Mexiko-Stadt. Die mexikanische Generalstaatsanwaltschaft (FGR) hat nach eigenen Angaben Beweise dafür, dass das FBI an der Festnahme und Überstellung des mutmaßlichen Drogenbosses Ismael "El Mayo" Zambada García in die USA im Juli 2024 beteiligt war. Sollte sich dies bestätigen, wäre dies ein Verstoß gegen mexikanisches Recht und das Völkerrecht, sagte Generalstaatsanwältin Ernestina Godoy Ramos am Donnerstag auf einer Pressekonferenz von Präsidentin Claudia Sheinbaum.
Die Ermittlungen hätten schwerwiegende Sachverhalte ergeben: Verstöße gegen nationales und internationales Recht, eine rechtswidrige Absprache im Zusammenhang mit der Festnahme sowie Falschaussagen des früheren US-Botschafters Ken Salazar. Dieser hatte im August 2024 erklärt, weder US-Behörden noch US-Personal seien an der Operation beteiligt gewesen; vielmehr habe es sich um eine Aktion "zwischen Drogenkartellen" gehandelt.
Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte, das FBI habe das bei der Festnahme eingesetzte Flugzeug im War Eagles Air Museum im Bundesstaat New Mexico öffentlich ausgestellt. Das mexikanische Konsulat habe die Maschine dort identifiziert. Sie werde als Erfolg im Kampf gegen den Drogenhandel präsentiert. "Sie stellen ein Flugzeug als ihren Triumph aus, als ihre eigene öffentliche Operation. Welche Absprachen hatte diese Behörde - oder wer auch immer daran beteiligt war - mit dieser kriminellen Gruppierung", fragte Sheinbaum.
Nach Angaben der FGR hat Mexiko über diplomatische Kanäle bereits 13 Anfragen an das US-Justizministerium und das FBI gerichtet, bislang jedoch keine inhaltliche Antwort erhalten. Beide Behörden hätten stattdessen "falsche oder ungenaue Angaben" gemacht.
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Die Staatsanwaltschaft führt seit Juli 2024 sieben Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Fall. Diese umfassen unter anderem den Mord an Héctor Melesio Cuén, dem früheren Rektor der Autonomen Universität von Sinaloa, sowie das Verschwinden von zwei Leibwächtern Zambadas. Nach Behördenangaben wurden bislang 153 Zeugen vernommen, 1.288 Berichte erstellt und 124 Gutachten angefertigt.
Ein mexikanischer Auslieferungsantrag für Zambada wurde von den USA mit der Begründung abgelehnt, gegen ihn laufe bereits ein Strafverfahren vor einem Bundesgericht. In Mexiko bestehen nach Angaben der FGR 32 Ermittlungsverfahren gegen den mutmaßlichen Drogenhändler.
Sheinbaum bezeichnete eine mögliche eigenmächtige FBI-Operation auf mexikanischem Staatsgebiet als Eingriff in die nationale Souveränität und als Verstoß gegen die Verfassung sowie internationale Abkommen. Das Außenministerium sei angewiesen worden, vom FBI Aufklärung zu verlangen. Zudem solle der amtierende US-Botschafter Ronald Johnson zu der Ausstellung des Flugzeugs befragt werden.
Es handelt sich nicht um den ersten Fall dieser Art. So kamen im April dieses Jahres im Bundesstaat Chihuahua zwei CIA-Agenten ums Leben. Nach mexikanischen Angaben waren sie ohne die erforderlichen Genehmigungen auf mexikanischem Staatsgebiet tätig gewesen.

