Panama-Stadt. "Mein Ziel ist Panama … meine unmittelbare Zukunft ist die Rückkehr." Mit dieser Ankündigung hat sich der Generalsekretär der panamaischen Baugewerkschaft SUNTRACS, Saúl Méndez, am 1. August aus dem Exil zu Wort gemeldet. Seit Juli sucht Interpol den prominenten Gewerkschafter, unter anderem wegen angeblicher Geldwäsche, Betrug und Urkundenfälschung. Méndez selbst bezeichnet die Vorwürfe als politisch motiviert. Er ruft zum zivilen Widerstand gegen die Regierung unter José Raúl Mulino Quintero auf. Derzeit befindet er sich mutmaßlich in Venezuela.
Die Repression gegen Méndez steht exemplarisch für eine größere politische Eskalation in Panama. Bereits seit Monaten formiert sich Widerstand gegen die neoliberale Agenda der Regierung, insbesondere gegen die Rentenreform Ley 462 und ein neues Sicherheitsabkommen mit den USA.
Der Generalsekretär der SUNTRACS hatte Panama Mitte Juni verlassen, nach einer kurzen Aufenthaltszeit in Bolivien, wo ihm politisches Asyl gewährt wurde, er verließ das Land aber wieder Mitte Juli, mutmaßlich Richtung Venezuela. Die Regierung in Panama hat über Interpol eine Auslieferung beantragt.
Seit Beginn der Proteste haben sich Gewerkschaften, Studierende und indigene Organisationen in Panama gegen das Rentengesetz 462 sowie gegen das neue Sicherheitsabkommen mit den USA formiert. Die Reform wird als Angriff auf die soziale Absicherung gewertet, das Abkommen als Erhöhung der militärischen Präsenz. Besonders stark mobilisierten die sozialen Bewegungen in der Provinz Bocas del Toro, wo auch indigene Gemeinschaften aktiv sind.
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Die Regierung antwortete mit repressiven Maßnahmen: Im Mai wurde der SUNTRACS die rechtliche Anerkennung entzogen und Konten bei der staatlichen Caja de Ahorros eingefroren. Zudem wurden Gewerkschaftsbüros durchsucht, viele Gewerkschafter:innen erhielten Haftbefehle oder wurden festgenommen. Am 20. Juni verhängte die Regierung den Ausnahmezustand in Bocas del Toro, was Grundrechte wie die Versammlungsfreiheit massiv einschränkte.
Die offiziellen Vorwürfe gegen Méndez stehen im Zusammenhang mit dem Tourismusprojekt Red Frog Beach, bei dem Beschäftigte angeblich um Lohnzahlungen betrogen wurden. Méndez bestreitet diese Anschuldigungen als politisch motiviert. Gewerkschaftsverbände und Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Strafverfolgung als gezielte Kriminalisierung sozialer Bewegungen. Der Internationale Gewerkschaftsbund verurteilte insbesondere die Kontensperrungen und den Entzug der Rechtspersönlichkeit der SUNTRACS als schwerwiegende Eingriffe in die Vereinigungsfreiheit.
Die Flucht Méndez’ verleiht dem Konflikt eine internationale Dimension. Panama strebt die Auslieferung über Interpol an. Am 25. Juli 2025 bestätigte die panamaische Staatsanwaltschaft, dass Interpol eine internationale "rote Notiz" gegen Saúl Méndez aktiviert hat, nachdem dieser freiwillig Bolivien verlassen und damit seinen internationalen Schutzstatus verloren hatte.
Während die Regierung auf Strafverfolgung setzt, kämpfen Gewerkschafter:innen für den Schutz ihrer Führungspersonen und die Verteidigung demokratischer Rechte in einem zunehmend repressiven Umfeld.

