Venezuela / Soziales

Venezuela zwei Monate nach dem Erdeben

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Naturkatastrophen betreffen speziell Frauen und Mädchen
Naturkatastrophen betreffen speziell Frauen und Mädchen

Caracas. Laut offiziellen Angaben steigen in Venezuela die Todeszahlen nach dem Doppelbeben auf 6.438. Fast 18.000 Menschen haben ihr Zuhause verloren und befinden sich noch immer in den 107 über die Krisenregionen verteilten Notunterkünften.

Enni, die Mutter eines achtjährigen Jungen und Überlebende aus La Guaira, erzählte von ihrer Realität in dem Übergangslager. Bei dem Beben verloren sie ihr Zuhause und alle Besitztümer. In dieser "Zeit des Schmerzes über das Verlorene und der Unsicherheit über die Zukunft" hat sie im Lager zumindest zwei warme Mahlzeiten am Tag. "Im Moment habe ich einfach das Gefühl, dass ich nicht allein bin, dass man mir zur Seite steht und ich in Sicherheit bin", sagte Enni. "Ich spüre eine gewisse Stabilität um mich herum, umgeben von Organisationen, die sich um die Ernährung, den Schutz und das Wohlergehen meines Sohnes kümmern."

In den Lagern versorgen humanitäre Organisationen die Menschen täglich mit Lebensmitteln, medizinischer Versorgung und garantieren den Zugang zu sauberem Wasser, sanitären Einrichtungen und Hygiene. Die Familien erhalten vorübergehende Unterkünfte, Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt, Unterstützung in den Bereichen Ernährung und Bildung sowie psychosoziale Betreuung.

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Besonders betroffen von den Folgen des Bebens sind Frauen und Mädchen. Laut UN Women befanden sich rund 1,97 Millionen Frauen unter 50 Jahren sowie über 956.000 Mädchen und junge Frauen in den am stärksten erschütterten Gebieten, wo fehlende sichere Unterkünfte das Risiko von Gewalt, Missbrauch und Menschenhandel erhöhen. Gleichzeitig erschwert die zusätzliche Sorgearbeit für Kinder, Verletzte und ältere Angehörige vielen Frauen den Zugang zu Erwerbsarbeit und Hilfsleistungen.

Die Vereinten Nationen fordern derzeit zusätzliche 299 Millionen US-Dollar, um in den kommenden sechs Monaten 1,3 Millionen weitere Menschen zu erreichen. Der Gesamtbedarf liegt damit bei 931 Millionen US-Dollar, um landesweit 6,2 Millionen Menschen zu unterstützen. Der direkte Schaden an Wohnungen und Infrastruktur wird von der Katastrophenvorsorge-Behörde der UN (UNDRR) auf bis zu 37 Milliarden US-Dollar geschätzt, davon allein rund 24 Milliarden für Wohnhäuser, Geschäfte, Schulen, Krankenhäuser und weitere öffentliche Einrichtungen (amerika21 berichtete). Von der Übergangsregierung kam die Mitteilung, dass bereits 59.109 Wohnungen begutachtet wurden, von welchen 34.680 als bewohnbar eingestuft wurden.

Die Erdbeben trafen ein Land, in dem laut UN-Nothilfebüro OCHA bereits vor der Katastrophe rund acht Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen waren. Langfristiger Bedarf muss nun stärker in den Vordergrund rücken.