen legaler und illegaler Ausbeutung entlang der Linie ähnlicher wirtschaftlicher Logiken.
Für indigene Gemeinschaften bedeutet diese Entwicklung, dass ihre Lebensräume unter zunehmenden wirtschaftlichen Druck geraten – und dass diejenigen, die sich der Ausbeutung entgegenstellen, immer wieder zur Zielscheibe von Gewalt werden.

