Brasília. Der brasilianische Senat hat am Mittwochabend die Abschaffung der sogenannten 6×1-Arbeitswoche beschlossen. Bei der Abstimmung über die Verfassungsänderung stimmten in beiden Wahlgängen jeweils 75 Senatoren dafür und einer dagegen. Die Regelung, nach der Beschäftigte sechs Tage arbeiten und anschließend einen freien Tag haben, soll durch eine Fünftagewoche mit zwei bezahlten Ruhetagen ersetzt werden. Da die Abgeordnetenkammer der Vorlage bereits zugestimmt hat, steht nur noch die offizielle Verkündung durch den Kongress aus.
Die Reform sieht eine schrittweise Verkürzung der gesetzlichen Höchstarbeitszeit von 44 auf 40 Wochenstunden vor, ohne dass die Löhne sinken dürfen. Zwei Monate nach der Veröffentlichung der Verfassungsänderung soll die Obergrenze zunächst auf 42 Stunden fallen, weitere zwölf Monate später auf 40 Stunden. Künftig müssen Beschäftigte grundsätzlich zwei bezahlte Ruhetage pro Woche erhalten, darunter vorzugsweise den Sonntag. Tarifverträge können unter bestimmten Bedingungen eine andere Verteilung der Ruhetage ermöglichen.
Die Abstimmung erfolgte nur elf Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt am 25. Oktober. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva (PT) hatte die Abschaffung der 6×1-Woche zu einem zentralen Anliegen seiner Regierung gemacht. Die Bewegung Vida Além do Trabalho (Leben jenseits der Arbeit) hatte sich jahrelang für kürzere Arbeitszeiten eingesetzt. Die Abgeordnete Erika Hilton (PSOL) griff die Forderung auf und brachte einen eigenen Vorschlag ins Parlament ein.
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Auch die Opposition stimmte der Reform mehrheitlich zu. Lulas Herausforderer Flávio Bolsonaro (PL) hatte die Initiative zuvor kritisiert und stattdessen einen Vorschlag seines Wahlkampfkoordinators Rogério Marinho (PL) unterstützt. Dieser sieht vor, dass Beschäftigte zwischen dem bisherigen Arbeitsmodell und einem flexiblen Modell mit Bezahlung nach geleisteten Stunden wählen können. Erst am Dienstag, einen Tag vor der Abstimmung, kündigte Bolsonaro an, doch für die Abschaffung der 6×1-Woche zu stimmen. Er begründete dies mit dem Wunsch der Mehrheit der Beschäftigten. Nach Angaben aus seinem Wahlkampfteam wird jedoch erwogen, die Reform im Falle eines Wahlsiegs an die wirtschaftspolitischen Vorstellungen einer neuen Regierung anzupassen. Am Mittwochabend gab er seine Stimme aus der Ferne ab. Marinho nahm dagegen nicht an der Abstimmung teil. Als einziger Senator stimmte der ehemalige Vizepräsident Hamilton Mourão (Republicanos) gegen die Reform.
Unternehmensverbände hatten im Vorfeld vor steigenden Personalkosten und möglichen Folgen für Beschäftigung und Preise gewarnt. Befürworter argumentieren dagegen, dass kürzere Arbeitszeiten die Gesundheit und Lebensqualität der Beschäftigten verbessern könnten. Besonders betroffen sind Arbeitnehmer im Handel, in der Gastronomie und in anderen Dienstleistungsbranchen.
Nach Angaben des brasilianischen Arbeitsministeriums arbeiten rund 14,8 Millionen Beschäftigte im 6×1-Modell. Die Zahl der Menschen, die von der Reform profitieren könnten, liegt allerdings deutlich höher. Es ist die erste allgemeine Verkürzung der gesetzlichen Wochenarbeitszeit seit der Verfassung von 1988, als diese von 48 auf 44 Stunden gesenkt wurde.

