Santiago de Chile. Die Ablehnung des chilenischen Präsidenten José Antonio Kast ist laut einer neuen Umfrage von Pulso Ciudadano auf 53,3 Prozent gestiegen und hat damit einen neuen Höchstwert erreicht. Die am Sonntag veröffentlichte Erhebung untersuchte zudem die Haltung zur Nutzung des Präsidentenpalasts La Moneda für private Feierlichkeiten sowie die Bewertung des Kabinetts.
Während die Ablehnung der Arbeit des Präsidenten von 48,7 Prozent im März auf nun 53,3 Prozent im April um 4,6 Prozent zunahm, sank gleichzeitig seine Zustimmung im selben Zeitraum von 34,7 auf 33,3 Prozent. 13,4 Prozent der Befragten gaben an, keine Meinung zu haben. Im Vergleich zu seinem Vorgänger Gabriel Boric liegt die Ablehnung von José Antonio Kast mit 53,3 gegenüber 51,0 Prozent ebenfalls höher.
Analysten werten die ersten Monate der Regierung nicht als reine Eingewöhnungsphase, sondern als Ablehnung grundlegender Tendenzen der neuen Regierung durch einen großen Teil der Bevölkerung. So etwa der Ansatz, die wirtschaftliche Stagnation zu lösen, indem soziale Lasten auf die arbeitende Bevölkerung abgewälzt werden, wie es die angekündigten Kürzungen im Bildungsbereich zeigen.
Das Tempo, mit dem die Ablehnung wächst, sogar stärker als bei den letzten Regierungen, wird als Alarmsignal gesehen. Zudem steigt die Aktivität auf der Straße gegen die Regierung, was unter anderem die Reaktivierung der Proteste jeden Freitag im Zentrum Santiagos zeigt, ähnlich wie beim sozialen Aufstand im Oktober 2019.
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Besonders deutlich zeigt sich der Unmut in der Bewertung der Nutzung des Präsidentenpalasts für private Treffen. Ein kürzlich durch den Präsidenten abgehaltenes Bankett für siebzig ehemalige Jurakommilitonen der Katholischen Universität Chiles stieß bei vielen auf Unverständnis. In der Umfrage geben 46,5 Prozent der Befragten an, dies als ernst oder sehr ernst wahrzunehmen. Auch dem Meinungsinstitut Criteria zufolge lehnen 59 Prozent die Nutzung des Präsidentenpalasts für private Zwecke ab, während nur 21 Prozent zustimmen.
In derselben Befragung von Criteria lehnt zudem eine breite Mehrheit die Pläne der Regierung zur Senkung von Steuern für Konzerne ab. So geben 73 Prozent an, die Steuern für große Unternehmen erhöhen zu wollen, während 91 Prozent eine geringere Belastung für natürliche Personen fordern. Die Kritik richtet sich gegen Entscheidungen, die aus Sicht der Befragten nicht das Wohl der Mehrheit im Blick haben. Die Umfragen deuten auf eine Krise der Legitimität der Regierungsführung hin.
Ein ähnliches Bild gibt die Befragung zur Arbeit der unterschiedlichen Regierungsmitglieder ab. Zu den am schlechtesten bewerteten Mitgliedern gehören die Regierungssprecherin Mara Sedini mit einer Ablehnung von 49,7 Prozent und Finanzminister Jorge Quiroz mit 43,7 und Bildungsministerin María Paz Arzola mit 40,2 Prozent. Die Umfragewerte stehen im Zusammenhang mit den Kürzungen bei der Bildung, den geplanten Steuersenkungen für Konzerne und der Kommunikation dieser Vorhaben.
Gleichzeitig zeigen die nach wie vor starken Werte für Innenminister Claudio Alvarado, der 45,7 Prozent Zustimmung erhält, dass die Regierung bei den Themen Sicherheit und Migration noch auf Rückhalt zählt. Beides waren Themen, die Präsident Kast im Wahlkampf zu seinen Prioritäten machte.

