Honduras / Medien

Investigativ-Medium Criterio in Honduras bedroht

Gestrichene Fördergelder und Verleumdungskampagne erschweren Arbeit. Spendenkampagne soll Fortbestand sichern

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Die investigative und regierungskritische Arbeit von Criterio in Honduras wird immer schwieriger
Die investigative und regierungskritische Arbeit von Criterio in Honduras wird immer schwieriger

Tegucigalpa. Criterio ist eines der wenigen unabhängigen Medien in Honduras und beklagt eine Verleumdungskampagne sowie eine Serie von Attacken auf seine Inhalte. Menschenrechtsorganisationen befürchten, dass das Medium geschlossen werden soll. Hinzu kommt durch die Streichung von US-Geldern eine finanzielle Krise, die die Verletzlichkeit des Teams aus Investigativ-Journalist:innen weiter erhöht.

Criterio wurde 2015 von honduranischen Medienschaffenden als Alternative zu den korporativen Medien konzipiert, sagte Chefredakteurin Emy Padilla im Gespräch mit amerika21. Diese Medien bedienen in Honduras nahezu ausschließlich die Interessen der Unternehmensgruppen, denen sie gehören und die wiederum sehr interessiert an staatlichen Aufträgen sind. 2015 war das zweite Regierungsjahr von Präsident Juan Orlando Hernández, der später in den USA zu 45 Jahren Haft wegen Drogenhandels verurteilt und 2025 von US-Präsident Donald Trump begnadigt wurde. Es war zugleich das Jahr der großen Demonstrationen und Fackelmärsche wegen der Plünderung der Sozialversicherung für den Wahlkampf von Hernández, erzählte Padilla gegenüber amerika21 von der Zeit der Entstehung des Mediums. 

Criterio hatte sich von Beginn an investigativen Journalismus vorgenommen, wollte als unabhängiges Medium Korruption, Umweltskandale und Menschenrechtsverletzungen aufdecken. Schnell stellte sich heraus, dass dafür kein Geld aufzutreiben war und kaum jemand es wagte, auf der Plattform Werbung zu schalten. So war es schließlich an den heutigen Chefredakteur:innen, Emy Padilla und Jorge Burgos, die ersten vier Jahre allein und unbezahlt durchzuhalten, um Criterio erfolgreich aufzubauen und einige kleinere Spenden einzuwerben.

Ab 2020 gab es dann Fördermittel, vor allem von Organisationen und Stiftungen aus den USA, sodass bis zu 20 Beschäftigte eingestellt werden konnten. An der Finanzierung aus den USA kam auch Kritik. Dieser entgegnete Padilla gegenüber amerika21: "Wir dulden keinerlei Einmischung in unsere redaktionelle Unabhängigkeit. Wir sagen das unseren Geldgebenden auch ganz deutlich und bisher haben sie sich daran gehalten." Jorge Burgos ergänzt gegenüber amerika21: "Wir sind ein in jeder Hinsicht antiimperialistisches Medium und werden Imperien und ihre Machenschaften immer kritisieren, egal ob es die USA oder andere Großmächte sind."

Criterio recherchierte unter anderem, welches Millionenvermögen sich der damalige Präsident Hernández und seine Familie über die Jahre angeeignet hatten, was zu staatlichen Beschlagnahmungen nach seiner Auslieferung in die USA führte. Dafür war das Medium immer wieder massiven Cyberattacken, Angriffen auf Redaktionsmitglieder und Versuchen der Kriminalisierung ausgesetzt. Jorge Burgos sagte, dass Recherchen von Criterio trotz aller Anfeindungen aber auch in Ermittlungen der inzwischen aufgelösten Sonderstaatsanwaltschaft gegen Korruptionsnetzwerke (UFERCO), der 2020 beendeten internationalen Mission gegen Korruption und Straflosigkeit (MACCIH) oder Berichte des Hochkommissariats der Vereinten Nationen für Menschenrechte einflossen.

2025 wurden die Gelder aus den USA massiv zusammengestrichen. So musste Criterio sein Team auf derzeit elf Personen reduzieren, deren Auskommen nicht langfristig gesichert ist. Die Leitung sucht derweil neue Wege der Finanzierung: Seit einem Aufruf Anfang August 2026 an die Leser:innen, dem Medium auf breiter Basis auch finanziell unter die Arme zu greifen, sieht sich Criterio einer massiven Verleumdungskampagne ausgesetzt. Bereits zuvor, im Juni und Juli, wurde sein Threads-Account kommentarlos gelöscht, mindestens 37 Beiträge aus sozialen Netzwerken entfernt und gelöscht.

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Criterio schrieb in einem Dokument, das amerika21 vorliegt: "Interessanterweise beziehen sich die beanstandeten Inhalte auf Veröffentlichungen, die bestimmte Entscheidungen der honduranischen Regierung infrage stellen, wie beispielsweise die Einstellung des 'Wissenschaftlich-industriellen Komplexes von Honduras' – ein Projekt, das die Interessen privater Pharmaunternehmen bedrohte –, [...] die Ausweitung der privaten Sonderwirtschaftszone ZEDE Próspera; die Privatisierungsprozesse im Strom- und Wasserversorgungsbereich, wobei wir im letzteren Fall auf die Beteiligung des israelischen Unternehmens Mekorot hingewiesen haben; […] sowie die Einmischung der USA, von Donald Trump und Israel in Honduras und Lateinamerika, neben weiteren Themen, die für die Interessen der Machthabenden heikel sind."

Zur Verleumdung und Löschung von Inhalten kamen die permanente Überwachung des Redaktionsbüros durch eine neu eingerichtete Polizeistation direkt gegenüber der Redaktion sowie zahllose Hacker-Angriffe auf Konten von Beschäftigten.

Es sei nicht auszuschließen, so die internationale Menschenrechtsorganisation Article19, dass bestimmte Machthabende versuchen, die journalistische Arbeit von Criterio durch verschiedene Mechanismen zum Schweigen zu bringen. Die Behauptung, das Medium sei in Geldwäsche verwickelt und die Forderung, staatliche Institutionen sollten gegen Criterio ermitteln, könnten als Vorstufe zur Instrumentalisierung des Staatsapparats dienen, um unabhängigen Journalismus in Honduras zu kriminalisieren.

Reporter ohne Grenzen stufte Honduras im Mai 2026 in seinem Pressefreiheitsindex auf Platz 132 von 180 Ländern zwischen Kamerun und Uganda ein. El Salvador liegt auf Platz 143, Nicaragua auf Platz 168.


Criterio ist auch für amerika21 eine wichtige, sehr zuverlässige Quelle. Wir dokumentieren daher den Spendenaufruf hier in deutscher Übersetzung