Havanna/Caracas. Die kubanische Regierung hat Venezuela öffentlich die Rolle als Verbündeter abgesprochen. "Verbündeter ist ein zu starkes Wort", sagte Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossío am Rande der UN-Generalversammlung dem Sender Bloomberg. Venezuela sei ein "befreundetes Land", man versuche noch zu verstehen, was dort geschehen sei. Auf die Frage, ob die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez die Bolivarische Revolution verraten habe, antwortete er, sie scheine sich verändert zu haben.
Anlass dieser Aussagen ist der Auftritt von Rodríguez während der UN-Generaldebatte. Am 22. September verließ die kubanische Delegation während der Rede von US-Präsident Donald Trump den Saal. Trump hatte erklärt, Kuba werde "fallen". Rodríguez hörte im Saal zu, als Trump in derselben Rede Maduro einen "Diktator und Verbrecher" nannte und als er erklärte, den USA stehe nach dem Angriff auf Venezuela "die Beute" zu. Am Abend traf sie Trump in einem New Yorker Hotel. Ein Foto zeigt beide lächelnd, sie selbst sprach von einem "historischen" Treffen, bei dem es um die Stärkung der bilateralen Beziehungen gegangen sei.
In ihrer Rede vor der Vollversammlung am Folgetag dankte Rodríguez Trump für die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen. Sie kündigte Wahlen "unter gleichen Bedingungen für alle" an, nannte aber kein Datum. Das Ölabkommen mit den USA vom 28. August bezeichnete sie als das größte, das je unterzeichnet worden sei. Den in New York inhaftierten Nicolás Maduro erwähnte sie nicht.
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Kubas Wirtschaftsminister Joaquín Alonso Vázquez schrieb auf Facebook: "Der Verrat hat nur einen Namen: Verrat." Ramón Labañino, einer der "Cuban Five", beklagte, einen Freund "knien und verraten" zu sehen. Laut Efecto Cocuyo werten Beobachtende die Rede als Zeichen einer strategischen Ausrichtung an den USA. Der Politologe Luis Rendueles verwies darauf, dass Rodríguez nicht die Freilassung von Maduro forderte und die US-Militäroperation vom 3. Januar nicht verurteilte. Sie habe diese lediglich als erste große Prüfung bezeichnet, die Venezuela in diesem Jahr habe durchstehen müssen. Der Politologe Guillermo Tell Aveledo sieht in der Rede dagegen eine Liste von Vorhaben, die Rodríguez für die Zukunft in die Pflicht nehme.
Havanna und Caracas waren über Jahrzehnte enge politische und wirtschaftliche Verbündete. Kubanische Militärs waren Teil des Sicherheitsapparats Maduros. Beim US-Einsatz vom 3. Januar wurden 32 von ihnen getötet. Kurz darauf kündigte Trump an, Kuba erhalte aus Venezuela "kein Öl und kein Geld mehr". Zuvor hatte Venezuela rund 27.000 Barrel täglich nach Kuba geliefert, etwa 30 Prozent des dort verbrauchten Rohöls. Zugleich verhängten die USA eine Ölblockade gegen das Land.

