Venezuela und Weltbank beraten über Investitionen und Wachstum

Rodríguez empfängt Delegation in Caracas. Erst im April wurde Zusammenarbeit wieder aufgenommen. IWF-Kredite will Venezuela nicht in Anspruch nehmen

venezuela_weltbank.jpg

Rodríguez empfängt die Delegation der Weltbank
Rodríguez empfängt die Delegation der Weltbank

Caracas. Die geschäftsführende Präsidentin von Venezuela, Delcy Rodríguez, hat sich am vergangenen Freitag mit einer Delegation der Weltbank unter der Leitung der Vizepräsidentin für Lateinamerika und Karibik, Susana Cordeiro Guerra, getroffen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen nach Angaben der venezolanischen Regierung die wirtschaftliche Stabilisierung des Landes, internationale Investitionen, die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums.

Das Treffen erfolgte wenige Wochen nach der Ankündigung Venezuelas vom 16. April, die Beziehungen zum Internationalen Währungsfonds (IWF) wieder aufzunehmen (amerika21 berichtete). Daraufhin erklärten sowohl der IWF als auch die Weltbank ihre Bereitschaft, die seit 2019 ausgesetzte Zusammenarbeit mit Caracas schrittweise wiederherzustellen. Die Unterbrechung hatte den Zugang Venezuelas zu internationalen Finanzmitteln und Sonderreserven über mehrere Jahre blockiert.

Nach Angaben der venezolanischen Behörden wurden bei dem Treffen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sowie die Auswirkungen der internationalen Sanktionen erörtert. In einer von der Regierung veröffentlichten Erklärung hieß es, die Gespräche hätten "in einer freundlichen und konstruktiven Atmosphäre" stattgefunden und den Austausch über mögliche Bereiche technischer Zusammenarbeit ermöglicht.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik. Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Rodríguez erklärte zugleich, Venezuela plane nicht, ein Kreditprogramm des IWF in Anspruch zu nehmen. Stattdessen hoffe Caracas auf die Freigabe der seit 2019 blockierten Sonderziehungsrechte, um Investitionen in öffentliche Dienstleistungen, das Stromnetz und die Wasserversorgung zu finanzieren. Unter Sonderziehungsrechten versteht man eine Art Kunstgeld, mit dem bewusst und gezielt Währungsreserven aufgrund internationaler Vereinbarung geschaffen werden. 

Des Weiteren betont Caracas sein Engagement für den Aufbau einer diversifizierten Wirtschaft, die für den Weltmarkt offen sei und sich für das Wohlergehen aller Bürger:innen einsetze.

Der Wirtschafts- und Finanzminister Venezuelas, Calixto Ortega, erläuterte, die ab August 2017 verschärften Sanktionen hätten eine Begleichung der Schulden Venezuelas verhindert. Ziel einer möglichen Umschuldung sei es, neue Finanzierungsquellen zu erschließen und zugleich öffentliche Dienstleistungen sowie den Privatsektor zu stärken. Die Regierung verweist zudem auf eine wirtschaftliche Erholung des Landes, die eine finanzielle Neuordnung ermögliche, ohne soziale Investitionen zu gefährden.