Peru / Politik

Peru wählt am Sonntag Präsident und Kongress: Offenes Rennen

Erste Wahlen seit Sturz von Castillo. Wirtschaftsliberale Kandidaten liegen vorn. Angespannte Lage im Land und hohe Unzufriedenheit mit Politik kennzeichnen Wahlkampf

keiko_fujimori.jpg

Keiko Fujimori liegt bei Umfragen vorn, einen klaren Favouriten gibt es aber nicht
Keiko Fujimori liegt bei Umfragen vorn, einen klaren Favouriten gibt es aber nicht

Lima. Am Sonntag sind mehr als 20 Millionen Peruaner:innen zu den allgemeinen Wahlen aufgerufen. Neu bestimmt werden der Staatspräsident, der Kongress und fünf Abgeordnete für das Anden-Parlament. Es sind die ersten Wahlen seit dem Sturz des linksorientierten Pedro Castillo am 7. Dezember 2022, seitdem wechselten mehrfach die Übergangspräsidenten. Zuletzt war der linke Politiker José Balcázar Mitte Februar dieses Jahres vom Parlament zum Übergangspräsidenten gewählt worden (amerika21 berichtete).

Das politische Feld ist stark fragmentiert, lässt sich jedoch grob in zwei größere Lager einteilen. Auf der einen Seite stehen rechte und wirtschaftsliberale Kräfte, die politisch weitgehend in der Linie von Dina Boluarte agieren, die Peru nach dem Sturz von Castillo bis zu ihrer Absetzung am 10. Oktober 2025 regierte (amerika21 berichtete). Zu den zentralen Akteuren zählen hier Parteien wie Fuerza Popular sowie Renovación Popular. Kandidat:innen dieses Spektrums sind Keiko Fujimori, die in Umfragen aktuell vorne liegt und bereits zum dritten Mal für das Amt der Regierungschefin kandidiert, sowie Rafael López Aliaga und Carlos Álvarez. Sie setzen auf wirtschaftlichen Liberalismus, Investitionsförderung und eine enge Anbindung an westliche Partner.

Demgegenüber steht ein heterogenes links-progressives Lager, das sich programmatisch eher an der Politik von Pedro Castillo orientiert. Parteien und Bewegungen aus diesem Spektrum fordern eine stärkere Rolle des Staates, soziale Umverteilung und eine politische Neuausrichtung zugunsten bislang marginalisierter Bevölkerungsgruppen. Allerdings tritt dieses Lager bislang zersplittert auf und verfügt über geringere Umfragewerte als die konservativen Kandidat:innen.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik. Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Die Wahl fällt in ein politisch, sozial und wirtschaftlich angespanntes Klima: Inflation, steigende Lebenshaltungskosten, eine anhaltende Gesundheits- und Wirtschaftskrise sowie die seit Jahren zunehmende Gewaltkriminalität setzen der Bevölkerung zu. Viele fragen sich, wie die Zukunft des Landes aussehen kann und welche politischen Kräfte glaubwürdige Lösungen für die drängenden Probleme anbieten. Umfragen zeichnen ein Bild von Resignation und wachsender Entfremdung gegenüber dem Parteiensystem. Immer mehr Peruaner:innen scheinen das Vertrauen in die soziale und ethische Gestaltungskraft der Politik zum Wohle der Allgemeinheit zu verlieren.

Der Journalist und Soziologe Eland Vera erklärte gegenüber amerika21, dass kaum von einem fairen Wahlkampf gesprochen werden kann. Seit dem Sturz von Castillo im Jahr 2022 habe sich im Kongress ein Machtblock rechter Kräfte gebildet. Vera bezeichnet dieses Bündnis als "mafiös", da es staatliche Institutionen, speziell die Justiz, beeinflusse und Korruption begünstige.

Charakteristisch für Peru bleibt die hohe Volatilität des Wahlverhaltens, sagte Vera. Viele Wähler entscheiden sich erst kurz vor dem Urnengang, und nicht selten gewinnen Kandidaten erst in den letzten Wochen deutlich an Sichtbarkeit. Entsprechend zeigt sich auch in den aktuellen Umfragen kein klares Bild. Laut Vorhersagen erreicht keine:r der Kandidat:innen mehr als zehn bis 15 Prozent. Der Wahlausgang ist noch offen.