Argentinien / Umwelt / Politik

Mileis Kettensäge trifft Argentiniens Wetterdienst

Einsparungen gefährden Unwetterwarnungen und Wettervorhersagen. Flugverkehr und Notfallversorgung bereits betroffen. Regierung erklärt Schritt mit notwendigen Modernisierungen

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Eine von Schlamm bedeckte Strasse in der  Autos teilweise unter dem Schlamm verschwunden sind
Die Auswirkungen von Extremwetter in Argentinien: Bahía Blanca nach dem Starkregen im März 2025

Buenos Aires. Die Auseinandersetzung um die massiven Einsparungen beim argentinischen Wetterdienst Servicio Meteorológico Nacional (SMN) geht in die nächste Runde. Für den gestrigen Freitag haben Abgeordnete verschiedener politischer Blöcke eine öffentliche Anhörung in den Räumlichkeiten des Nationalkongresses einberufen, um auf die Folgen der Politik von Präsident Javier Milei hinzuweisen.

Aufgrund der Budgetkürzungen muss der SMN bis zu 240 Mitarbeiter:innen entlassen, ungefähr 20 Prozent der Belegschaft. Bereits Mitte April hatte der Wetterdienst angekündigt aufgrund der Sparmaßnahmen am Rand eines operativen Zusammenbruchs zu stehen. Deregulierungsminister Federico Sturzenegger erklärt die Entlassungen mit notwendigen Modernisierungen.

Betroffen sind unter anderem zahlreiche Wetterbeobachter:innen, die in 125 Messstationen im Land für die Echtzeiterhebung von Wetterdaten zuständig sind. Diese Daten sind unerlässlich für Wettervorhersagen und Unwetterwarnungen und werden im Zivilschutz, der Landwirtschaft und im Flugverkehr verwendet.

Während der Anhörung erklärte Ana Saralegui, Meteorologin des SMN und Sprecherin der Staatsarbeiter:innen-Gewerkschaft, dass die Arbeit des Wetterdienstes in der Frühwarnung vor Extremwetter unverzichtbar ist. Sie erinnerte an die letztjährigen Überflutungen in Bahía Blanca, die von ungewöhnlich heftigen Regenfällen ausgelöst wurden und mindestens 17 Todesopfer forderten.

"Nach Tragödien wie denen in Bahía Blanca oder La Plata bedeutet die Zerschlagung des Nationalen Wetterdienstes, mit dem Leben von Millionen von Menschen zu spielen, angesichts der Folgen von Klimaphänomenen, die immer extremer werden", kommentierte auch Néstor Pitrola, Abgeordneter der oppositionellen Arbeiter:innenpartei.

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Die jetzt durchgeführten Kürzungen und Entlassungen sind nicht die ersten Sparmaßnahmen, die den Wetterdienst treffen. Seit Mileis Amtsantritt vor zwei Jahren sank der Haushalt für die Abteilung um 43 Prozent. Darüber hinaus wurden bereits im Dezember letzten Jahres fast sechs Prozent der Beschäftigten entlassen.

Die Datenerhebung in Argentiniens Wetterstationen wird bislang durch geschulte Mitarbeiter:innen durchgeführt, die das Ministerium durch automatisierte Wettermessungen ersetzen will. Eine Meteorologin, die in der aktuellen Kündigungsrunde ihren Job verlor, äußerte sich gegenüber La Nacion skeptisch, da insbesondere günstige Automatisierungslösungen fehleranfällig seien.

Die Gewerkschaft der Staatsangestellten hatte als Antwort auf die Entlassungen zuerst zu einem Streik aufgerufen, der auch eine temporäre Einstellung des Flugverkehrs zur Folge gehabt hätte. Nachdem dieser von der Regierung als illegal erklärt worden war, kam es stattdessen zu Protesten am 30. April.

Die von Kritiker:innen befürchteten Auswirkungen der Einsparungen beim Wetterdienst sind jetzt schon in Teilen des Landes spürbar. Fünf Wetterstationen mussten ihren Betrieb bereits wegen Personalmangels einstellen, während 30 weitere Standorte die nächtlichen Messungen einstellen mussten. Wegen der fehlenden Messungen finden am Flughafen in San Juan seit dem 1. Mai nachts keine Flüge mehr statt. Gegenüber La Tinta erklärte ein Experte, dass aufgrund der fehlenden Wetterüberwachung bereits jetzt medizinische Flüge gestrichen werden, was auch die Notfallversorgung in Teilen des Landes betrifft.