Manta/Washington. Das US-amerikanische Amt für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte (OFAC) hat am Donnerstag vergangener Woche Sanktionen gegen ein Netzwerk mutmaßlicher Kokainschmuggler in Ecuador verhängt. Laut der Bekanntgabe der OFAC, einer Unterabteilung des US-Finanzministeriums, umfassen die Sanktionen acht Personen, sieben Unternehmen und zehn Schiffe. Zentrum der Schmuggler soll die Hafenstadt Manta in Manabí sein.
Infolge der Maßnahme wurden die Vermögenswerte der sanktionierten Personen in den USA gesperrt und müssen der OFAC gemeldet werden. Davon sind unter anderem Julio Mero Franco, Milton Mendoza, Jimmy Alarcón Holguin und Edwar Mero Arcentales sowie ihre jeweiligen Unternehmen betroffen.
Von Ecuador aus soll nicht nur Kokain aus einheimischer Produktion verschifft werden, sondern auch solches aus Peru und Kolumbien. Neben der Route durch die Karibik sei der Ostpazifik ein wichtiger Transportweg aus Südamerika in Richtung USA. Von Manta aus soll das Kokain nach Informationen der OFAC von Schiffen weitertransportiert werden, die als Fischerboote getarnt seien. Auf dem Meer treffen sie angeblich Schnellboote, denen sie die Drogen übergeben und die sie zusätzlich mit Lebensmitteln, Medizin und Treibstoff versorgen. Die Schnellboote wiederum bringen die Drogen nach Mittelamerika und Mexiko. Auf diese Weise soll allein Mero Franco jeden Monat die Verschiffung von 30 bis 40 Tonnen Kokain koordinieren.
Mehrere der Männer sollen bei ihren Aktivitäten direkt mit den kriminellen Banden Los Choneros und Los Lobos zusammenarbeiten, die zu wichtigen Akteuren im internationalen Kokainhandel aufgestiegen sind. Tatsächlich bezeichnet die OFAC Ecuador als "führenden Ausgangspunkt für Kokainlieferungen" und behauptet, dass die ecuadorianischen Organisationen mit mexikanischen Kartellen kooperieren, namentlich dem Sinaloa-Kartell und dem Kartell Jalisco Nueva Generación.
Sie schätzen unsere Berichterstattung?
Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik. Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.
Gegen zwei der sanktionierten Männer, Mendoza und Alarcón Holguin, wurde wegen verschiedener krimineller Verdachtsfälle bereits 2018 durch die ecuadorianischen Behörden ermittelt. Das Verfahren gegen Alarcón Holguin wurde jedoch eingestellt, Mendoza gar nicht erst angeklagt. Auch zwei der Schiffe, die jetzt von den USA sanktioniert werden, wurden im Rahmen des Verfahrens gegen Mendoza beschlagnahmt, mussten jedoch auf richterliche Anweisung wieder herausgegeben werden.
Die Maßnahme der OFAC ist Teil einer größeren Initiative der USA gegen den Drogenhandel im Ostpazifik. Vor einem Jahr startete die US-Küstenwache die Operation Pacific Viper. In deren Rahmen gelang es den Sicherheitskräften bis Juli, ca. 112 Tonnen Kokain zu beschlagnahmen. Sollten die Angaben der OFAC bezüglich der geschmuggelten Mengen aus Manta zutreffen, wäre dies jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Laut Infobae zeigt die Entscheidung der OFAC den veränderten Ansatz der USA im Kampf gegen den ecuadorianischen Drogenhandel. So sollen nicht nur diejenigen verfolgt werden, die die Drogen direkt transportieren, sondern auch die Netzwerke und die unternehmerische Infrastruktur im Hintergrund zerschlagen werden. Die USA arbeiten außerdem eng mit Ecuador zusammen, um den Drogenhandel einzudämmen. Beide Staaten haben ihre Anstrengungen bei der Überwachung kürzlich verstärkt.
Der Sicherheitsexperte Hernán Moreano führt die Probleme bei der Kontrolle des Kokainschmuggels jedoch nicht nur auf einen Mangel an Luftüberwachung und Radaranlagen zurück, sondern vermutet auch Korruption innerhalb der ecuadorianischen Behörden. Dieser Verdacht wird von der OFAC nicht öffentlich geäußert.

