Berlin/Jalisco. Am mexikanischen Stand auf der Internationalen Tourismus Börse (ITB) steht in diesem Jahr der Bundesstaat Jalisco im Mittelpunkt. Immerhin ist die Hauptstadt Guadalajara Austragungsort der FIFA-Fußballweltmeisterschaft, die 2026 neben den USA und Kanada auch in Mexiko stattfindet. Das Design der Werbewand: Bunte Fußbälle und große Tequila-Flaschen.
Gleichzeitig bedroht der Massentourismus Ökosysteme und Gemeinschaften in Südmexiko: Seit Jahren leisten vor allem indigene Organisationen Widerstand gegen koloniale, neoliberale Megaprojekte wie den Maya-Zug. Dem mit Energieanlagen, Straßen, (Flug-)Häfen und Immobilienkomplexen einhergehenden und stark militarisierten Infrastrukturnetz fallen Regenwälder und Mangroven zum Opfer.
Aus Deutschland hatte sich zuerst die Deutsche Bahn am Vorhaben beteiligt, seit diesem Jahr verkauft der Konzern Flix Tickets für den Maya-Zug. Am Eröffnungstag der ITB in Berlin veröffentlichte das Maya-Gemeindezentrum U kúuchil k Ch'i'ibalo'on aus der direkt betroffenen Region um Felipe Carrillo Puerto eine deutliche Erklärung: "Wieder einmal setzt sich der unersättliche Kapitalismus die Maske des Entdeckers, des Reisenden, des Besuchers, des Touristen auf. Der Kapitalismus, der in Privatflugzeugen, auf Yachten und Kreuzfahrtschiffen reist, der in Hotels übernachtet, die auf Mangroven und Urwäldern gebaut sind; der Kapitalismus, der Euro- und US-Dollarkrümel dort verstreut, wo die Menschen Würde fordern. Der Kapitalismus, der sich an den Stränden sonnt, dort, wo die Fischer:innen früher gemeinsam arbeiteten und heute nur noch Diener:innen in einem System sind, welches diese Menschen verachtet und sie als Clowns für diesen Tourismuskapitalismus benutzt; dort, wo Trinkgelder verschenkt werden, als würde man Essensreste in den Müll werfen. Das ist kapitalistischer Tourismus. Das ist es, was auf der Tourismusmesse in Berlin verhandelt wird."
Weiterhin werden in ausgelegten Flugblättern auch Investorenpläne für Luxusresorts im Gazastreifen und Menschenrechtsverletzungen wie Umweltverschmutzung in der Dominikanischen Republik kritisiert. Auch der Aeropuerto del Pacífico der Regierung von El Salvador wird hervorgehoben, denn das Flughafenprojekt führt zu Vertreibung und gefährdet wichtige Mangroven.
Ohne Moos nix los
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Am dritten Tag der ITB sind es weniger als 100 Tage bis zum WM-Start in Mexiko. Am selben Tag, dem 5. März, werden im mexikanischen Guerrero zwei Mitglieder des Indigenen und Populären Rates von Guerrero - Emiliano Zapata (CIPOG-EZ) von paramilitärischen Einheiten erschossen. Seit Jahren wird der CIPOG-EZ für seine Arbeit zur Verteidigung des Territoriums kleinbäuerlicher, indigener Gemeinden angegriffen. Bereits im Januar diesen Jahres kündigten sie an, ihren Protest im Vorfeld der FIFA-WM 2026 zu intensivieren.
In Deutschland geriet Jalisco in den vergangenen Tagen in die Schlagzeilen, als im Chaos nach der Tötung des Chefs des Kartells Jalisco Nueva Generación die Frage aufgeworfen wurde, ob die WM planmäßig stattfinden könne (amerika21 berichtete). Diese Gewalt ist nicht neu. Die Menschen vor Ort leiden seit Jahrzehnten unter der organisierten Kriminalität, die oftmals mit korrupten staatlichen Akteur:innen verstrickt ist. Familienangehörige suchen überall im Land nach über 100.000 Verschwundenen. Nur 20 Kilometer vom künftigen WM-Stadion in Guadalajara entdeckte ein Suchkollektiv vor Monaten Massengräber.
Dabei führt die FIFA-WM zu einer Verschärfung der Menschenrechtslage. Insbesondere in Mexiko-Stadt artikuliert sich zunehmend Protest gegen die Umwandlung von Wohnraum für touristische Zwecke, die Verdrängung von Straßenverkäufer:innen oder den Diebstahl des Wassers in Vierteln nahe der Stadien (amerika21 berichtete).
Die Erklärung des Maya-Gemeindezentrum ist hier übersetzt dokumentiert.

